Star Wars: Die letzten Jedi – Review

Die Story

Mit der Zerstörung des Hosnia-Systems und somit des Hauptsitzes der Neuen Republik und des Galaktischen Senats ist nun auch der letzte Stützpunkt des Widerstands in Gefahr. Die Erste Ordnung möchte den Widerstand mit allen Mitteln zerstören. Doch dank des waghalsigen Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac) können die letzten Widerstandskämpfer fliehen, unter ihnen auch General Leia Organa (Carrie Fisher) und Finn (John Boyega), ein Überläufer. Um die Erste Ordnung jetzt noch besiegen zu können, brauchen sie Hilfe des wohl letzten Jedi: Luke Skywalker (Mark Hamill).

Luke hat sich jedoch vor vielen Jahren von jeglichen politischen Konflikten abgeschirmt. Nach dem Verlust seiner Jedi-Schule und all seiner Schüler plagt es ihn noch immer, dass sein mächtigster Schüler, Ben Solo (Adam Driver), zur dunklen Seite der Macht hingezogen wurde. Doch Lukes Exil ist nicht von langer Dauer, da die junge Rey (Daisy Ridley) ihn aufsucht, um die Kräfte der Macht und der Jedis zu erlernen. Trotz der riesigen Kräfte, die in Rey darauf warten, genutzt zu werden, fürchtet sich Luke davor, erneut Lehrer zu sein.

Zur selben Zeit steht der letzte Kreuzer des Widerstandes davor, zerstört zu werden. Dies würde das sofortige Ende der Rebellion bedeuten. Der einzige Ausweg scheint, dass sich Finn und die junge Technikerin Rose (Kelly Marie Tran) auf eine waghalsige Expedition begeben, um das Unvermeidliche aufzuhalten – denn die Macht der Ersten Ordnung, unter Leitung des Obersten Anführers Snoke, scheint immer weiter zu wachsen. Das Gleichgewicht der Macht ist im Wanken.

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Die 'lustige' Seite der Macht

Nachdem J. J. Abrams mit „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ eine deutliche Hommage an die klassische Trilogie lieferte, wagt sich nun Rian Johnson, der hier die Rolle des Regisseurs und des Drehbuchautors in sich vereint, an eine relativ neue Thematik. Der Fokus liegt nicht mehr wirklich auf den Figuren, welche die Macht beherrschen, sondern zeigt lieber so viele Teilgeschichten wie möglich, die am Ende zusammenlaufen sollen. Untermalt wird dies mit einem konstant humoristischen Unterton. Leider schlägt dieser nicht immer so an, wie es sich Johnson vermutlich vorgestellt hätte. Obwohl witzige Bemerkungen und coole Sprüche bereits in vorherigen Teilen verwendet wurden, kam nie das Gefühl auf, dass diese erzwungen oder einfach nur schlecht platziert seien. So ist es aber in „Die letzten Jedi“. Es fühlt sich viel zu überladen an und wirkt, als ob man den Zuschauer dazu zwingen möchte, einfach mal zu lachen. Bedauernswerterweise ist dies für Star Wars sehr unpassend.

Seine Filme wurden schon mit zahlreichen Nominierungen für etliche internationale Filmpreise geehrt, unter anderem 2011 für einen Oscar. Doch erst seit „The Lobster“ spielen wahre Hollywood-Stars in seinen Werken mit, so auch Colin Farrell.

Während man bei einem Epos wie Star Wars über einen fehlplatzierten Witz noch mit Leichtigkeit hinwegsehen könnte, ist das unglaublich flache Drehbuch hingegen schwieriger zu ignorieren. Das Aufteilen der Geschichte in einzelne Handlungsstränge kann zwar eine sehr gute Idee sein. Die Umsetzung in „Die letzten Jedi“ ist jedoch mehr als fraglich. Obwohl jede Geschichte alleine für sich genommen einen wirklich schönen Plot darstellt, ist die Zusammenführung am Ende ein eher liebloser und erfolgloser Versuch. Auch die Einführung neuer Charaktere, wie zum Beispiel von Rose, wirkt eher tölpelhaft und unpassend, wenn man sie im gleichen Zug mit altbekannten Helden auf der Leinwand sieht.

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Die Charaktere

Eine der Figuren, auf die sich Fans am meisten gefreut haben, war Luke Skywalker. Wie bereits in der klassischen Trilogie ist dieser wieder von Mark Hamill verkörpert worden. Doch was ist aus dem einst so ikonischen Helden der Rebellen geworden? Ein alter, gebrochener Mann, der Angst vor Fortschritt hat und lieber aufgibt. Obwohl Hamill auch ein weiteres Mal zeigt, dass er sich den Platz in der Kinofilmgeschichte verdient hat, ist seine Figur einfach nur traurig gezeichnet. Hamill selbst meint in einem Interview mit ABC News, dass er komplett enttäuscht über die Entwicklung von Luke sei. Ein wahrer Jedi würde nicht wollen, dass das Zeitalter der Jedi beendet werden muss, so Hamill. Ein schwacher Luke, gespielt von einem großartigen Mark Hamill.

Daisy Ridley und John Boyega zeigen als Rey und Finn erneut eine starke Leinwandpräsenz. Die schauspielerische Qualität der beiden ist einfach überwältigend. Wie schon in „Das Erwachen der Macht“ gibt es kaum Ansätze, an denen man die Figuren und deren Schauspieler kritisieren könnte. Parallel ist es aber etwas traurig, dass Oscar Isaac als Widerstandspilot Poe Dameron viel zu kurz kam. Das Dreigespann bot eine amüsante und erfrischende Neuerung im Star-Wars-Universum. Doch der Fokus sollte nun wohl mehr auf Rey und Finn liegen.

Kelly Marie Tran ist eins der komplett neuen Gesichter. Trotz ihrer guten Leistung hatte ihr Charakter ein ähnliches Problem wie Luke: keine ersichtliche Entwicklung, schwache Dialoge, eine beinahe aufgezwungen traurige Hintergrundgeschichte und keine wirklich gute Einleitung. All dies führt dazu, dass man teilweise gar genervt ist, wenn sich eine weitere Szene mit der Mechanikerin Rose Tico anbahnt. Ihre Rolle in der Handlung wird selbst gegen Ende des Filmes nicht deutlich, doch hier soll nicht gespoilert werden. Ein großes ungenutztes Potenzial.

Zu guter Letzt sollte eine wahre Heldin des Star-Wars-Universums gewürdigt werden: Carrie Fisher. In ihrer letzten Rolle spielte sie erneut General Leia Organa. An ihrem Können sowie an ihrer Rolle gibt es fast nichts zu bemängeln. Jede Szene mit Fisher ist eine wahre Augenweide und lässt einen vereinzelt sogar Gänsehaut bekommen. Carrie Fishers Tod ist ein Verlust für das Star-Wars-Universum sowie all deren Fans gewesen. Ob, wie und vor allem wer diese Lücke in den kommenden Teilen füllen darf, wird sich noch herausstellen. Doch diese Aufgabe wird nicht sehr einfach sein. Möge die Macht mit dir sein, Carrie Fisher!

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Kritik

Wie bereits vermehrt angesprochen, ist die Story und die Entwicklung vieler Charaktere einfach deprimierend. Einige Figuren stören die Handlung und können sich dadurch nur schlecht etablieren. Auch wenn man mit viel Humor versucht, die Spannung etwas aufzulockern, wirkt dieser einfach fehlplatziert und unlustig. So etwas ist man von einem Klassiker wie Star Wars nicht gewohnt.

Auch wenn die Handlung nicht wirklich verblüffen konnte, ist die grafische und musikalische Inszenierung erneut ein Meisterwerk. Viele neue Planeten und Kreaturen hinterlassen ein ähnliches Gefühl, wie es bereits die klassische Trilogie erschaffen konnte. Die Liebe zum Detail wird mit jeder Szene deutlicher, in der eine nicht komplett animierte Figur durch das Bild stapft. Auch die musikalische Untermalung von John Williams ist erneut einfach traumhaft. Von ruhigen und nachdenklichen Klängen bis hin zu den kraftvoll geladenen Kampfelementen verkörpert die Musik genau das, was man als Fan liebt und schätzt.

Fazit

Alles in allem ist „Die letzten Jedi“ zwar ein guter Film, jedoch kein guter Star Wars. An die Erfolge seiner Vorgänger kann er trotz der großartigen Schauspieler, der musikalischen Komposition und der nahezu perfekten Spezialeffekte nicht ankommen. Grund dafür sind die Schwächen der Handlung, welche die 180 Minuten teilweise sehr in die Länge ziehen. Hoffentlich ist Episode VIII die Ruhe vor dem Sturm.

