HEIMKINO-RELEASE: SWISS ARMY MAN IST EIN UNIKAT

Swiss Army Man ist vor allem eines: komplett anders. Und das ist nicht nur gut so, sondern in der heutigen Filmlandschaft schon fast einmalig. Nach allen Sommer-Reboots, Sequels und Comicverfilmungen bringt der Film endlich ‚frischen Wind‘ ins Heimkino. Mag es sich hierbei auch um eine subjektive Meinung gleich am Anfang des Artikels handeln – so muss dennoch erwähnt werden: Daniel Radcliffe besticht mit einer derartigen Authentizität, dass man keine Minute mehr an seine Zeit als Darsteller des Zauberers Harry Potter denkt. Es ist nicht nur für die Filmlandschaft, sondern auch für Radcliffe selbst ein schauspielerischer Durchbruch und Befreiungsschlag.

Worum geht es in Swiss Army Man?

Paul Dano spielt den verzweifelten Gestrandeten namens Hank.  Er hat bereits mit der Hoffnung auf Rettung abgeschlossen und versucht sich am Strand seiner Insel aufzuhängen. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass ihm das Schicksal eine Leiche (Harry-Potter-Star Daniel Radcliffe) anspült, deren laute Furzgeräusche ein friedliches Ableben unmöglich machen. Hank tauft die Leiche ‚Manny‘ und findet bald heraus, dass sie nicht ganz so tot ist, wie sie sein sollte. Neben der Flatulenz hat Manny noch einiges mehr zu bieten – seine ungewöhnlichen Kräfte ermöglichen es ihm beispielsweise, in hoher Geschwindigkeit durchs Wasser zu gleiten und auf die Jagd zu gehen.

Dieser Tote, in seiner Funktionalität dem namensgebenden Schweizer Taschenmesser in nichts nachstehend, ist jedoch nicht nur bloßes Werkzeug, sondern besitzt auch Gefühle. Zwischen Manny und Hank entwickelt sich eine tiefe, sinngebende Freundschaft, wodurch Hank beschließt, seinem Leben eine weitere Chance zu geben und gemeinsam mit Manny nach Hause zu finden.

Die „Multi-Funktions-Leiche“ Manny (Daniel Radcliffe) ist auch als Kompass einsetzbar. © capelight pictures
Die „Multi-Funktions-Leiche“ Manny (Daniel Radcliffe) ist auch als Kompass einsetzbar.

Dass beim Sundance Film Festival laut Variety zahlreiche Zuschauer beim Screening den Saal verlassen haben sollen, sei dahingestellt. Wer besonders sensibel auf das Thema Tod und die sich daraus ergebenden Prozesse im Körper eines Menschen reagiert – oder generell vor dem Fakt zurückschreckt, Daniel Radcliffe über 90 Minuten visuell als Leiche zu erleben –, der sollte sich bei Swiss Army Man entsprechend emotional darauf vorbereiten, mit diesen Bildern aufs Schärfste konfrontiert zu werden. Aber muss Kino und somit Film immer fröhlich, heiter oder unbeschwert sein? Oder wollen wir faszinierende und polarisierende Filme, die einen Spagat zwischen Absurd und Emotional, von Seltsam bis Tiefgründig, von Flatulenz bis Sinn des Lebens schaffen?

Wir sind ganz klar für Letzteres. So skurril es klingt, der Film schafft es trotz der massiven Flatulenzen von Daniel Radcliffes Charakter auch cineastisch brillante Bilder und Stimmungen einzufangen. Die Filmsets sind darüber hinaus ein visuelles Meisterwerk für sich und zeigen sich eindrucksvoll im ‚Robinson Crusoe‘-Style, der weltflüchtig romantisch wirkt. Doch zurück zum Anfang: Filme über ungewöhnliche Freundschaften gibt es viele. Aber E.T. und Free Willy erscheinen geradezu gewöhnlich verglichen mit der Idee zu Swiss Army Man. Mit seinem Regiedebüt landet das Regie-Duo Daniels, bestehend aus Daniel Scheinert und Dan Kwan, einen Überraschungshit mit Kultpotenzial.

Regisseure Daniel Scheinert & Dan Kwan aka ‚Daniels’.
Regisseure Daniel Scheinert & Dan Kwan aka „Daniels“.

Nach dem Filmerlebnis dürften sich beim ein oder anderen sicherlich Fragen aufdrängen: Wieso, weshalb, warum? Mögliche Antworten darauf findet man in den Special Features bzw. Extras der Blu-ray, die rundum überzeugen können.

Besonders hervor sticht dabei ein Feature, das wohl äußerst selten sein dürfte: Man kann den kompletten Film ohne musikalische Untermalung anschauen! Ein einzigartiges Erlebnis selbst für Filmfans, und wir kennen es sonst nur von Gravity in der Silent-Edition

Das zeigt nicht nur generell, wie essentiell Musik für einen Film ist, sondern lässt den Film auf faszinierende Weise auch noch skurriler und zum Teil positiv verstörend wirken. Besonders bei der Schlussszene sollte diese Wirkung deutlich zum Vorschein kommen.

Außerdem könnt ihr auch faszinierende Blicke hinter die Kulissen von Swiss Army Man werfen und erfahrt unter anderem, wie komplex und aufwendig es für Darsteller und Crew war, die Sets und eine Leiche realistisch in den vielseitigen Funktionen zu filmen.

Ton und Bild des Blu-ray Heimkino-Releases

Die deutsche Tonspur liegt im DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Bei der englischen Tonspur wird Dolby Atmos geboten. Das Bild liefert die Blu-ray-Variante im Verhältnis 2,40:1 bei 1080p und somit Full-HD. Sowohl Ton und Bild überzeugen in Qualität und stellen ein echtes visuelles wie auditives Erlebnis für euer Heimkino dar.

Liste der Extras

Wie auch die DVD liefert die Blu-ray-Version zahlreiche Extras, wobei für jeden Geschmack etwas Passendes dabei sein sollte:

  • Audiokommentar vom Regie-Duo Daniels mit Jason Kisvarday und Brent Kiser
  • Hinter den Kulissen
  • 5 Featurettes
  • 3 entfallene Szenen
  • Interview mit Daniel Radcliffe
  • Q&A mit Daniels und Brent Kiser
  • 2 Trailer

Besonderheiten der Blu-ray

Reißt man die Folie ab, so hält man nicht direkt die Hülle der Blu-ray in den Händen, sondern spürt zunächst die hochwertige Coverhülle aus dickerem Papier, welche man nach oben oder unten abziehen kann. Erfreulich ist hierbei bereits die Option, die FSK-12-Kennzeichnung in Stickerform abziehen zu können. Beim eigentlichen Cover der Blu-ray handelt es sich zusätzlich um ein Wendecover, wodurch sich die FSK-Kennzeichnung komplett unsichtbar machen lässt. Ein großes Plus für alle Filmfans, die ihre Sammlung mit Swiss Army Man nicht nur ergänzen, sondern auch optisch verschönern wollen! Hier darf der Independent-Verleiher Capelight Pictures durchaus lobend erwähnt werden, zumal immer weniger Verleih-Firmen an diese doch wichtigen Kleinigkeiten denken. Ein ergänzender Flyer oder Ähnliches fehlt jedoch in der Hülle. Zu guter Letzt könnt ihr Swiss Army Man noch als Limited Collector’s Edition im Mediabook mit zwei verschiedenen Covern erwerben. Damit bekommt ihr die volle Ladung des menschlichen Schweizer-Armee-Messers inklusive DVD, Blu-ray und Soundtrack-CD!