Bewertung

1,5/5

– Felix Heiderich


© Photo Credit: © Disney © Disney•Pixar © & ™ Lucasfilm LTD © Marvel. Alle Rechte Vorbehalten

Dark – Das deutsche Stranger Things

Bereits im Februar letzten Jahres hatte der Streaming-Konzern Netflix den Auftrag der neuen Serie angekündigt. Im Oktober 2016 begannen dann schon die Dreharbeiten und jetzt bekam man endlich den ersten Trailer zu Gesicht – die Rede ist von der neuen Mystery-Thriller-Produktion Dark.
Das Besondere dabei ist auch, dass es sich hier um das erste komplett deutsche Netflix-Original handelt.

Der Streaming-Dienst wird die gesamte erste Staffel der Serie, die aus zehn Folgen à jeweils 60 Minuten besteht, ab dem 1. Dezember 2017 veröffentlichen und das nicht nur in Deutschland, sondern in insgesamt 190 Ländern.

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Darum geht es in Dark

Die Idylle der fiktiven deutschen Kleinstadt Winden wird jäh zerstört, als kurz nacheinander zwei Kinder auf mysteriöse Weise verschwinden. Die vier von diesen Ereignissen betroffenen Familien versuchen das Verschwinden aufzuklären. Dabei werden nicht nur die Beziehungen zwischen ihnen aufgedeckt, es kommen auch zahlreiche dunkle Geheimnisse ans Licht… unter anderem auch, dass nicht zum ersten Mal Sonderbares in dieser Stadt passiert.

„Die Frage ist nicht wo, die Frage ist nicht wer, die Frage ist nicht wie, […] sondern wann.“

Vieles geht dabei auf das Jahr 1986 zurück, wo sich das Schicksal der Familien miteinander verknüpft zu haben scheint, aber auch die Jahre 1953 und 2019 spielen wohl eine wichtige Rolle.

Großartige Besetzung und Crew

Zuständig für die Umsetzung ist Baran bo Odar als Regisseur und Produzent, der zusammen mit Drehbuchautorin Jantje Friese ebenfalls das Skript zur Serie entwickelt hat. Beide hatten bereits 2014 mit dem gemeinsamen Kinofilm ‘Who Am I – Kein System ist sicher’ große Erfolge gefeiert.

Bei der Besetzung von ‚Dark‘ finden sich ebenfalls einige bekannte Gesichter wieder. Die Hauptrolle des Jonas Kahnwald spielt Louis Hofmann, der bereits in ‚Unter dem Sand‘, ‚Die Mitte der Welt‘ oder ‚Tom Sawyer‘ zu sehen war. Auch Oliver Masucci (Er ist wieder da) und Jördis Triebel (Emmas Glück) sind Teil der neuen Produktion als die Figuren Ulrich und Katharina Nielsen.

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Zu dem etwas unbekannteren Teil des Casts gehören Maja Schöne als Hannah Kahnwald, Karoline Eichhorn und Stephan Kampwirth (Who Am I) als Charlotte und Peter Doppler, Andreas Pietschmann und viele mehr.

Die Weltpremiere feierte ‚Dark‘ bereits beim kanadischen International Film Festival in Toronto und die Europa-Premiere wird am 20. November in Berlin stattfinden.

– Sarah Häring

Photo Credits & Copyright: © 2016 Netflix

ALIEN: COVENANT – IM WELTRAUM HÖRT DICH NIEMAND ZWEIFELN

Um den Elefanten im Raum schnellstmöglich zu verscheuchen: ‚Prometheus‘ war schlecht. Atemberaubend schlecht. Der Mensch erinnert sich langfristig deutlicher an hervorstechend gute oder schlechte Erlebnisse, und persönlich habe ich nur den Soundtrack vergessen: Er muss wohl in Ordnung gewesen sein. Jenseits dessen konnte man nur staunen, dass niemand ein so offensichtliches 130-Millionen-US-Dollar-Debakel aufhalten konnte.

Der Trailer des zweiten Prequels darf also mit kritischen Blicken rechnen, allerdings hat Ridley Scott schon oft positiv überrascht. Man kann also gespannt bleiben.

Eine Raumfahrt, die hat’s in sich

Das Kolonieschiff Covenant steuert einen vermeintlich paradiesischen Planeten an, die Besatzung findet dort den Androiden David (Michael Fassbender) vor, den einzig Überlebenden der gescheiterten Prometheus-Expedition. Nicht jedoch der einzig Überlebende des gescheiterten Prometheus-Films (ich hör ja schon auf).

Mit Sicherheit wieder in Erscheinung treten werden auch Elizabeth Shaw (Noomi Rapace), die sich zuletzt auf dem Weg zur Heimatwelt der rätselhaften ‚Konstrukteure‘ befand, und Peter Weyland (Guy Pearce), ohne dessen finstere Machenschaften keine Fortsetzung seit ‚Aliens‘ auskam.

Alien Covenant © 2017 Twentieth Century Fox

 ‚Alien: Covenant‘ behält das beeindruckende Schauspiel Fassbenders bei, dessen bemessene, hochexakte Bewegungen die unterschwellige Bedrohlichkeit der Androiden des Alien-Universums vermitteln wie nie zuvor. Ob das seinen Doppeleinsatz in den Rollen ZWEIER Androiden (Walter und David) rechtfertigt, bleibt abzuwarten: Es gilt Screentime sinnvoll zu füllen, ohne ihn als Pflaster für Durststrecken oder Schlaglöcher im Plot zu verschwenden.

Ergänzt wird der Cast durch James Franco, dessen Charakter Branson – zumindest dem Trailer entnommen – wohl der Kommandant der Covenant ist. Es mangelt also sicher nicht an talentierten Darstellern.

Eine eindeutige Abfolge ist im Plot soweit nicht zu erkennen, aber das sei einem Trailer verziehen. Man darf jedenfalls mit nicht mehr wegzudenkenden Elementen des Franchise rechnen: Landung auf einem fremden Planeten, die Silhouette eines Konstrukteur-Raumschiffs in äußerst unfreundlicher Umgebung, und natürlich ein ledriges Ei, das sich vor einem etwas zu neugierigen Mannschaftsmitglied öffnet. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit setzt der Film also auf Altbewährtes – und das muss beileibe nichts Schlechtes sein, wirft aber ein paar Fragen auf.

Remake, Prequel, Reboot…

Eindeutig aus dem neuen, mit Prometheus übernommenen Look and Feel stammen die Szenen in weitläufigen, klinisch weißen Räumen, in denen auf gigantischen Screens fotorealistische Landschaften abgebildet sind, damit Herren in schwarz-weiß-kontrastierten Anzügen davor grübeln können. Auch in den gelungenen Landschaftsaufnahmen findet sich der Stil wieder; die Einsamkeit in den tiefblauen Bergen und karg bewachsenen Steppentälern vermittelt sich sofort.

Alien Covenant © 2017 Twentieth Century Fox

 

Und hier enden auch bereits die Gemeinsamkeiten. Der Rest des Trailers nimmt fortlaufenden, engen Bezug zum Urvater ‚Alien‘ – bis hin zu Szenen, die fast von Einstellung zu Einstellung übernommen wirken. Mit dessen größte Stärke war das utilitaristische, klobige Design des Industriefrachters Nostromo, das sich im Laufe des Films von der alltäglichen, hinreichend komfortablen Umgebung hin zu einem beklemmenden, feindseligen Labyrinth wandelte, in dem der Xenomorph alle nur erdenklichen Vorteile gegen die unbewaffnete Mannschaft besaß. Die Gänge waren eng, schlecht beleuchtet, regelmäßig von Dämpfen der Kühlsysteme vernebelt und voller Kanten und Aussparungen, über die man sich selber im Geiste ständig stolpern sah.

‚Alien: Covenant‘ ist darauf erpicht, dieses Gefühl seines Vorgängers um jeden Preis zu reproduzieren – es bleibt abzuwarten, ob sich der fromme Wunsch erfüllt. Gewiss, die Klaustrophobie setzt in den verzweifelten Sprints durch notbeleuchtete Gänge ein, und es gibt genügend Frachtnetze, Verstrebungen und scharfe Kanten, mittels derer man den unverwechselbaren Lichteinsatz (oder den Mangel an selbigem) der frühen Filme umsetzen könnte. Dem Trailer gelingt das jedoch nicht, zu plötzlich ist der Wechsel in das Cockpit des Landungsbootes oder die Mannschaftsquartiere, die in buntem LED-Licht erstrahlen wie eine Mischung aus Weihnachtsbaum und DJ-Pult.

Aber mal sehen: Was im Trailer keinem dramaturgischen Aufbau folgen muss, könnte im Film vielleicht eine gelungene Verwendung einer subtileren Farbabstufung werden. Je bedrohlicher die Handlung für die Charaktere wird, desto mehr mag auch ihre Umwelt das vermitteln. Man wagt zu hoffen.