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Der Tod und andere Stunts

Daniel Radcliffe musste sich zunächst daran gewöhnen, eine Leiche zu spielen, welche den Großteil des Films ziemlich rabiat behandelt wird. Zwar gab es einen lebensgroßen Stunt-Dummie, doch Dano bevorzugte es, Radcliffes tatsächliches Gewicht mit sich herumzutragen. Vor ihrem Skypegespräch mit dem Harry-Potter-Star machten sich die Regisseure noch Sorgen, dass Radcliffe wegen der drastischen Anforderungen an seine Rolle absagen würde. „Aber Daniels erste Frage war, ob er seine eigenen Stunts durchführen dürfe“, erklärt Kwan begeistert (USA Today).

Manny (Daniel Radcliffe) mit selbstgebauten Kopfhörern. © capelight pictures
Manny (Daniel Radcliffe) mit selbstgebauten Kopfhörern.

Besonders faszinierte Radcliffe die Herausforderung, eine lebendige Leiche spielen zu dürfen. Im Interview mit Watson verriet Radcliffe, dass er zwar auf wesentliche Aspekte wie Totenstarre geachtet habe, dennoch nie wie ein Zombie erscheinen wollte. Er improvisierte demnach viel, um nicht technisch exakt zu wirken. Den Rest in Punkto Glaubwürdigkeit erledigte dann sein authentisches Make-Up – so Radcliffe. Dass der Fokus bei Radcliffes Leichen-Charakter dabei auch auf ein ganz besonderes, männliches, Körperteil gelegt wurde, störte Radcliffe offenkundig nicht – Kudos an einen wahren Schauspieler!

Mit Hilfe von Manny (Daniel Radcliffe) gelingt es Hank (Paul Dano) Feuer zu machen. © capelight pictures
Mit Hilfe von Manny (Daniel Radcliffe) gelingt es Hank (Paul Dano), Feuer zu machen.

Fazit

Ob ein Film mit einem furzenden Toten jedermanns Sache ist, bleibe dahingestellt. Swiss Army Man wirkt jedoch so herrlich absurd und neu, dass man dem Film als neugieriger und offener Mensch wohl kaum widerstehen kann. Daniel Radcliffe ziert mit Paul Dano einen Film, der origineller kaum sein könnte. Sein ‚explosives‘ Potenzial hat Swiss Army Man aber schon beim Sundance Film Festival (ausgezeichnet mit dem Regie-Award) und bei der Eröffnung des deutschen Fantasy Filmfest bewiesen. Mit dem Heimkino-Release kann man sich jetzt selbst ein Bild von der ganzen Dimension der Daniels-Regie machen und somit einen möglicherweise verpassten Kinogang nachholen oder ihn durch viele, hochwertige Extras in Form von Special-Features der Blu-ray ergänzen. Wir sagen: Nimm das, The Walking Dead!

– Stefan Fischer & Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: © 2016 Capelight Pictures

ROGUE ONE: A STAR WARS STORY – DIE REVIEW

Die Vorweihnachtszeit hat begonnen. Die Stimmung der Menschen hellt sich auf, geschäftiges Treiben in den Städten, an den Wänden hängen Star Wars Poster. Spätestens nächstes Jahr wird einem der letzte Teil des Satzes nicht mehr seltsam vorkommen, da Disney das dritte Jahr in Folge einen Star Wars Film um Weihnachten herausgebracht haben wird. Doch schon dieses Jahr leitet Rogue One diesen Donnerstag in den deutschen Kinos die Anthology-Filme ein. Mit Anthology produziert Disney eine Reihe alleinstehender Star Wars Filmen, die – abseits der Hauptfilme – die Star Wars Saga ausschmücken.
Obwohl Rogue One so gar kein typischer Star Wars Film ist, hat er doch alles, was Star Wars ausmacht. Sogar mehr.

Ein Problem am Horizont

 Der Film beginnt, wenige Jahre nach der Machtergreifung Imperator Palpatines, auf einem abgelegenen Planeten. Die junge Jyn Erso rennt über die weiten Aschefelder ihres Heimatplaneten Lah’mu nach Hause, über ihr rauscht bedrohlich ein imperiales Raumschiff.
Ihr Haus steht in der einzig fruchtbaren Oase weit und breit, mit Wasserevaporatoren bewirtschaftet ihr Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) das Land. Galen, einst Wissenschaftler im Dienste des Imperiums, erwartet sie bereits. Eilig packen sie Jyns Sachen und bringen das Mädchen in ein sicheres Versteck, als auch schon der ungebetene Gast, Direktor Orson Krennic, eintrifft.
Der skrupellose und machthungrige Krennic ist gekommen, um Galen zurück zum Imperium zu holen. Er soll für das Imperium den Bau einer Superwaffe fertigstellen. Der Direktor im weißen Umhang lässt Galen keine Wahl, die kleine Jyn bleibt alleine zurück.

Jahre später ist Jyn (gespielt von Felicity Jones) zu einer jungen Frau herangewachsen, die als Diebin versteckt vor dem Imperium um ihr Überleben kämpft. Nach der Festnahme durch das Imperium gelingt ihr bei einem Gefangenentransport mit Hilfe von Freiheitskämpfern der Rebellion die Flucht.

 

Rogue One: A Star Wars Story L to R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) and K-2SO (Alan Tudyk) Ph: Jonathan Olley © 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
L n. R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) und K-2SO (Alan Tudyk)

Durch die Anführerin der Rebellion, Mon Mothma, erfährt Jyn schließlich, dass ihr Vater noch lebt und sogar die Schlüsselfigur für den Sturz des Imperiums ist. Zusammen mit dem Rebellen Cassian Andor und seinem Kriegsdroiden K2-SO macht sie sich auf die Suche nach einem fahnenflüchtigen imperialen Frachterpiloten, der eine Nachricht von Jyns Vater haben soll. Leider ist der aber derzeit inhaftiert – beim radikalen Rebellen Saw Gerrera (Forest Whitaker), ein Mann mit eigenen Idealen und extremen Vorgehensweisen.

Das Mekka der Jedi-Ritter

Regisseur Gareth Edwards (Godzilla) wurde früh in den kreativen Prozess einbezogen. Er und sein Team fanden, dass Rogue One einen ganz eigenen Realismus braucht. Die Charaktere und die Story bewegen sich in einer grauen Zone, ganz anders als die bisher klar abgegrenzte Moral von Gut und Böse aus der Star Wars (Haupt-)Reihe. Die will Rogue One – A Star Wars Story aber auch gar nicht. Schon der Titel macht klar: Wir bewegen uns zwar im Star Wars Universum, die Geschichte ist aber eine ganz andere. So auch die Erzählweise, die stark an die zeitlich fast parallellaufende [Animations-]Serie Star Wars Rebels erinnert. Zeitsprünge und Rückblenden, für Star Wars Filme bisher eher untypische Elemente, bereichern die Erzählweise. Auch das Intro (an dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr spoilern) grenzt sich deutlich von der Star Wars Reihe ab. Der Zuschauer wird sofort in die Story geworfen – eine harte Realität, kein märchenhafter Einstieg.
Auch die Mystik der Jedi fehlt weitestgehend, bisher das tragende Thema der Filme. Der Orden gilt als ausgerottet. Spürbar am Leben ist die Macht dennoch – auf dem Planeten Jedha. Er gilt als spirituelles Zentrum des einstigen Jediordens.