Früher war bekanntlich alles besser, heute trägt man im Cockpit Cowboyhut

Auf die Gefahr hin zu klingen wie mein eigener Großvater, erschließt sich mir eines nicht: wo Twentieth Century Fox mit dem Franchise hin will. Die Bezugnahme auf das Original von 1979 wird schon im Plakat deutlich und der Trailer hält sich in der Optik teils sklavisch daran – nur um sich meilenweit davon zu distanzieren, sobald es um Interfaces und Inneneinrichtung geht. Natürlich wirken die technischen Elemente der alten Streifen heutzutage absolut retrofuturistisch, aber sie erklärten in Bildsprache die innere Funktion des Universums. Wenn im Trailer ein guter Teil der Flure und Gänge im hellen LED-Glanz erstrahlen, fragt man sich unweigerlich, warum andere Bereiche des Schiffes nur über dumpf zündende Leuchtstoffröhren verfügen.

Alien Covenant © 2017 Twentieth Century Fox

 

Dass dies heutzutage funktionieren kann, demonstrierte übrigens das Gamestudio Creative Assembly mit dem Release des Spieletitels ‚Alien: Isolation‘ im Jahre 2014. Man interagierte mit lichtgrauen Tastaturen mit hartem Anschlag, die Konsolen der Raumstation knackten mit ihren Leseköpfen und gaben ihre Textinfos mit den üblichen Beeps aus: Man unternahm nicht den Versuch, das zu erklären. Wenn man die Existenz des Aliens akzeptiert, sollte man geistig mit der Existenz antiquiert erscheinender Technik fertig werden, die dem Monstrum aus dem All eine gute Spielwiese bietet.

Aber vielleicht ist mein greisenhaftes Genörgel auch fehl am Platz – immerhin lässt sich Klaustrophobie auch modern erleuchtet erzeugen, und ich wünsche mir sehnlichst, dass dem Franchise neues Leben eingehaucht wird. Am 18. Mai darf man sich überraschen lassen – ‚Alien Covenant‘ mag ein Lichtblick werden. (Ganz im Gegensatz zu Prometheus‘ trüber Funzel. Ich geh ja schon.)


Photo Credits & Copyright: © 2017 Twentieth Century Fox

PASSENGERS – HILFE, WIR SIND ALLEIN IM ALL!

Die Story

Das Raumschiff Avalon mit über 5000 ‚Passagieren‘ ist auf der Reise zu einer neuen Menschenkolonie auf einem weit entfernten Planeten. Die Reisezeit beträgt 120 Jahre. Die einzige Möglichkeit für Menschen, das zu überstehen, besteht darin, in sogenannten Hyperschlafkammern einen Quasi-Winterschlaf zu halten. Doch es kommt zu einer Fehlfunktion, zwei der Kammern werden 90 Jahre zu früh geöffnet. Die beiden Weltraumreisenden Jim Preston (Chris Pratt) und Aurora Dunn (Jennifer Lawrence) werden aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen, sie sind in dem Raumschiff gestrandet. Es scheint keine Möglichkeit zu bestehen, sich wieder in den Hyperschlaf zu begeben. Nach einer anfänglichen romantischen Euphorie stellen sich gleich mehrere Fragen: Wie verbringt man Zeit zu zweit, umringt von tausenden Mitreisenden, die man nicht sprechen kann? Wie geht man als Mensch mit der Situation um, in einem Raumschiff in den unendlichen Weiten des Alls zu sterben? Oder steckt hinter der ganzen Sache doch etwas ganz anderes?

Jim Preston (links, Chris Pratt) und Aurora Dunn (rechts, Jennifer Lawrence) müssen den Tatsachen ins Auge blicken.
Jim Preston (links, Chris Pratt) und Aurora Dunn (rechts, Jennifer Lawrence) müssen den Tatsachen ins Auge blicken.

Die Entstehung

Diesen Fragen stellt sich Passengers, der neue Film von Morten Tyldum, dem Norweger, der sich 2011 mit seinem fantastischen Thriller ‚Headhunters‘ ein Ticket nach Hollywood ergattern konnte. Er bewies 2014 mit ‚The Imitation Game‘ erstaunliches Gespür für sensible Themen, ohne dabei den Thrill zu vernachlässigen. Jetzt darf er sich mit einem Budget von 120 Millionen das erste Mal an einen Blockbuster wagen. [Quelle: The Guardian]
Zur Seite stehen ihm dabei gleich zwei der momentan größten Stars des Kinos: Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Das Projekt war lange in der Vorproduktionshölle: Das bereits 2007 von Jon Spaihts (Co-Autor von u.a. ‚Dr. Strange‘ und ‚Prometheus‘) geschriebene Drehbuch sollte schon 2014 mit Keanu Reeves verfilmt werden. Doch nachdem sich Focus Features und die Weinstein Company vergeblich versucht hatten, ergatterte Sony Pictures die Rechte an dem Stoff. [Quelle: Variety]
Der Trailer verspricht eine grandiose visuelle Umsetzung und bereits dort ist die Chemie zwischen den beiden Hauptakteuren zu spüren. Jennifer Lawrence, die nach ‚Tribute von Panem‘ zum Megastar avancierte, sucht sich seitdem interessante Projekte aus und versucht eine Vielfalt von Charakteren zu spielen. Nach dem fantastischen ‚American Hustle‘ und dem hinreißenden ‚Joy – Alles außer gewöhnlich‘ wird sich Passengers hoffentlich weit oben in ihren Kanon einreihen. Auch Chris Pratt macht eine gute Figur und spielt gewohnt charismatisch – mit dieser gewissen Lässigkeit, die ihm schon in ‚Guardians of the Galaxy‘ gut zu Gesicht gestanden hat und das einzig Positive an ‚Jurassic World‘ war.

Bei den Dreharbeiten zu einer Liebesszene zwischen Lawrence und Pratt gab es jedoch heftige Gewissensbisse seitens der 26-Jährigen, war es doch ihre erste überhaupt, und dann gleich mit einem verheirateten Mann, was es ihr zusätzlich erschwerte (Pratt ist seit 2009 mit Anna Faris verheiratet). Sie fühlte sich sehr verletzlich beim Dreh, wollte aber, dass es so authentisch wie möglich wirkte; nach ein paar Schnäpsen und Diskussionen gelang es dann schließlich doch. [Quelle: Hollywood Reporter]

Der Roboterbarkeeper (links, Michael Sheen) gießt Jim (rechts, Chris Pratt) einen ein.
Der Roboterbarkeeper (links, Michael Sheen) gießt Jim (rechts, Chris Pratt) einen ein.

Was kann man erwarten?

Außer den beiden Hauptakteuren werden Hollywood-Veteranen wie Laurence Fishburne (Matrix, Apocalypse Now) und Andy Garcia (Der Pate 3, Die Unbestechlichen) in Nebenrollen zu sehen sein. Außerdem darf man sich auf eine tolle musikalische Untermalung von Thomas Newman freuen, der bereits Scores zu Filmen wie ‚Die Verurteilten‘, ‚The Green Mile‘ oder ‚American Beauty‘ vertont hat. Auch die aktuell angesagte Band Imagine Dragons haben einen Titel zum Soundtrack beigetragen – Levitate, welcher bereits erschienen ist.

Kurios ist auch der im Trailer gezeigte Roboter-Barkeeper (gespielt von Michael Sheen, bekannt aus ‚Frost/Nixon‘ und ‚Masters of Sex‘), der eine klare Anspielung auf Berufsgenossen Lloyd ist, der seinerseits im Overlook Hotel Spirituosen an Jack Nicholson ausschenken durfte, in Stanley Kubricks ‚The Shining‘.  Ob der Film eine ebenso klaustrophobische Stimmung erreicht, bleibt abzuwarten. Die Chancen bei dem involvierten Talent stehen jedoch sehr gut. Auch scheint die zweite Hälfte des Films deutlich actionlastiger zu werden und ein großes Geheimnis zu bergen – was das ist werden wir wohl nur im Kino 2017 erleben. Im Idealfall erwartet den Zuschauer ein Blockbuster, der optisch zu überzeugen weiß, aber vor allem Wert auf seine Charaktere und deren Entwicklung legt. Eine Eigenschaft, die man in vielen großen Studiofilmen der letzten Jahre schmerzlich vermissen musste.

Man darf jedenfalls gespannt sein wie der Film sich entwickelt, aber ich für meinen Teil werde auf jeden Fall am 5. Januar 2017 im Kinosessel sitzen und mit Jennifer und Chris den Weltraum erkunden.

-Christian Koch
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Photo Credits & Copyright: © Sony Pictures Releasing GmbH
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ROGUE ONE: A STAR WARS STORY – DIE REVIEW

Die Vorweihnachtszeit hat begonnen. Die Stimmung der Menschen hellt sich auf, geschäftiges Treiben in den Städten, an den Wänden hängen Star Wars Poster. Spätestens nächstes Jahr wird einem der letzte Teil des Satzes nicht mehr seltsam vorkommen, da Disney das dritte Jahr in Folge einen Star Wars Film um Weihnachten herausgebracht haben wird. Doch schon dieses Jahr leitet Rogue One diesen Donnerstag in den deutschen Kinos die Anthology-Filme ein. Mit Anthology produziert Disney eine Reihe alleinstehender Star Wars Filmen, die – abseits der Hauptfilme – die Star Wars Saga ausschmücken.
Obwohl Rogue One so gar kein typischer Star Wars Film ist, hat er doch alles, was Star Wars ausmacht. Sogar mehr.

Ein Problem am Horizont

 Der Film beginnt, wenige Jahre nach der Machtergreifung Imperator Palpatines, auf einem abgelegenen Planeten. Die junge Jyn Erso rennt über die weiten Aschefelder ihres Heimatplaneten Lah’mu nach Hause, über ihr rauscht bedrohlich ein imperiales Raumschiff.
Ihr Haus steht in der einzig fruchtbaren Oase weit und breit, mit Wasserevaporatoren bewirtschaftet ihr Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) das Land. Galen, einst Wissenschaftler im Dienste des Imperiums, erwartet sie bereits. Eilig packen sie Jyns Sachen und bringen das Mädchen in ein sicheres Versteck, als auch schon der ungebetene Gast, Direktor Orson Krennic, eintrifft.
Der skrupellose und machthungrige Krennic ist gekommen, um Galen zurück zum Imperium zu holen. Er soll für das Imperium den Bau einer Superwaffe fertigstellen. Der Direktor im weißen Umhang lässt Galen keine Wahl, die kleine Jyn bleibt alleine zurück.

Jahre später ist Jyn (gespielt von Felicity Jones) zu einer jungen Frau herangewachsen, die als Diebin versteckt vor dem Imperium um ihr Überleben kämpft. Nach der Festnahme durch das Imperium gelingt ihr bei einem Gefangenentransport mit Hilfe von Freiheitskämpfern der Rebellion die Flucht.

 

Rogue One: A Star Wars Story L to R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) and K-2SO (Alan Tudyk) Ph: Jonathan Olley © 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
L n. R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) und K-2SO (Alan Tudyk)

Durch die Anführerin der Rebellion, Mon Mothma, erfährt Jyn schließlich, dass ihr Vater noch lebt und sogar die Schlüsselfigur für den Sturz des Imperiums ist. Zusammen mit dem Rebellen Cassian Andor und seinem Kriegsdroiden K2-SO macht sie sich auf die Suche nach einem fahnenflüchtigen imperialen Frachterpiloten, der eine Nachricht von Jyns Vater haben soll. Leider ist der aber derzeit inhaftiert – beim radikalen Rebellen Saw Gerrera (Forest Whitaker), ein Mann mit eigenen Idealen und extremen Vorgehensweisen.

Das Mekka der Jedi-Ritter

Regisseur Gareth Edwards (Godzilla) wurde früh in den kreativen Prozess einbezogen. Er und sein Team fanden, dass Rogue One einen ganz eigenen Realismus braucht. Die Charaktere und die Story bewegen sich in einer grauen Zone, ganz anders als die bisher klar abgegrenzte Moral von Gut und Böse aus der Star Wars (Haupt-)Reihe. Die will Rogue One – A Star Wars Story aber auch gar nicht. Schon der Titel macht klar: Wir bewegen uns zwar im Star Wars Universum, die Geschichte ist aber eine ganz andere. So auch die Erzählweise, die stark an die zeitlich fast parallellaufende [Animations-]Serie Star Wars Rebels erinnert. Zeitsprünge und Rückblenden, für Star Wars Filme bisher eher untypische Elemente, bereichern die Erzählweise. Auch das Intro (an dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr spoilern) grenzt sich deutlich von der Star Wars Reihe ab. Der Zuschauer wird sofort in die Story geworfen – eine harte Realität, kein märchenhafter Einstieg.
Auch die Mystik der Jedi fehlt weitestgehend, bisher das tragende Thema der Filme. Der Orden gilt als ausgerottet. Spürbar am Leben ist die Macht dennoch – auf dem Planeten Jedha. Er gilt als spirituelles Zentrum des einstigen Jediordens.

Rogue One: A Star Wars Story..Star Destroyer..Ph: Film Frame ILM/Lucasfilm.© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
Star Destroyer

In einem Interview mit Entertainment Weekly erklärt Gareth Edwards:

„Es [Jedha] ist ein Ort, den Leute, die an die Macht glauben, für eine Pilgerreise aufsuchen. Er wurde vom Galaktischen Imperium eingenommen. Es ist besetztes Gebiet – aus Gründen, die wir noch nicht offenbaren können.
Es gibt etwas sehr Wichtiges auf Jedha, sowohl für die Jedi als auch für das Imperium. Es fühlte sich stark nach etwas an, das wir mit der realen Welt in Verbindung bringen könnten.“

Auf Jedha führt der rebellische Extremist Saw Gerrera seinen Aufstand gegen das Imperium an, weshalb die Besatzer ihre Maßnahmen vor Ort verstärkt haben. Saw Gerrara dürfte vielen noch aus der Serie Clone Wars bekannt sein. Er ist damit der erste Charakter aus einer Star Wars Serie, der es in einen Film geschafft hat. Der Onderonianer ist seit dem Tod seiner Schwester in den Klonkriegen ziemlich verbittert und hat sich daher den Kampf gegen die Übermacht auf die Fahne geschrieben. Körperlich hat er dabei sehr gelitten, ist fast schon mehr Maschine als Mensch und in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. So fallen einige Parallelen zu keinem geringeren als Darth Vader persönlich auf. Fragt sich nur, wie lange sich Saw noch mit sich selbst identifizieren können wird. Wann wird seine Vorsicht zur Paranoia – und wie lange unterscheidet man sich noch vom Imperium, wenn Folter das Hausmittel wird?

Rogue One: A Star Wars Story Saw Gerrera (Forest Whitaker) Ph: Giles Keyte ©Lucasfilm LFL 2016.
Saw Gerrera (Forest Whitaker)

Auch die Serie Star Wars Rebels ist im Detail zu erkennen. So ist beispielsweise die Phoenix Squadron mit ihrer Hammerheadflotte eine entscheidende Kraft in der spektakulären Raumschlacht und ein VCX-100 Frachter (womöglich die Ghost, das Schiff der Helden aus Rebels?) ist für den aufmerksamen Zuschauer bereits im TV-Trailer zu sehen.

Findet die Rebels-Serie also ihren Showdown in ebendieser Schlacht? Die Erwähnung von General (Hera?) Syndulla ist sicherlich ein Indiz. Eine mögliche Andeutung wäre es – und spannend obendrein.

Rogue One einsatzbereit

Tatsächlich haben es aber einige Szenen aus den Trailern nicht in den Film geschafft, was wohl dem ausgiebigen Nachdreh zu schulden ist. Interessant wäre zu wissen, wie der Film ohne diese Maßnahme ausgegangen wäre, insbesondere da einer der Shots aus den Trailern ein anderes Ende vermuten lässt. Die spannende Story und die vielschichtigen Charaktere lassen aber, trotz Änderungen, nichts vermissen.
Der Rebell Cassian ist ziemlich kaltblütig und musste in seiner Vergangenheit auf die harte Tour lernen, dass zivile Opfer oftmals notwendig sind. Es ist der Darstellung des sympathischen Diego Luna zu verdanken, dass das Publikum nicht schon früh das Herz für den Freiheitskämpfer verliert. Für Humor sorgt sein Droide K2-SO, ein ehemaliger Kampfdroide des Imperiums mit exzellenten Reflexen und wunderbarem Sarkasmus. Man fühlt sich fast an die trockenen Bemerkungen von HK-47 aus den beiden Spielen ‚Knights of the Old Republic‘ I und II erinnert. Gespielt wird K2-SO sehr gekonnt von Alan Tudyk (auf Stelzen!), der auch schon Sonny in ‚I, Robot‘ Leben einhauchen durfte.

Zwei weitere tragende Rollen fallen den beiden chinesischen Schauspielern Donnie Yen und Jian Wen zu. Die beiden spielen das unzertrennliche Duo des blinden Mönchs Chirrut Îmwe und seines Beschützers aus Sandkastenzeiten, dem Soldaten Baze Malbus. Schnell schließen sie sich dem Rebellen-Team an und helfen mit unerwarteter Effizienz.

Jonathan Olley

Identifikationsfigur für das Publikum dürfte Riz Ahmeds Charakter sein, der den Frachterpiloten Bodhi Rook spielt. Kampfunerfahren und sichtlich unwohl in seiner Haut, möchte Bodhi einfach nur dabei helfen, die bedingungslose Kapitulation der Rebellion zu vermeiden. Dabei wächst er über sich selbst hinaus.