Rogue One: A Star Wars Story..Star Destroyer..Ph: Film Frame ILM/Lucasfilm.© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
Star Destroyer

In einem Interview mit Entertainment Weekly erklärt Gareth Edwards:

„Es [Jedha] ist ein Ort, den Leute, die an die Macht glauben, für eine Pilgerreise aufsuchen. Er wurde vom Galaktischen Imperium eingenommen. Es ist besetztes Gebiet – aus Gründen, die wir noch nicht offenbaren können.
Es gibt etwas sehr Wichtiges auf Jedha, sowohl für die Jedi als auch für das Imperium. Es fühlte sich stark nach etwas an, das wir mit der realen Welt in Verbindung bringen könnten.“

Auf Jedha führt der rebellische Extremist Saw Gerrera seinen Aufstand gegen das Imperium an, weshalb die Besatzer ihre Maßnahmen vor Ort verstärkt haben. Saw Gerrara dürfte vielen noch aus der Serie Clone Wars bekannt sein. Er ist damit der erste Charakter aus einer Star Wars Serie, der es in einen Film geschafft hat. Der Onderonianer ist seit dem Tod seiner Schwester in den Klonkriegen ziemlich verbittert und hat sich daher den Kampf gegen die Übermacht auf die Fahne geschrieben. Körperlich hat er dabei sehr gelitten, ist fast schon mehr Maschine als Mensch und in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. So fallen einige Parallelen zu keinem geringeren als Darth Vader persönlich auf. Fragt sich nur, wie lange sich Saw noch mit sich selbst identifizieren können wird. Wann wird seine Vorsicht zur Paranoia – und wie lange unterscheidet man sich noch vom Imperium, wenn Folter das Hausmittel wird?

Rogue One: A Star Wars Story Saw Gerrera (Forest Whitaker) Ph: Giles Keyte ©Lucasfilm LFL 2016.
Saw Gerrera (Forest Whitaker)

Auch die Serie Star Wars Rebels ist im Detail zu erkennen. So ist beispielsweise die Phoenix Squadron mit ihrer Hammerheadflotte eine entscheidende Kraft in der spektakulären Raumschlacht und ein VCX-100 Frachter (womöglich die Ghost, das Schiff der Helden aus Rebels?) ist für den aufmerksamen Zuschauer bereits im TV-Trailer zu sehen.

Findet die Rebels-Serie also ihren Showdown in ebendieser Schlacht? Die Erwähnung von General (Hera?) Syndulla ist sicherlich ein Indiz. Eine mögliche Andeutung wäre es – und spannend obendrein.

Rogue One einsatzbereit

Tatsächlich haben es aber einige Szenen aus den Trailern nicht in den Film geschafft, was wohl dem ausgiebigen Nachdreh zu schulden ist. Interessant wäre zu wissen, wie der Film ohne diese Maßnahme ausgegangen wäre, insbesondere da einer der Shots aus den Trailern ein anderes Ende vermuten lässt. Die spannende Story und die vielschichtigen Charaktere lassen aber, trotz Änderungen, nichts vermissen.
Der Rebell Cassian ist ziemlich kaltblütig und musste in seiner Vergangenheit auf die harte Tour lernen, dass zivile Opfer oftmals notwendig sind. Es ist der Darstellung des sympathischen Diego Luna zu verdanken, dass das Publikum nicht schon früh das Herz für den Freiheitskämpfer verliert. Für Humor sorgt sein Droide K2-SO, ein ehemaliger Kampfdroide des Imperiums mit exzellenten Reflexen und wunderbarem Sarkasmus. Man fühlt sich fast an die trockenen Bemerkungen von HK-47 aus den beiden Spielen ‚Knights of the Old Republic‘ I und II erinnert. Gespielt wird K2-SO sehr gekonnt von Alan Tudyk (auf Stelzen!), der auch schon Sonny in ‚I, Robot‘ Leben einhauchen durfte.

Zwei weitere tragende Rollen fallen den beiden chinesischen Schauspielern Donnie Yen und Jian Wen zu. Die beiden spielen das unzertrennliche Duo des blinden Mönchs Chirrut Îmwe und seines Beschützers aus Sandkastenzeiten, dem Soldaten Baze Malbus. Schnell schließen sie sich dem Rebellen-Team an und helfen mit unerwarteter Effizienz.

Jonathan Olley

Identifikationsfigur für das Publikum dürfte Riz Ahmeds Charakter sein, der den Frachterpiloten Bodhi Rook spielt. Kampfunerfahren und sichtlich unwohl in seiner Haut, möchte Bodhi einfach nur dabei helfen, die bedingungslose Kapitulation der Rebellion zu vermeiden. Dabei wächst er über sich selbst hinaus.

Auf der Seite der Bösen steht Ben Mendelsohn in der Rolle des Direktor Orson Krennic. Er spielt den Antagonisten in Rogue One: ein machthungriger Mann, der dem Imperator um jeden Preis imponieren will. Hierbei geht er nur zu gerne über Leichen, um seine Macht zu demonstrieren.
Damit ist er aber nur eine Figur im Schachspiel des Imperators und nichts im Vergleich zu Darth Vader, der mit kraftvollen Auftritten sowohl mächtige als auch verletzliche Seiten zeigt.

Eine Neue Hoffnung

Setbau wurde bei Rogue One, wie schon bei ‚Das Erwachen der Macht‘, großgeschrieben. Die zahlreichen Aliens sind glaubwürdig und wurden in aufwändigster Weise angefertigt. Um Lichteffekte im Raumschiff überzeugend auf die Charaktere zu projizieren, wurde besonders getrickst: Das hydraulische Set des Schiffs wurde nicht vor einem Greenscreen, sondern einem eigens angefertigten Screen, auf den der fertige Hintergrund im Film geworfen wurde, aufgebaut.

Die Raumschiffe, allen voran der neue U-Wing, der optisch eine Kombination vom Cockpit des Y-Bombers, den Antrieben des X-Wings und der Form des Jedi Interceptors zu sein scheint, sind wunderbar gelungen. John Knoll, VFX–Supervisor für Rogue One, designte den U-Wing bewusst in Anlehnung an bereits bekannte Schiffe, um bei Fans ein Gefühl der Wiedererkennung zu erzeugen.
Aber es sind die kleinen Details – so wie ein analoges Brettspiel, wie wir es aus Han Solos Rasendem Falken kennen – die dafür sorgen, dass man sich als Star Wars Fan richtig Zuhause fühlt.

Rogue One: A Star Wars Story X-Wing and U-Wing versus AT-ACTs Photo credit: Lucasfilm/ILM ©2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
X-Wing und U-Wing gegen AT-ACTs

Pyrotechnik kommt auch wieder vermehrt zum Einsatz und löst unrealistische CGI Explosionen in großen Teilen ab. Regisseur Edwards ließ die Kameras oft für mehrere Minuten ohne Unterbrechung laufen und sorgte damit im Spiel der Schauspieler für einen eigenen Realismus.
Neben Darth Vader gibt es ein Wiedersehen mit dem digital wiederbelebten Gouverneur Tarkin. Leider stolpert das computergenerierte Gesicht etwas am Realismus vorbei und wirkt eher wie aus einem sehr guten Videospiel als wie eine echte Person aus Fleisch und Blut. Schade.  Die digitale Verjüngung des ein oder anderen bereits bekannten Charakters funktionierte da bereits ungleich besser.

Schauspielerisch gibt es nichts zu bemängeln; von einer wunderbaren Felicity Jones bis hin zu Alan Tudyks Körpersprache im Motion-Capture-Anzug – für den Cast gehört eigentlich ein eigener Preis verliehen.

Der klangvolle, manchmal sehr militärisch wirkende Soundtrack von Michael Giacchino sorgt für die richtige Untermalung. Abwechslungsreich und dynamisch vertont er die schwierige Mission des Spezialeinsatzkommandos Rogue One. Leider fehlt seinen Klängen die Eingängigkeit der Soundtracks von John Williams, oft genug dürfen dessen Stücke dezent anklingen, was widerum wunderbar gelungen ist.