Auf der Seite der Bösen steht Ben Mendelsohn in der Rolle des Direktor Orson Krennic. Er spielt den Antagonisten in Rogue One: ein machthungriger Mann, der dem Imperator um jeden Preis imponieren will. Hierbei geht er nur zu gerne über Leichen, um seine Macht zu demonstrieren.
Damit ist er aber nur eine Figur im Schachspiel des Imperators und nichts im Vergleich zu Darth Vader, der mit kraftvollen Auftritten sowohl mächtige als auch verletzliche Seiten zeigt.

Eine Neue Hoffnung

Setbau wurde bei Rogue One, wie schon bei ‚Das Erwachen der Macht‘, großgeschrieben. Die zahlreichen Aliens sind glaubwürdig und wurden in aufwändigster Weise angefertigt. Um Lichteffekte im Raumschiff überzeugend auf die Charaktere zu projizieren, wurde besonders getrickst: Das hydraulische Set des Schiffs wurde nicht vor einem Greenscreen, sondern einem eigens angefertigten Screen, auf den der fertige Hintergrund im Film geworfen wurde, aufgebaut.

Die Raumschiffe, allen voran der neue U-Wing, der optisch eine Kombination vom Cockpit des Y-Bombers, den Antrieben des X-Wings und der Form des Jedi Interceptors zu sein scheint, sind wunderbar gelungen. John Knoll, VFX–Supervisor für Rogue One, designte den U-Wing bewusst in Anlehnung an bereits bekannte Schiffe, um bei Fans ein Gefühl der Wiedererkennung zu erzeugen.
Aber es sind die kleinen Details – so wie ein analoges Brettspiel, wie wir es aus Han Solos Rasendem Falken kennen – die dafür sorgen, dass man sich als Star Wars Fan richtig Zuhause fühlt.

Rogue One: A Star Wars Story X-Wing and U-Wing versus AT-ACTs Photo credit: Lucasfilm/ILM ©2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
X-Wing und U-Wing gegen AT-ACTs

Pyrotechnik kommt auch wieder vermehrt zum Einsatz und löst unrealistische CGI Explosionen in großen Teilen ab. Regisseur Edwards ließ die Kameras oft für mehrere Minuten ohne Unterbrechung laufen und sorgte damit im Spiel der Schauspieler für einen eigenen Realismus.
Neben Darth Vader gibt es ein Wiedersehen mit dem digital wiederbelebten Gouverneur Tarkin. Leider stolpert das computergenerierte Gesicht etwas am Realismus vorbei und wirkt eher wie aus einem sehr guten Videospiel als wie eine echte Person aus Fleisch und Blut. Schade.  Die digitale Verjüngung des ein oder anderen bereits bekannten Charakters funktionierte da bereits ungleich besser.

Schauspielerisch gibt es nichts zu bemängeln; von einer wunderbaren Felicity Jones bis hin zu Alan Tudyks Körpersprache im Motion-Capture-Anzug – für den Cast gehört eigentlich ein eigener Preis verliehen.

Der klangvolle, manchmal sehr militärisch wirkende Soundtrack von Michael Giacchino sorgt für die richtige Untermalung. Abwechslungsreich und dynamisch vertont er die schwierige Mission des Spezialeinsatzkommandos Rogue One. Leider fehlt seinen Klängen die Eingängigkeit der Soundtracks von John Williams, oft genug dürfen dessen Stücke dezent anklingen, was widerum wunderbar gelungen ist.

Fazit

Endlich! Rogue One bietet nach Episode VI die erste Raumschlacht, die wirklich sehenswert ist. Ein richtiger Krieg der Sterne, der sowohl im All, als auch bei den Bodentruppen tobt. Als Zuschauer ist man mittendrin, der schöne Soundtrack saugt einen mitten hinein ins Geschehen, bei der geschickten Kameraführung verliert man trotzdem nie den Überblick. Die Charaktere sind sympathisch und wachsen einem schnell ans Herz, obwohl die stark differenzierte Schwarz-Weiß-Aufteilung der Star Wars Reihe fehlt. Aber gerade das macht sie menschlich. Jyn Erso und ihre Mannschaft werden schnell zu Vertrauten, die man am liebsten gar nicht erst in dieses Himmelfahrtskommando schicken möchte. Für unnötige Romanzen ist in diesem Film kein Platz – gut so!
Der bedrohliche Todesstern und die von ihm ausgehende Zerstörung sehen verboten gut aus. Atemberaubend fand ich eine Szene ganz zu Anfang: Ein Sternenzerstörer fliegt vor einem vermeintlich malerischen Sternenhimmel – bis sich herausstellt, dass dies nur die Lichter der gigantischen Raumstation sind.
Die Geschichte schickt die originalen Star Wars Filme wieder frisch ins Rennen, Rogue One lässt die Herzen der Fans höherschlagen. Viele kritische Stimmen behaupteten, Innovation wäre mit Disney und Episode VII gestorben – dies wäre spätestens hiermit widerlegt. Rogue One traut sich etwas – und nicht nur die Rebellion wird belohnt.

Jetzt freue ich mich nur noch auf den nächsten Kinobesuch. Und Episode VIII.
Danke Disney, hierfür wurde Kino gemacht.
Trotz kleinerer Mängel (Story wiegt mehr als Effekte):
5 von 5 Sternen

Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: Jonathan Olley, Film Frame ILM/Lucasfilm, Lucasfilm/ILM; © 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

STAR WARS REBELS – DER ARCHITEKT DER ZERSTÖRUNG

Gleich zu Beginn – wer die Serie mit Argwohn betrachtet: Ich kann dich verstehen. Auch ich hatte da „ein ganz mieses Gefühl“, zumal mir Clone Wars schon kaum gefallen wollte. Doch die neue Serie hat mich positiv überrascht.

‚Rebels‘ spielt zu einer Zeit, in der die Galaxis von der harten Hand des Imperiums unterjocht wird. Die letzten Jedi-Ritter gelten als ausgestorben, vom Imperium vernichtet. Nur wenige wagen es, gegen den Imperator und seine Legionen an Sturmtruppen, angeführt vom gnadenlosen Darth Vader, aufzubegehren. Zunächst unbemerkt vom Imperium regt sich Widerstand: Rebellen formieren sich gegen ihren übermächtigen Gegner und führen gezielt Anschläge auf ihre Unterdrücker aus.

star wars rebels staffel 3

Inmitten dieser Schlacht steht eine junge Waise. Ezra Bridger ist ein 14 – jähriger Dieb, der nicht nur äußerlich an Aladdin erinnert. Gewieft und flink entwischt er den Truppen ein ums andere Mal und weigert sich zunächst, offen für die Rebellion Partei zu ergreifen. Schließlich erweckt Ezra das Aufsehen von Kanan, einem der letzten überlebenden Jedi. Kanan erkennt, dass Ezra zwar für die Macht empfänglich, sich aber dessen nicht bewusst ist. Vielmehr sind seine Fähigkeiten instinktiver Natur. Ezra tritt der Crew der ‚Phantom‘ bei, die Kanan anführt und begibt sich auf die Reise, um dem Imperium das Handwerk zu legen, und die Kraft die in ihm schläft zu erwecken.

NICHTS MEHR FÜR KLEINKINDER

Clone Wars brauchte zig Staffeln um den kindlichen Grundtenor abzulegen und endlich ein „richtiges Star Wars“ zu werden. Letztendlich wurde die Serie düsterer und fügte sich damit sauberer in die Zeit um die Episoden II und III ein. Auch Rebels kämpft am Anfang damit, zu sehr eine Serie für alle Altersklassen zu sein, was sich nicht zuletzt in ihren farbenfrohen Charakteren zeigt. Jedoch gelingt es der neuen Serie wesentlich schneller den Ton zu treffen als The Clone Wars. So holt sie bereits in Staffel 2 die Fans bei den Klonkriegen ab und führt sie langsam Richtung ‚Rogue One‘.

star wars rebels staffel 3

Mit dabei sind bereits bekannte Charaktere wie Lando Calrissian, der Klonkrieger Rex und die ehemalige Schülerin Anakins, Ahsoka Tano. Neben den bereits erwähnten Hauptcharakteren, die äußerlich eher aus dem Mittel-Östlichen Raum zu stammen scheinen, brilliert Star Wars Rebels durch die Twilek–Pilotin Herra und die junge Mandalorianerin Sabine mit starken Frauen (und besteht regelmäßig den Bechdel–Test mit Bravour!). Als lustige Sidekicks dienen meist der Droide Chopper und ein Lasat namens Zeb, der – als einer der letzten seiner Art – mit dem Imperium eine ganz eigene Rechnung offen hat.

WAS BISHER GESCHAH

Die Staffel 2 endet mit einem Cliffhanger, der vielschichtiger kaum sein könnte: Darth Maul, aus den Schatten zurückgekehrt, zeigt Ezra im Sith-Tempel auf Malachor die dunkle Seite. Maul stellt sich nach einem kurzen Zweckbündnis gegen die Jedi und nimmt Kanan das Augenlicht, verliert jedoch den Zweikampf und flieht.

star wars rebels staffel 3

Angelockt von einem Sith–Holocron, das jahrtausendealtes Wissen der Sith enthält, betritt Darth Vader die Szenerie. Als er Kanan und Ezra erlegen will, schaltet sich Ahsoka ein, um sich ihrem alten Meister zu stellen. Sie opfert sich, um Kanan und Ezra die Flucht zu ermöglichen, Vader überlebt schwer verwundet.
Ezra, von dem Wunsch beseelt, die Sith mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, versteckt das gefährliche Sith–Holocron und nutzt die dunkle Seite, um von ihm zu lernen.

DER MEISTBEGEHRTE BÖSEWICHT DES EU

Wie der Trailer zu Staffel 3 verrät, begeben wir uns tiefer in die Welt und Vergangenheit der Charaktere. Ezra ist deutlich älter geworden, sein Kampfstil akrobatischer, sein Vorgehen skrupelloser. Kanan hingegen betrauert den Verlust seiner Augen und kümmert sich kaum mehr um seinen Padawan, der sich mehr und mehr der dunklen Seite hingibt. Der Rest von Ezras Crew kann dessen Taten immer weniger gutheißen, aber ohne Kanan gibt es niemanden, der ihn ernsthaft zur Räson rufen könnte.

In der neuen Staffel versöhnt sich Disney mit den Fans des ehemaligen Expanded Universe (kurz: EU), dessen Charaktere im Reich der Legenden verschwanden. Nicht nur gibt es ein Wiedersehen mit Wedge Antilles, Grand Moff Tarkin und weiteren bekannten Gesichern, sondern auch einen neuen, skrupellosen Gegner: Grand Admiral Thrawn.

Ruhig, kalkuliert, berechnend. Nachdem Disney die Thrawn–Reihe für ungeschehen erklärte, dürfen Fans sich über die Rückkehr ihres Lieblingsbösewichts freuen. Düstere Orgelmusik als Leitthema untermalt die chirurgische Präzision, mit der Thrawn die Rebellion zu zerlegen und zu demoralisieren beginnt. Nie die Beherrschung verlierend und immer drei Schritte voraus, mit so einem Gegner hatten es die Rebellen noch nie zu tun. Ob er womöglich auch in Rogue One eine kleine versteckte Rolle spielen wird?

star wars rebels staffel 3

Ich bin von der Serie mittlerweile voll überzeugt und total gespannt auf Staffel 3. Wünschenswert wäre, dass Disney mit Star Wars Rebels den einen oder anderen Bogen zum kommenden Blockbuster spannt. Die neuste Staffel ist momentan auf Disney XD zu sehen und wird ab Sommer 2017 dann auch im Free-TV auf dem Disney Channel laufen.

Möge die Macht mit euch sein,

Alexander Ochs
Jedi-Ritter


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NETFLIX: SENSE8 WEIHNACHTS-SPECIAL UND STAFFEL 2!

Das Sci-Fi-Mystery-Drama Sense8 bekommt eine zweite Staffel und ein  Weihnachtsspecial! Bereits am 23. Dezember dieses Jahres soll als Special eine 2-stündige Fortsetzung der 2015 gestarteten ersten Staffel gezeigt werden. Die neue Staffel soll erst gut 5 Monate später, am 05. Mai 2017, nachgeliefert werden. Beide sollen, wie auch die erste Staffel,  global auf Netflix zu streamen sein. Dies berichten diverse internationale Newsdienste wie Variety nach Bekanntgabe der Neuigkeiten seitens Netflix auf dem englischsprachigen Twitter-Account der Serie:

Noch wenig konkrete Informationen

Die englischsprachige Beschreibung Streaminganbieters lässt viel offen, jedoch geht daraus immerhin hervor, dass an die Ereignisse der ersten 12 Folgen angeknüpft wird. “The journey continues as these eight singular hearts and minds weave in and out of each other’s lives finding deeper connections, learning darker, more desperate secrets about one another and struggling to identify with more than just oneself.” [Quelle: Variety] Der deutsche Presseservice von Netflix gab bisher weder zum Weihnachtsspecial noch zur zweiten Staffel Informationen bekannt.

Eine umfangreiche Produktion

Die erste Staffel der Netflix-Eigenproduktion ist ein Werk der für die Matrix-Trilogie bekannten Wachowski-Geschwister in Zusammenarbeit mit dem Babylon 5 Schöpfer J. Michael Straczynski. Auffallend bei der Serie sind ihre Globalität und kulturelle Offenheit. 8 Personen aus 8 verschiedenen Orten der Welt stehen alle auf der Liste der Hauptcharaktere. Gedreht wurde in 9 Städten, darunter Mumbai, Reykjavík, Kenia und Berlin. Die Serie spielt in der heutigen Zeit, nutzt ein Sci-Fi Setting (lymbische Resonanz), aber hat dabei einen sehr nüchternen, herben und ungeschmückten Ton. Die Charaktere werden durch Extremsituationen an ihre individuellen Grenzen gebracht und müssen diese mit Hilfe ihres neuen Sinnes, der lymbischen Resonanz, gemeinsam lösen.

Die Themen der Serie trauen sich an soziale Tabus heran und setzen sich neben dem Hauptaspekt auch mit den menschlichen und kulturellen Konflikten der verschiedenen Heimatorte der Charaktere auseinander. Einen genaueren Blick hinter die Kulissen der Mammutproduktion bietet die Dokumentation ‚Sense8: Eine Welt wird erschaffen‚, die neben der ersten Staffel ebenfalls bereits auf Netflix zu sehen ist.

-Klaudia Urban


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ROGUE ONE: A STAR WARS STORY – REBELLION MIT NEUEM GESICHT

Eine Jagd nach Plan

Die Handlung von Rogue One: A Star Wars Story findet zwischen den Ereignissen von Star Wars Episode III: Die Rache der Sith und Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung statt. Nachdem das Galaktische Imperium ausgerufen und offiziell für begründet gilt, bringen die Rebellen eine wichtige Information in Erfahrung: Ein Todesstern soll gebaut werden. Dieser hat die Macht, ganze Planeten in kurzer Zeit auszulöschen. Die Rebellen rekrutieren daraufhin ein einzigartiges Team an Soldaten und Kämpfern; gemeinsam wollen sie die Baupläne des Todessterns vom Imperium stehlen. Diese könnten nämlich womöglich Sicherheitslücken in der Bauweise der Waffe aufweisen, welche die Rebellen zu ihrem Vorteil nutzen können.

Klassisch: Als Imperiale getarnt müssen (von l. nach r.) Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) und K-2SO (Alan Tudyk) die Todesstern-Pläne stehlen.
Klassisch: Als Imperiale getarnt müssen (von l. nach r.) Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) und K-2SO (Alan Tudyk) die Todesstern-Pläne stehlen.

Unter den Rekruten befindet sich auch Jyn Erso, die von Felicity Jones (Inferno, 2016) gespielt wird. Sie verkörpert den neuen Hauptcharakter für Rogue One. Eine junge Widerstandskämpferin, die entschlossen ist, dem Imperium zu schaden. Jyn kam zur Rebellion nachdem ihr Vater, Galen Erso (Mads Miikkelsen) es schaffte, den Rebellen erste Informationen über die Testläufe des Todessterns zu bringen. An ihrer Seite steht Cassian Andor, ein renommierter Rebellen-Offizier. Mit seiner kampferprobten Erfahrung und Autorität versucht er, die Rebellen zu vereinen und beim Imperium genau dort zuzuschlagen, wo es am meisten wehtut. Der Schauspieler hinter dieser Rolle ist Diego Luna, bekannt aus Elysium (2013). Erneut hat außerdem Genevieve O’Reilly (Star Wars Episode III: Die Rache der Sith, 2005) als Mon Mothma einen Auftritt, um die Rebellen anzuführen.

Die Gefährten

Ein weiterer Gefährte von Jyn ist der Droide K-2SO, dem im Originalton Alan Tudyk (Ritter aus Leidenschaft, 2001) seine Stimme leiht. Der neue Roboter war einst Eigentum des Imperiums. Offizier Andor hat ihn dazu umprogrammiert, der Rebellion zu helfen. Zu guter Letzt wäre da noch der blinde Krieger Chirrut Imwe, gespielt von Donnie Yen (IP Man 1-3, 2008). Er glaubt an die mysteriösen Kräfte der Macht – obwohl er selbst kein Jedi ist, hat er jahrelang deren Kampfkunst und Anschauung studiert.