Fazit

Endlich! Rogue One bietet nach Episode VI die erste Raumschlacht, die wirklich sehenswert ist. Ein richtiger Krieg der Sterne, der sowohl im All, als auch bei den Bodentruppen tobt. Als Zuschauer ist man mittendrin, der schöne Soundtrack saugt einen mitten hinein ins Geschehen, bei der geschickten Kameraführung verliert man trotzdem nie den Überblick. Die Charaktere sind sympathisch und wachsen einem schnell ans Herz, obwohl die stark differenzierte Schwarz-Weiß-Aufteilung der Star Wars Reihe fehlt. Aber gerade das macht sie menschlich. Jyn Erso und ihre Mannschaft werden schnell zu Vertrauten, die man am liebsten gar nicht erst in dieses Himmelfahrtskommando schicken möchte. Für unnötige Romanzen ist in diesem Film kein Platz – gut so!
Der bedrohliche Todesstern und die von ihm ausgehende Zerstörung sehen verboten gut aus. Atemberaubend fand ich eine Szene ganz zu Anfang: Ein Sternenzerstörer fliegt vor einem vermeintlich malerischen Sternenhimmel – bis sich herausstellt, dass dies nur die Lichter der gigantischen Raumstation sind.
Die Geschichte schickt die originalen Star Wars Filme wieder frisch ins Rennen, Rogue One lässt die Herzen der Fans höherschlagen. Viele kritische Stimmen behaupteten, Innovation wäre mit Disney und Episode VII gestorben – dies wäre spätestens hiermit widerlegt. Rogue One traut sich etwas – und nicht nur die Rebellion wird belohnt.

Jetzt freue ich mich nur noch auf den nächsten Kinobesuch. Und Episode VIII.
Danke Disney, hierfür wurde Kino gemacht.
Trotz kleinerer Mängel (Story wiegt mehr als Effekte):
5 von 5 Sternen

Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: Jonathan Olley, Film Frame ILM/Lucasfilm, Lucasfilm/ILM; © 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

STAR WARS REBELS – DER ARCHITEKT DER ZERSTÖRUNG

Gleich zu Beginn – wer die Serie mit Argwohn betrachtet: Ich kann dich verstehen. Auch ich hatte da „ein ganz mieses Gefühl“, zumal mir Clone Wars schon kaum gefallen wollte. Doch die neue Serie hat mich positiv überrascht.

‚Rebels‘ spielt zu einer Zeit, in der die Galaxis von der harten Hand des Imperiums unterjocht wird. Die letzten Jedi-Ritter gelten als ausgestorben, vom Imperium vernichtet. Nur wenige wagen es, gegen den Imperator und seine Legionen an Sturmtruppen, angeführt vom gnadenlosen Darth Vader, aufzubegehren. Zunächst unbemerkt vom Imperium regt sich Widerstand: Rebellen formieren sich gegen ihren übermächtigen Gegner und führen gezielt Anschläge auf ihre Unterdrücker aus.

star wars rebels staffel 3

Inmitten dieser Schlacht steht eine junge Waise. Ezra Bridger ist ein 14 – jähriger Dieb, der nicht nur äußerlich an Aladdin erinnert. Gewieft und flink entwischt er den Truppen ein ums andere Mal und weigert sich zunächst, offen für die Rebellion Partei zu ergreifen. Schließlich erweckt Ezra das Aufsehen von Kanan, einem der letzten überlebenden Jedi. Kanan erkennt, dass Ezra zwar für die Macht empfänglich, sich aber dessen nicht bewusst ist. Vielmehr sind seine Fähigkeiten instinktiver Natur. Ezra tritt der Crew der ‚Phantom‘ bei, die Kanan anführt und begibt sich auf die Reise, um dem Imperium das Handwerk zu legen, und die Kraft die in ihm schläft zu erwecken.

NICHTS MEHR FÜR KLEINKINDER

Clone Wars brauchte zig Staffeln um den kindlichen Grundtenor abzulegen und endlich ein „richtiges Star Wars“ zu werden. Letztendlich wurde die Serie düsterer und fügte sich damit sauberer in die Zeit um die Episoden II und III ein. Auch Rebels kämpft am Anfang damit, zu sehr eine Serie für alle Altersklassen zu sein, was sich nicht zuletzt in ihren farbenfrohen Charakteren zeigt. Jedoch gelingt es der neuen Serie wesentlich schneller den Ton zu treffen als The Clone Wars. So holt sie bereits in Staffel 2 die Fans bei den Klonkriegen ab und führt sie langsam Richtung ‚Rogue One‘.

star wars rebels staffel 3

Mit dabei sind bereits bekannte Charaktere wie Lando Calrissian, der Klonkrieger Rex und die ehemalige Schülerin Anakins, Ahsoka Tano. Neben den bereits erwähnten Hauptcharakteren, die äußerlich eher aus dem Mittel-Östlichen Raum zu stammen scheinen, brilliert Star Wars Rebels durch die Twilek–Pilotin Herra und die junge Mandalorianerin Sabine mit starken Frauen (und besteht regelmäßig den Bechdel–Test mit Bravour!). Als lustige Sidekicks dienen meist der Droide Chopper und ein Lasat namens Zeb, der – als einer der letzten seiner Art – mit dem Imperium eine ganz eigene Rechnung offen hat.

WAS BISHER GESCHAH

Die Staffel 2 endet mit einem Cliffhanger, der vielschichtiger kaum sein könnte: Darth Maul, aus den Schatten zurückgekehrt, zeigt Ezra im Sith-Tempel auf Malachor die dunkle Seite. Maul stellt sich nach einem kurzen Zweckbündnis gegen die Jedi und nimmt Kanan das Augenlicht, verliert jedoch den Zweikampf und flieht.

star wars rebels staffel 3

Angelockt von einem Sith–Holocron, das jahrtausendealtes Wissen der Sith enthält, betritt Darth Vader die Szenerie. Als er Kanan und Ezra erlegen will, schaltet sich Ahsoka ein, um sich ihrem alten Meister zu stellen. Sie opfert sich, um Kanan und Ezra die Flucht zu ermöglichen, Vader überlebt schwer verwundet.
Ezra, von dem Wunsch beseelt, die Sith mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, versteckt das gefährliche Sith–Holocron und nutzt die dunkle Seite, um von ihm zu lernen.

DER MEISTBEGEHRTE BÖSEWICHT DES EU

Wie der Trailer zu Staffel 3 verrät, begeben wir uns tiefer in die Welt und Vergangenheit der Charaktere. Ezra ist deutlich älter geworden, sein Kampfstil akrobatischer, sein Vorgehen skrupelloser. Kanan hingegen betrauert den Verlust seiner Augen und kümmert sich kaum mehr um seinen Padawan, der sich mehr und mehr der dunklen Seite hingibt. Der Rest von Ezras Crew kann dessen Taten immer weniger gutheißen, aber ohne Kanan gibt es niemanden, der ihn ernsthaft zur Räson rufen könnte.

In der neuen Staffel versöhnt sich Disney mit den Fans des ehemaligen Expanded Universe (kurz: EU), dessen Charaktere im Reich der Legenden verschwanden. Nicht nur gibt es ein Wiedersehen mit Wedge Antilles, Grand Moff Tarkin und weiteren bekannten Gesichern, sondern auch einen neuen, skrupellosen Gegner: Grand Admiral Thrawn.