Orson Krennic ist neben Darth Vader ein weiterer Antagonist im Film, der alles für die Vollendung des Todessterns tun würde...
Orson Krennic ist neben Darth Vader ein weiterer Antagonist im Film, der alles für die Vollendung des Todessterns tun würde…

Die Widersacher

Selbstverständlich haben wir es auch in dieser neuen Verfilmung abseits der Hauptepisoden wieder mit einigen Bösewichten zu tun. Der Auftritt des dunklen Sith Lord Darth Vader wurde bereits bestätigt. Nachdem das Imperium erfährt, dass die Rebellen die Todesstern-Pläne stehlen wollen, kommt Vader ins Spiel. Er macht es sich zur Aufgabe, den Widerstand im Keim zu ersticken. Eine weitere Schlüsselrolle übernimmt Schauspieler Ben Mendelsohn (The Place Beyond the Pines, 2012) als Orson Krennic. Krennic ist ein imperialer Direktor, der den Bau des Todessterns überwacht. Er investiert all seine Zeit und Energie, die ultimative Waffe für den Imperator fertigzustellen.

Jyn Erso wird ihren Auftritt nur im Origin-Film der Star Wars Anthology haben - in den großen Star Wars-Episoden können wir mit ihr laut George Lucas nicht rechnen.
Jyn Erso wird ihren Auftritt nur im Spin-Off-Film der Star Wars Anthology haben – in den großen Star Wars-Episoden können wir mit ihr laut George Lucas nicht rechnen.

Wie es George Lucas in einem Interview bereits deutlich machte, werden die Filme zwar im selben Star Wars-Universum spielen, aber abseits der Hauptfilme agieren. Mit diesen sind die Filme ab Star Wars Episode I bis einschließlich Episode VII gemeint. Rogue One soll allerdings eine Nebengeschichte zwischen den Teilen erzählen. Figuren wie Mon Mothma oder Darth Vader werden somit zwar in den Filmen der Star Wars Anthology auftauchen – die Hauptfiguren dieser Spin-Offs bleiben bei den großen Star Wars-Episoden aber außen vor.

Die neue Star Wars Anthology

Die  ‚Origin‘-Filme sollen außerdem unter den großen Begriff ‚Star Wars Anthology‘ fallen. Für diese sind übrigens auch ein Han Solo- sowie ein Boba Fett-Film bereits in Produktion. Gareth Edwards (Godzilla, 2014) wird mit Rogue One als Regisseur somit für den ersten Spin-Off-Film der Anthology sorgen. Wir freuen uns jedenfalls schon auf die nervenaufreibende Jagd nach den Todesstern-Plänen. Felicity Jones wird höchstwahrscheinlich in der Rolle der Jyn einen tollen, neuen Hauptcharakter abgeben. Am 16. Dezember 2016 ist es dann auch schon soweit: Rogue One: A Star Wars Story  startet in den deutschen Kinos! Wir halten euch derweil selbstverständlich auf dem Laufenden.

– Ken Burgess


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DOCTOR STRANGE: DIE WELT HINTER DEM SCHLÜSSELLOCH

Don’t text and drive

Dr. Stephen Stranges (Benedict Cumberbatch) Leben ist perfekt: Er ist der verdammt nochmal beste Neurochirurg New Yorks und lebt ein Leben in Bewunderung und Luxus. Sein hoher Intellekt macht ihn ebenso interessant wie arrogant, seine Hände sind sein größtes Kapital. Mit an Perfektion grenzender Präzision führt er selbst schwierigste Eingriffe fast nebenbei durch, seine Vita zeigt nur Erfolge auf. Das liegt nicht nur an seinem Können, viel mehr weist er Fälle ab, die seiner Karriere schaden könnten. Außerdem gräbt er anderen Ärzten den Ruhm ab. Nicht grade ein Kandidat für die Facebook – Freundesliste von Mutter Teresa. Zwar ist er Arzt, hilft aber in erster Linie sich selbst.  Trotz allem steht ihm seine Freundin Christine Palmer (Rachel McAdams), eine hochqualifizierte Trauma-Chirurgin, treu zur Seite. Sie schätzt seinen Charme und seinen Humor, was sie über seinen Mangel an Menschlichkeit hinwegsehen lässt.

Marvel's DOCTOR STRANGE..L to R: Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)..Photo Credit: Jay Maidment..©2016 Marvel. All Rights Reserved. L to R: Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Jay Maidment ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Jay Maidment

Dann fliegt sein Leben aus der Kurve – wortwörtlich: Während er beim Fahren seine Termine mit dem Handy abstimmt, gerät er in den Gegenverkehr und erleidet einen schweren Unfall.
Wieder aufgewacht, stellt er fest, dass seine Hände den Unfall nicht überstanden haben. Die Knochen, mehrfach gebrochen, wurden wieder zusammengeschraubt, sein Feingefühl in den Fingern hat er vollständig verloren.
Plötzlich findet er sich am anderen Ende des Chirurgenbestecks wieder. Verzweifelt unterzieht er sich mehreren Operationen, er wendet sich an Starärzte, die ihn abweisen, sie wollen sich schließlich ihre Vita nicht ruinieren. Sein ganzes Hab und Gut verkaufend, verfällt er schließlich in Selbstmitleid und stößt seiner Freundin Christine vor den Kopf, die ihn schließlich verlässt.

 Marvel's DOCTOR STRANGE..Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)..Photo Credit: Film Frame ..©2016 Marvel. All Rights Reserved. Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Das System in dem er skruppellos gearbeitet hatte wird ihm zum Verhängnis

Allein und mit letzter Hoffnung führt ihn sein Weg nach Nepal, um einen Ort namens Kamar-Taj aufzusuchen. Dort trifft er auf die mysteriöse Älteste und merkt schnell, dass es sich nicht um ein Heilungszentrum handelt, sondern von hier aus unsichtbare dunkle Mächte bekämpft werden. Für Strange, der nur an Dinge glaubt, die er sehen und anfassen kann, bricht eine Weltanschauung ein. Er beginnt seine Reise in eine versteckte Welt hinter unserer Realität. Erstaunlich schnell eignet er sich die dort gelehrten magischen Fähigkeiten an und muss sich nun entscheiden – kehrt er zurück in sein Leben als angesehener, reicher Arzt, oder versucht er, als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt vor ihrer Zerstörung zu retten?

Marvel's DOCTOR STRANGE Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Jay Maidment ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Nepal – seine letzte Hoffnung /Photo Credit: Jay Maidment

MCM – Das Marvel Cinematic Multiverse

Dr. Strange ist der zweite von insgesamt 9 Filmen der Phase 3 von Marvel’s Cinematic Universe, doch obwohl es sich unbestreitbar um einen Marvelfilm handelt, macht Doctor Strange ein völlig neues Fass auf.
Iron Man lebt in seiner technisierten Welt, die Guardians of the Galaxy und Thor zeigten uns den kosmischen Aspekt der Marvel Comics, mit Doctor Strange tauchen wir erstmals tief in den Mystizismus des MCU (Marvel Cinematic Universe) ein.

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Concept Art für den Film

Den Sprung ins Übernatürliche vollführt das Publikum mit dem wohl skeptischsten Charakter seit Tony Stark. Stephen Strange ist in der Welt der Logik und des Wissens zuhause, für Magie, das Multiversum und Hokuspokus ist in seiner Weltsicht kein Platz. Auf seiner Reise, vorbei an den für Nepal typischen Gebetsmühlen, muss er sich der Möglichkeit öffnen, dass er die Welt nur durch ein Schlüsselloch betrachtet hat. Ständig bemüht, sein Wissen zu erweitern, müssen Stephen Strange und das Publikum akzeptieren, dass es wohl deutlich mehr Realität gibt als wir verstehen.

Hierbei mischen sich verschiedenste visuelle Aspekte, einige kommen uns bereits aus dem Mikrokosmos in Ant-Man bekannt vor, wieder andere wirken wie ein Blick in ein Kaleidoskop unter Drogen. Ausflüge in die Spiegelwelt und Portale zu weit entfernten Orten runden das Erlebnis ab.
Glaubwürdig wird dieser Trip vor allem durch die Verwendung von zuvor im Film gezeigte versteckte Elemente wie sich drehende Objekte und Spiegelungen.

Besonders als Kaecilius auftaucht. Der Bösewicht des Films (gespielt von Mads Mikkelsen), einst ebenfalls ein Adept der Ältesten, versucht sich die dunklen Mächte zu Eigen zu machen. „Kaecilius ist ein Mann, der, wenn die Mehrheit hier nach der Wahrheit sucht, er sie dort drüben finden will“, beschreibt Mads Mikkelsen seinen Charakter. „Wenn man so will, steht er am falschen Flussufer und ist dort gefangen. Er glaubt, wenn er jetzt den [dunklen] Weg einschlägt, würde die Welt viel schöner sein, würden all seine Fragen am Ende beantwortet werden.“

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: Mordo (Chiwetel Ejiofor) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Kaecilius (Mads Mikkelsen)

Durch die dunklen Mächte gelingt es Kaecilius, Raum und Wirklichkeit zu verzerren. Unglücklicherweise nicht nur in der Spiegelwelt – die manipuliert werden kann, ohne etwas zu zerstören – sondern auch in unserer Realität. Die durch seine Magie rotierenden Räume und Häuser erinnern stark an die sich drehenden Gebetsmühlen und fügen sich so schön in den Film ein.