Ruhig, kalkuliert, berechnend. Nachdem Disney die Thrawn–Reihe für ungeschehen erklärte, dürfen Fans sich über die Rückkehr ihres Lieblingsbösewichts freuen. Düstere Orgelmusik als Leitthema untermalt die chirurgische Präzision, mit der Thrawn die Rebellion zu zerlegen und zu demoralisieren beginnt. Nie die Beherrschung verlierend und immer drei Schritte voraus, mit so einem Gegner hatten es die Rebellen noch nie zu tun. Ob er womöglich auch in Rogue One eine kleine versteckte Rolle spielen wird?

star wars rebels staffel 3

Ich bin von der Serie mittlerweile voll überzeugt und total gespannt auf Staffel 3. Wünschenswert wäre, dass Disney mit Star Wars Rebels den einen oder anderen Bogen zum kommenden Blockbuster spannt. Die neuste Staffel ist momentan auf Disney XD zu sehen und wird ab Sommer 2017 dann auch im Free-TV auf dem Disney Channel laufen.

Möge die Macht mit euch sein,

Alexander Ochs
Jedi-Ritter


Photo Credits & Copyright: © Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved. Used Under Authorization

VAIANA: DER NEUE DISNEY-SONG IST SCHON DA

Disneys neustes Werk

Alessia Cara heißt die Künstlerin, die ihre Version des neuen Songs für den neusten ‚Prinzessinnenfilm‘ Vaiana performt. Disney ließ den Song ‚How Far I’ll Go‘ vom amerikanischen Multitalent-Künstler Lin-Manuel Miranda schreiben, um dem bald erscheinenden Animationsspektakel eine Melodie zu geben. Dieser ist besonders für das Broadway-Musical Hamilton bekannt, für das er Textbuch, Liedtexte, und die Musik schrieb und als Darsteller agierte. Laut einem Interview bei Jimmy Kimmel Live arbeitete er parallel zu seinen Hamilton-Auftritten bereits an Vaiana.

Die kanadische Sängerin Cara, die sich selbst durch Covervideos auf YouTube Berühmtheit verschafft hat, erreichte 2015 mit ihrem Song ‚Here‘ die Top 10 Charts der USA. Ihr neues Stück ‚How Far I’ll Go‘ wird in dieser Form während dem Abspann von Vaiana zu hören sein. Außer Caras Interpretation wird noch eine In-Film-Version veröffentlicht werden, gesungen von der hawaiianischen Synchronsprecherin Auli’i Cravalho.  Eine deutsche Version des Disney-Songs wurde noch nicht bekanntgegeben.

Laut dem Rolling Stones Magazin sind Lin-Manuel Miranda (Star Wars: Das Erwachen Der Macht) zusammen mit dem polynesisch abstammenden Opetaia Foa’i und amerikanischen Komponisten Mark Mancina (Der König der Löwen) für den Soundtrack verantwortlich. Das gesamte Album mit den englischsprachigen Liedern zum Film wird über Universal Music ab dem 18. November in Deutschland erhältlich sein, die deutsche Version ab 16. Dezember.

ANAHEIM, CA - AUGUST 14: XXX of FILM TITLE took part today in "Pixar and Walt Disney Animation Studios: The Upcoming Films" presentation at Disney's D23 EXPO 2015 in Anaheim, Calif. (Photo by Jesse Grant/Getty Images for Disney)
Opetaia Foa’i mit Band Te Vaka bei der Disney D23 EXPO 2015 in Anaheim, Kalifornien

Ohrwurmpotential

Doch wird dieser Disney-Song ein echter ‚Frozen‘-Ohrwurmnachfolger? Eines ist klar: Eltern dürfen sich jetzt schon einmal darauf einstellen, dass diese Powerballade eine gewisse Zeit lang aus den Smartphones und Tablets ihre Nerven beschallen wird. Aber ihr wisst schon: Let it goooo…

Der Film ‚Vaiana – Das Paradies hat einen Haken‘ wird in Deutschland ab dem 22. Dezember in den Kinos zu bestaunen sein. In den USA können sich die Zuschauer einen Monat früher, bereits ab dem 23. November, an dem Animationsfilm erfreuen.

*Post edit, 15.11.2016

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-Klaudia Urban


©2014, 2016 Disney. All Rights Reserved.

VAIANA: EIN SOMMERMÄRCHEN FÜR DEN WINTER

Eintauchen in die Welt des Pazifiks

Der neue Film dreht sich um das Abenteuer von Vaiana, einem Mädchen das viel Verantwortung auf ihren Schultern trägt. Ihre Familie führt den Clan an, der seit Generationen ein geordnetes Leben auf einer der ozeanischen Inseln führt. Die Regeln sind einfach: Die Insel gibt ihnen alles, was sie brauchen, also gibt es keinen Grund sie zu verlassen. Vaianas Vater, der Insel-Chief Tsui, besteht sogar strengstens auf dem Verbot, niemals aufs weite Meer hinauszusegeln. Doch die Neugier zieht Vaiana immer wieder zum Meer hin, bis der Drang schließlich zu groß wird, um ihn weiter zu ignorieren…

Nach dem Riesenerfolg von Box-Office-Riese Frozen wird es kein Einfaches gewesen sein, einen Nachfolger aus dem Hut zu zaubern. Wohlgemerkt, solche Filme werden nicht mal eben gezaubert, dahinter stehen hunderte Menschen mit Erfahrung. Nachdem zig Ideen durchgearbeitet wurden, wird vielleicht hin und wieder eine gefunden, die ein Animationsstudio wie Disney tatsächlich in Erwägung zieht. Die wenigen, die ihren Weg auf die Leinwände der Kinos finden, haben in allen Kategorien – von Umsetzungsfähigkeit bis hin zu Vermarktungspotential – bestanden. So betrachtet ist Vaiana das Ergebnis eines langwierigen Prozesses. Es ist ein gutes.

Concept Art für Vaiana
Concept Art für Vaiana

Die Auffälligkeit der Gegensätze

Fast schon eindeutig gegensätzlich wird hier das Thema des tropischen, sommerlichen Meeresfeelings gewählt. Ein Sommermärchen als quasi-Nachfolger eines Wintermärchens. Wie auch bei Die Eiskönigin wird in diesem neuen Märchen auf eine ganz bestimmte Stimmung gesetzt. In beiden Filmen herrscht eine mystisch-geheimnisvolle Magie vor. Während Frozen auf den Charme des klar strukturierten, rustikalen nordischen Settings setzt und dabei in der Farbwahl eher gedämpft blieb, gibt es für Vaiana ein paradiesvogelbuntes Inselsetting mit südländisch inspirierten Elementen. Als Inspiration der Designs diente bei Frozen die skandinavische (samische) und bei Vaiana die polynesische Kultur Ozeaniens.

Ebenfalls in beiden Filmen zu finden ist die Charakterifizierung von Naturgewalten: Während die Eiskönigin Elsa sich mithilfe ihrer Zauberkräfte der Kälte und des Eises bedient, hat Vaiana eine ganz besondere Verbindung zum Ozean. Der Unterschied liegt jedoch im Detail: Elsa wird das Eis letztendlich fast zum Verhängnis. Der Ozean und sein Wasser sind Vaiana jedoch von Anfang an freundlich gesinnt. Kälte vs.Wärme,  gedeckt und bunt, vornehm oder frech – man könnte die Liste der Gegensätze noch lange weiterführen. Eines verbindet jedoch alle Disneyfilme: Das Thema der Familie, Liebe und Freundschaft. Und genau das ist in beiden Filmen gelungen.

Es waren einmal…. Prinzen und Prinzessinnen

Vaiana lässt hierbei doch ein ganz bestimmtes Thema weg, das bisher alle Disney Prinzessinnenfilme zumindest beinhaltet haben: Die romantische Liebe. Zur Überraschung vieler Disneyfans wurde bereits im Juli bekanntgegeben: Vaiana hat keinen ‚Love-Interest‘. Kein Prinz. Kein Sich-Verlieben, kein Herumgeschmachte. Dass die Disney Protagonistin von heute sich nicht mehr auf einen Prinzen verlässt, bewies ja bereits Die Eiskönigin. Aber so richtig hat man sich bei dem Wintermärchen nicht getraut, gleich den kompletten Schnitt zu wagen. Also wurde den Prinzen die Nebenrolle gelassen. Ob der Bösewicht aber letztendlich ein Prinz ist oder die berühmte Stiefmutter, das ist für die Kerngeschichte von Frozen irrelevant. Darum bin ich sicher nicht die einzige, die sich freut, dass endlich mit diesen Klischee-Prinzen und Prinzessinnen Schluss gemacht wurde. Manche Traditionen dürfen sich verabschieden, sogar bei Disney. Übrigens, Vaiana ist auch keine Prinzessin. Dieses Detail ist ihr, den Dialogen im Film nach zu urteilen, nicht gerade unwichtig:

Tenacious teenager Moana (voice of Auliʻi Cravalho) recruits a demigod named Maui (voice of Dwayne Johnson) to help her become a master wayfinder and sail out on a daring mission to save her people. Directed by the renowned filmmaking team of Ron Clements and John Musker, produced by Osnat Shurer, and featuring music by Lin-Manuel Miranda, Mark Mancina and Opetaia Foa‘i, “Moana” sails into U.S. theaters on Nov. 23, 2016. ©2016 Disney. All Rights Reserved.

Vaiana „I’m not a princess, I’m the daughter of the chief!“

Maui: „Really? If you have a dress and you have a pet sidekick, you’re a princess.“

Worum dreht sich der Film also, wenn nicht um das klassische – wenn auch schöne, aber eingestaubte – romantische Liebesthema? Um etwas viel essenzielleres: Lebensfreude. Es lässt sich darüber streiten, ob es, genauer definiert, um Selbstfindung oder Selbstverwirklichung geht. Doch beide dieser Themen laufen als das Resultat Lebensfreude zusammen. So schafft es der Film, eines der aktuellsten Szenarien der westlichen Gesellschaft widerzuspiegeln – er trifft den Zeitgeist.

Ein aktuelles Thema

Vaiana ist also nicht unzufrieden mit dem Leben auf der Insel. Zusammen mit ihrer Familie führt sie ein simples Leben. Ihre Aufgabe als Chief-Tochter besteht darin, ihrem Vater bei seinen Pflichten zur Hand zu gehen. Sie lernt von klein auf, dass das Dorfleben klar strukturiert ist und keine Abweichungen von diesen Gepflogenheiten gewünscht sind. Da sie später einmal selbst Anführerin werden soll, erwartet der Chief die exakte Befolgung seiner Regeln, die alle der Sicherheit des Volks dienen sollen. Sehr gewissenhaft und diszipliniert verfolgt Vaiana ihre Pflichten. Doch es zieht sie immer und immer wieder zum Meer. Nicht selten starrt sie, zum Ärgernis ihres Vaters, sehnsüchtig hinaus auf den weiten Ozean.

Dies wird alles in den ersten Minuten des Films erzählt, und mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Im Kontrast stehen also Pflichten vs. Wünsche, Herz vs. Verstand. Dies wird in dem Lied „How Far I’ll Go“, das die Synchronsprecherin Auli’i Cravalho im Film singt, genau auf den Punkt gebracht. Mehr zum Lied findet ihr im Artikel Vaiana: Der neue Disney-Song ist schon da.

Bis Vaianas Verstand einen Anlass findet, sich ebenfalls für den Ozean zu entscheiden, befolgt sie die Warnungen ihres Vaters. Insofern bleibt Disney hier der Rolle als familienfreundlicher Vorbildgeber treu. Eltern müssen sich also keine Sorgen darüber machen, dass in der Geschichte rebellisches Verhalten angepriesen werden könnte.

Liebevolle Familie

Abgesehen von Vaiana (Auli’i Cravalho) gibt es natürlich noch weitere Charaktere im Film, wobei sie und der später hinzutreffende Halbgott Maui gefühlt 90% der Laufzeit in Anspruch nehmen. Der auf den Mythologien Polynesiens basierende Maui (Dwayne Johnson) kommt mit einem Elan daher, der dem Film die nötige Dynamik verleiht. Die Dialoge zwischen dem alten Halbgott und dem ehrgeizigen Inselmädchen unterhalten gelungen und sorgen für Spannung, Witz und sogar Tiefe.

Nennenswerte Charaktere sind auf jeden Fall auch Vaianas Familienmitglieder. Insbesondere Gramma Tala (Rachel House) trägt einen bedeutsamen Teil zu Vaianas Entscheidungen bei. Der wärmende, liebevolle Charakter der lebhaften alten Dame ist eine wohltuende Abwechslung im modernen Nebenrollendschungel von heute. Von ihr hätte ich gerne noch etwas mehr gesehen. Vaianas Eltern – ja, Vaiana hat tatsächlich eine funktionierende und vollständige Familie – Vater Tui (Temuera Morrison) und Mutter Sina (Nicole Scherzinger), spielen nur ganz am Anfang und am Ende des Films eine Rolle. Die Auseinandersetzung mit Chief Tui und ein aufkommendes Problem des Inselvolkes sind Ursachen für die Konfliktsituation, die letztendlich mit dem Anstoß von Gramma Tala den Hauptteil der Geschichte ins Rollen bringen.

Mehr Einblick in die Original-Sprecherrollen von Vaiana und Maui bekommt ihr in unserer Vaiana Preview.

MOANA - (Pictured) Grandma Tala and Moana

Sidekick-Ballast

Völlig unnötig hingegen ist die Existenz von Haustierschwein Pua. Das Tier kann einem fast leidtun; es ist ein völlig überflüssiger Charakter. Vermutlich hat man ihn eigentlich streichen wollen, hat aber aus Marketinggründen mit aller Gewalt einen Platz mit minimaler Screentime forciert (ein Schweinchen macht ein niedlicheres Plüschtier als ein Huhn). Um einiges charakterstärker, gibt Heihei (Alan Tudyk) deutlich den besseren Sidekick. Beide Pet-Sidekicks zu behalten war aber nicht die beste Entscheidung und auch keine, die Clements und Musker aus freien Stücken heraus getroffen haben dürften. Glücklicherweise wurde letztendlich das weit mehr interessante Huhn Heihei als Vaianas Reisebegleiter auserwählt. Wirklich notwendig ist allerdings keines von beiden Tieren, insbesondere da Mauis Tattoos als eigene Charaktere fungierend bereits für gute Auflockerung und Situationskomik sorgen.

3 Generationen Animationsfilm

Die Regisseure Ron Clements und John Musker sind bekannt für ihre Arbeit an den Klassikern Aladdin und Arielle die Meerjungfrau – beides traditionell 2D-animierte Filme aus der 80er-90er Blütezeit Disneys. Dass sie sich nun an ein neues Territorium gewagt haben, zeigt, dass sie ihr Können nicht an der angewandten Technik festmachen. Clements und Musker bringen jahrzehntelange Erfahrung aus der Welt der Animationsfilme mit – beide haben ganz klein als Cartoonzeichner (Musker) und Animationsassistent (Clements) angefangen und sich über die Jahre bei Disney hochgearbeitet. Ron Clements selbst lernte sogar von Frank Thomas, einem der „Nine Old Men“ – den legendären Disney-Veteranen. „Ich war 20 als ich mit ihm zusammenarbeitete; er war 62. […] Und jetzt bin ich 63. Und 63 ist alt.“ (nachzulesen in diesem Artikel der Entertainment Weekly).