Die Magie von Doctor Strange

Unter der geschickten Regie von Scott Derrickson, der eher für seine Horrorthriller (Sinister – Wenn du ihn siehst, bist du schon verloren) bekannt ist, nimmt die Surrealität Gestalt an und selbst das Unglaubwürdige bleibt zumindest plausibel.

Unterstützung gegen seinen zunächst übermächtigen Gegner erhält Stephen Strange von unerwarteter Seite. Der charakteristische Schwebemantel aus den Comics hat ein Eigenleben und einen ziemlichen Dickschädel; nicht nur einmal tut der Doktor gut daran, auf sein Kleidungsstück zu hören, statt seinen eigenen Willen durchzusetzen.

Marvel's DOCTOR STRANGE Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) on set. Photo Credit: Jay Maidment ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) am Set. Photo Credit: Jay Maidment

Der Soundtrack ist passend, sehr eingängig, hat aber leider kaum Ohrwurmpotential, etwas woran die ganze Marvel-Reihe krankt. Das liegt wohl wahrscheinlich daran, dass die Soundtracks bei den Sequels kaum übernommen werden (Ausnahme bildet hier nur das Avengers-Musikthema). Mal sehen, in welchen Filmen uns Doktor Strange noch begegnet und ob die Melodie ausgebaut wird.

Die Sets spiegeln die Motive des Films wieder, Farben, Licht und Spiegelungen definieren den Look des Films und geben das Thema des Films wieder. Produktionsdesigner Charles Wood orientierte sich eng an den Zeichnungen des Schöpfers von Doctor Strange, Steve Ditko. Für den Film wurden 800 Zeichnungen, 3000 Konzeptzeichnungen und 40 Modelle von zu errichtenden Sets angefertigt.

Concept Art für den Film
Concept Art „Sanctum“

Fans vom 3D-Kino werden vermutlich enttäuscht sein. Der Film weiß zwar mit großartigen Effekten aufzuwarten und bietet einem vieles von dem, was Kritiker in Christopher Nolans Inception vermisst hatten. Jedoch schränkt genau dieser Umstand den Nutzen von 3D ein.
Oft passiert so viel im Bild, dass der Zuschauer mit zu eindeutiger Stereoskopie überfordert wäre, weshalb sich die meisten Effekte sehr nah an der Konvergenz (gewissermaßen der Nullebene im dreidimensionalen Raum) orientieren. So vergisst man schnell, dass man einen Film in 3D sieht, wären da nicht diese blöden 3D-Brillen.

Mister…? Doktor!

Flaggschiff von Doctor Strange ist natürlich Benedict Cumberbatch, doch seine Verpflichtung für das MCU kam nicht von alleine. Zwar war er von Anfang an der Wunschkandidat für die Rolle, aber er musste den Part zunächst ausschlagen. Grund hierfür war eine Verpflichtung am Londoner West End Theatre für Hamlet. Regisseur Scott Derrickson bat das Studio darum den Dreh zu verschieben – mit Erfolg. Sie sollten es nicht bereuen, Cumberbatch haucht der Comicfigur seinen ganz eigenen Stil ein:  Wie schon in der Serie Sherlock kommt Benedict Cumberbatch seine persönliche Kombination aus Intelligenz und Gefühl zugute.  Anders als in der BBC-Serie musste er hier jedoch tiefer in den Emotionen der Figur graben, da Stephen Strange seine komplette Realität infrage stellen und sich dadurch selbst neu erfinden muss. Auch Cumberbatchs Humor ist hier hervorzuheben, der selbst arrogante Narzissten sympathisch macht. Hier ist Strange schwieriger sympathisch zu machen als beispielsweise Tony Stark, der zwar auch Narzisst, aber wesentlich sozialer ist.
Als menschlicher Gegenpol dient Rachel McAdams (Spotlight) als Dr. Christine Palmer. Ihr starker Charakter bildet mit ihrer Einfühlsamkeit das moralische Rückgrat ihres langjährigen Freundes.

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: The Ancient One (Tilda Swinton) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
L to R: Die Älteste (Tilda Swinton) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)

Tilda Swinton (Hail, Ceasar!) spielt die Älteste, ein Charakter der in den Comics ein alter Tibetaner ist.  Zwar handelt es sich hier wieder um das klassische „Hollywood Whitewashing“, schön ist aber, dass wenigstens eine Frau diese tragende Rolle spielen darf. Swinton spielt die Älteste mit einer Eleganz und Zeitlosigkeit, die sie zur perfekten Wahl für diese Rolle machen. Ihre Ruhe und ihre Unergründlichkeit ziehen die Zuschauer in ihren Bann. Man spürt förmlich, dass sie eine Vorgeschichte hat, selbst ohne sie vollständig zu erfahren.

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: Mordo (Chiwetel Ejiofor) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
L to R: Mordo (Chiwetel Ejiofor) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)

Selbiges gilt auch für Mordo, gespielt von Chiwetel Ejiofor (12 Years A Slave). Er war einst, wie auch Stephen Strange, ein Schüler der Ältesten und scheint in der Vergangenheit Dinge getan zu haben, die er nun bereut. Seither folgt er streng den Gesetzen der Ältesten, sie geben ihm Sicherheit und das Gefühl für das Richtige einzustehen. Es mangelt ihm an Flexibilität, jedoch nicht an einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der im nächsten Doctor Strange garantiert eine tragende Rolle spielen wird.

In den deutschen Kinos tritt Stephen Strange seine geheimnisvolle und bewusstseinsverändernde Reise in eine neue Ebene der Marvel Filme am 27. Oktober 2016 an.

Fazit

Doctor Strange bietet einen völlig neuen Comicaspekt, der bislang nur mit Scarlet Witch (Avengers 2 – Age of Ultron) gestreift, aber nie ergründet wurde. Die Effekte sind toll, der Sound großartig, die Bilder ziehen uns in die surreale Welt, die Stephen Strange mit uns ergründet. Mit dem Hauptcharakter kann man sich identifizieren, selbst wenn man kein selbstverliebtes Arschloch ist, was teilweise an der großartigen Darstellung von Benedict Cumberbatch liegt und an dem schönen Drehbuch, das den Zuschauer mit auf eine Reise nimmt. Der Film bietet reichlich Action und Humor, die Welten und der dramaturgische Kontext hatten bei kaum einem Marvelfilm bisher eine größere Bedeutung. Blut gibt es nur im Krankenhaus, wenn Köpfe rollen, dann ohne Sauerei. Kann man gut finden, muss man aber nicht.

Marvel's DOCTOR STRANGE..L to R: Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) and Director Scott Derrickson on set.
L n. R: Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) und Regisseur Scott Derrickson am Set.

Der Extra-Eintritt für 3D wird wieder viele verärgern, meiner Ansicht nach kann man ihn sich hier vollkommen schenken. Die tollen Bilder erzeugen für sich schon so einen Sog, dass man Stereoskopie nicht benötigt. Der Soundtrack ist passend aber ausbaufähig, wir werden von Doctor Strange auf jeden Fall noch mehr sehen (After-Credits Szene). Hier wünsche ich mir, dass sein Leitthema aufgegriffen und auch weiterentwickelt wird.
Apropos Abspann: Falls es noch irgendeinen Unwissenden gibt, der in Marvelfilmen bei den Credits sofort aufsteht und geht, es gibt nicht nur eine Szene im Abspann, sondern noch eine danach. Es lohnt sich also, sitzenzubleiben.

Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

-Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: Jay Maidment, Ryan Meinerding, Film Frame; ©2016 Marvel. All Rights Reserved.

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2: ERSTER TEASER TRAILER

Vor wenigen Stunden veröffentlichte Marvel den ersten Teaser-Trailer für den in einem halben Jahr erscheinenden Guardians of the Galaxy Vol. 2 und legte direkt mit einem passenden Filmposter nach. Regisseur James Gunn, der auch schon für den ersten Teil verantwortlich war, erfreute seine Fans auf Twitter mit den brandneuen Infos und natürlich besagtem Poster.

Der Teaser liefert direkt die Fell-Good-Stimmung aus dem ersten Film – „Hooked on a Feeling“ (Blue Swede, 1975) und die gewohnte Situationskomik wurden auch mit reingepackt – ein gelungener Teaser der sofort Lust auf den ersten vollen Trailer macht – wir sind hooked!

Und zum Schluss noch ein Baby-Groot, weil – Baby-Groot geht einfach immer!

-KU


Photo Credits & Copyright: © Marvel 2017

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