HOLLYWOOD, CA - NOVEMBER 14: (L-R) Directors Ron Clements and John Musker, producer Osnat Shurer, actress Auli'i Cravalho, and executive producer John Lasseter attend The World Premiere of Disney’s "MOANA" at the El Capitan Theatre on Monday, November 14, 2016 in Hollywood, CA. (Photo by Jesse Grant/Getty Images for Disney) *** Local Caption *** Auli'i Cravalho; John Lasseter; John Musker; Ron Clements; Osnat Shurer
Regisseure Ron Clements und John Musker, Produzentin Osnat Shurer, Schauspielerin Auli’i Cravalho und ausführender Produzent John Lasseter bei der Weltpremiere

Durch die 3 Generationen, die durch Weitergabe ihres Wissens und ihrer wertvollen Erfahrung diesen Film ermöglicht haben, ergibt sich eine interessante Situation. Clements beschreibt diese als “the experience of working with the kids who saw your movies.”. Lin-Manuel Miranda, Hamilton-Star und Komponist für den Vaiana Soundtrack, gab in einem weiteren Interview preis, dass Muskers und Clements Die kleine Meerjungfrau Anlass für den Start seiner Karriere war. „Ron und John führten Regie bei dem Film, der wahrscheinlich am meisten Verantwortung dafür trägt, dass ich jetzt da bin wo ich bin – Die Kleine Meerjungfrau. […] Wir alle sind hier wegen ihnen, und Alan Menken und Howard Ashman, und deswegen ist diese Tradition mir so unglaublich wichtig.“ [Lin-Manuel Miranda, EW]

Vorarbeit mit einheimischen Experten

Das erste, was bereits im  Trailer auffällt, ist die Farbwahl: knallige Töne springen einem ins Auge, es herrscht eine warme, mystische Stimmung, alles wirkt einfach tropisch. Doch wenn man etwas genauer hinsieht, entdeckt man die Liebe zum Detail. Vaiana bietet aufwändig gestaltete digitale Sets im typischen Disney-Look.

„Die Welt im Film ist eine leicht karikaturenhafte Version der Pazifischen Inseln. Die Farben, in echt schon unglaublich strahlend, haben wir noch ein wenig verstärkt. Der Film sollte so überwältigend aussehen, dass man am liebsten hineinspringen möchte.“ [John Musker, Disney]

Um dieses Setting umsetzen zu können unternahm das Team um Musker und Clements Reisen in die südliche Region Ozeaniens. Laut der Produzentin Osnat Shurer (Quelle: Disney) waren die Mitglieder durch die Reisen „wie verwandelt“. Für die Geschichte, die sie erzählen wollten, brauchten die Künstler Experten, die sie beim  Entstehungsprozess beraten sollten. Nur so könnten sie die vor 2000 Jahren stattfindende Handlung mit historisch korrekten Details erzählen, so Shurer. „[…] vom Aussehen und der Handhabung von Vaianas Kanu über die Pflanzenwelt auf der Insel bis zu den Materialien, aus denen die Kleider bestehen.“

HOLLYWOOD, CA - NOVEMBER 14: Director John Musker, Story Consultant Taika Waititi, director Ron Clements, and Walt Disney Animation Studios President Andrew Millstein attend The World Premiere of Disney’s "MOANA" at the El Capitan Theatre on Monday, November 14, 2016 in Hollywood, CA. (Photo by Alberto E. Rodriguez/Getty Images for Disney) *** Local Caption *** John Musker; Ron Clements; Andrew Millstein; Taika Waititi
Regisseur John Musker, Story Consultant Taika Waititi, Regisseur Ron Clements und Walt Disney Animation Studios President Andrew Millstein bei der Weltpremiere

Wasser und Lava – technische Herausforderungen

„Alles im Film hat einen bildhauerischen Touch – die Inseln, der Himmel, die Berge, selbst die Charaktere – und den verdanken wir der Computeranimation.“ [John Musker, Disney]

Da das Meer im Film eine ganz besonders wichtige Rolle spielt, ist es nicht überraschend, dass viel Zeit in die Recherche von Wellen, Strömungen und Fließverhalten gesteckt wurde. Laut Musker mussten aufgrund der besonderen Beschaffenheit der Inseln auch Details wie die Steinarten am Strand in Betracht gezogen werden, um ein möglichst realistisches Meeresverhalten nachzuahmen. In einem Interview mit IndieWire erklärt Clements „Die Idee war, dass das Kleinkind auf den Ozean treffen würde, und sie Freunde werden, aber wir wussten nicht, wie wir es umsetzen würden.“

Auch in die Realisierung der Haare wurde viel neue Technik gesteckt. Mit der neuen Software für Haarsimulation namens ‚Quicksilver‘ machte Disney es den Artists einfacher,  die Haarbewegungen zu kontrollieren, so IndieWire. Am technisch kompliziertesten war aber wohl das Lavamonster ‚Te Ká‘. Dieser Charakter stellte die Animatoren vor Herausforderungen, die sich letztendlich nur durch einen bestimmten Trick lösen ließen. Wen die Hintergründe hierzu interessieren, findet im Artikel ‚Moana‘: How Disney Innovated Water and Hair for a Greater Hand-Drawn Aesthetic‘ mehr Informationen zu dem Thema.

 

Fazit

Auch, wenn die Geschichte ein paar Logikfehler beinhaltet – das Ende insbesondere macht genauer betrachtet wenig Sinn* – ist dieser Film dennoch ein gelungenes Gesamtwerk. Er bringt den Zuschauer gekonnt in die 2000 Jahre alte Welt der polynesischen Inseln und verzaubert mit einer charmanten Hauptrolle, einem unterhaltsamen Gesprächspartner (Maui) und liebevollen Nebenrollen. Die klassische Heldenreise ist hier genommen und gekonnt ausgelegt worden. Besonders das Abrücken von einschränkenden Traditionen wie dem klassischen romantischen Liebesthema gibt eine Frische, die den Film umso sehenswerter macht. Dialoge zwischen den charakterlich sehr unterschiedlichen Hauptrollen Vaiana und Maui geben der Geschichte Dynamik, die sonst an vielen Stellen nur langweilig vor sich hin dümpeln würde. Dieser Animationsfilm lässt nicht viele Wünsche offen und liefert, was er in seinen zahlreichen Trailern und Werbekampagnen verspricht.

Am 23. November startete Disneys neuer Animationsfilm ‚Moana‘ in den Kinos der USA. Hierzulande wird der Streifen unter dem Namen ‚Vaiana‘ am 22. Dezember anlaufen. Die regulären Kinostarttermine (keine Premieren) sind breit gefächert, sie reichen vom 23. November 2016 (Kanada, USA) bis zum 10. März 2017 (Japan).

-Klaudia Urban

*Spoilerwarnung!
Klicke auf den zweiten blauen Punkt für Details und Kritik über das Ende des Films!

*Vaiana segelt davon, um das Inselsterben zu verhindern und kehrt erfolgreich zurück. Die Inselvegetation ist durch ihren Einsatz wiederhergestellt. Das Volk, welches bis dato konsequent aus Angst das Meer gemieden hat, scheint plötzlich sehr motiviert, in See zu stechen und Abenteuerreisen zu begehen…

Obwohl die Situation des Vegetationssterbens, welches überhaupt erst einen Grund für das Verlassen der Insel gab, durch Vaianas Einsatz nicht mehr gegeben ist. Dies kann nur so erklärt werden, dass einige Geschehnisse ausgelassen und ein Zeitsprung vollführt wird. Dennoch wirkte dieser plötzliche Sinneswandel auf mich unglaubwürdig und störte meiner Meinung nach einen runden Abschluss des Films.

Countdown bis zum deutschen Filmstart

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Photo Credits & Copyright: Alberto E. Rodriguez, Jesse Grant; ©2016 Disney. All Rights Reserved.

TINI: VIOLETTAS ZUKUNFT – KREATIVE SELBSTFINDUNGSREISE

Violettas Vergangenheit

240 TV-Episoden lang aufgeteilt in drei Staffeln verzauberte Violetta alias Martina ‚Tini‘ Stoessel die Herzen ihrer Fans weltweit. Die argentinische Telenovela um das so hübsche wie begabte Gesangstalent zog Millionen von Fans weltweit vor den Fernsehschirm. Die Irrungen und Wirrungen der Liebe zu dem charmanten León (Jorge Blanco), die Unterstützung durch ihre Freunde, die Intrigen ihrer Feinde, die schwierige, aber doch enge Beziehung zu ihrem Vater – all diese Zutaten fesselten eine immer größere Fangemeinde weltweit. CDs, Bücher, Hörspiele und ein Musical umrankten die Disney Channel-Serie und ließen erahnen, dass die Geschichte einen ganz besonderen Abschluss bedurfte. Die legt Disney nun vor in einem großen Spielfilm, der nichts Geringeres versucht als Violettas Zukunft zu skizzieren, einewunderbare Zukunft namens Tini.

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León (Jorge Blanco)

Violettas Zukunft?

Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als Violetta nach einer erfolgreichen Welttournee nach Buenos Aires zurückkehrt. Dort stehen direkt neue, harte Aufgaben an, um ihre Karriere voranzutreiben. Doch Violetta sehnt sich nach Ruhe und kreativer Pause. Als dann noch ihr geliebter León eigene Wege geht und einer neuen Affäre nachzugehen scheint, zieht Violetta die Notbremse und steigt komplett aus. Sie folgt der Einladung einer alten Freundin ihres Vaters auf eine abgelegene kleine Insel in der Nähe Siziliens. Dort begibt sie sich, ohne es zu ahnen, auf die Spuren ihrer geliebten Mutter. Sogar einen neuen Freund lernt Violetta dort kennen, den geheimnisvollen und gutaussehenden Caio (Adriàn Salzedo), dessen Ausstrahlung und tänzerisches Können die junge Sängerin sofort mehr als begeistern.

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Violetta (Martina Stoessel) und Caio (Adriàn Salzedo)

„Ich wollte in Tini: Violettas Zukunft Violetta, Tini und mich selbst vereinen.“

– Martina ‚Tini‘ Stoessel

Die Neuen

Natürlich gibt es dabei auch ein Wiedersehen mit den beliebten Charakteren der Serie, aber auch eine ganze Reihe neuer Figuren und Charaktere gilt es zu entdecken. So gibt Angela Molina, die Grande Dame des spanischen Kinos hier einen großartigen Einstand in Violettas Welt als liebenswerte Mentorin Isabella, die Violetta in schwieriger Zeit mit gutem Rat zur Seite steht. Ebenfalls neu dabei ist Sofia Carson, die als intrigante Melanie für viel emotionales Durcheinander sorgt. Natürlich sind auch unter anderem Mercedes ‚Mechi‘ Lambre als Ludmilla und Diego Ramos als Violettas Vater Germàn im Film zu sehen.

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Isabella (Angela Molina)

Violettas persönliche Entwicklung

Violetta-Produzent Pablo Bossi bringt den erzählerischen Ansatz des Films auf den Punkt: „Es ist die Geschichte einer Persönlichkeitskrise, die zur Entdeckung neuer Gefühle, neuer Freunde und eines kraftvollen, neuen Musikstils führt.“ Außerdem ist es eine geniale Idee, der Figur eine Wendung in die Zukunft zu geben. Dadurch erschließt sich der liebenswerten Darstellerin Martina ‚Tini‘ Stoessel die Möglichkeit, aus der Phantasiewelt des Fernsehens und des Films in die reale Welt zurückzutreten und künftig ein gemeinsames Leben mit ihrem Alter Ego zu führen:„Als ich als Violetta anfing, war ich gerade mal 14 Jahre alt und spielte deshalb völlig ungekünstelt und frei aus dem Bauch heraus. Über die Jahre hinweg sind wir beide erwachsen geworden und ich wollte in Tini: Violettas Zukunft Violetta, Tini und mich selbst vereinen.“

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Und Produzent Bossi ergänzt: „Der Film besitzt eine wichtige Doppelbedeutung und vermittelt eine positive und doch realistische Botschaft für das ganze Leben! Wir erfahren eine Geschichte über das Hinter-sich-lassen der Jugend und den Eintritt ins Erwachsenenalter und erleben eine junge Frau, die eine persönliche Krise durchlebt, alles verliert und ganz neu anfängt. Ich denke die Moral ist: Nichts ist unmöglich, so lange man es wirklich versucht. In jeder Krise steckt auch die Chance auf Weiterentwicklung.“

Fazit

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Herausgekommen dabei ist schlussendlich eine perfekte Mischung aus Herzschmerz mit einer gehörigen Portion moderner, hübscher Songs und beeindruckenden Tanzchoreographien, die das Zielpublikum weltweit begeistern werden. Dabei kennt der Film keine halben Sachen. Da scheint die Sonne vor Freude vom knallblauen Himmel und öffnet seine Schleusen, wenn es melancholischer Stimmung bedarf. Das ist für Jüngere oder Ältere vielleicht manchmal etwas dick aufgetragen, aber zugegeben immer glänzend inszeniert. Und die Botschaft des Films ans jugendliche Publikum ist eine Aufforderung zur Entdeckung der eigenen Kreativität: ‚Siempre Brillarás – Borne to Shine‘ der zentrale Song des Films erzählt davon. Martina Stoessel bestätigt: „Der Film vermittelt die Moral, dass jeder geboren wurde, um zu glänzen. Egal welche negativen Erfahrungen man macht: Es gilt einen Weg zu finden, im Leben glücklich zu sein.“

Tini: Violettas Zukunft – seht das romantische Abenteuer jetzt im Kino!

-Johannes Wolters (INDAC)


Photo Credits & Copyright:  © 2016 Disney

KUBO – DER TAPFERE SAMURAI: UNSERE PREVIEW

Wer ist Kubo?

Im Japan vor unserer Zeit lebt der 12-jährige Kubo gemeinsam mit seiner Mutter am Meer. Seitdem sein Vater – ein berühmter Samurai – verstorben ist, verdient der Junge den Familienunterhalt mit seiner Begabung als Geschichtenerzähler. Mit seinem Instrument, einer magischen Schamisen,  erweckt er die heldenhaften Abenteuer seines Vaters in Form von Origami zum Leben.

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Doch eines Tages wird Kubo aus seinem friedlichen Alltag gerissen: Ungewollt beschwört er einen Geist aus der Vergangenheit! Leider ist der Geist so gar nicht friedlich gesinnt: Er will eine alte Blutrache üben! Kubo bleibt nichts anderes übrig als sein Zuhause zu verlassen und der Vergangenheit seines Vaters auf den Grund zu gehen. Es beginnt eine mystische Reise ins Ungewisse, auf der er noch die verschiedensten magischen Gestalten treffen soll…

Die Kritiken

Kubo ist ein Familienfilm – aber nicht, weil es ein Film ist, in den Eltern ihre Sprösslinge am Wochenende begleiten dürfen. Auch nicht, weil es ein Animationsfilm ist (der das Klischee bedient, dass diese grundsätzlich für Kinder gemacht wurden). Er ist ein Familienfilm, weil er das gesamte Altersspektrum an Zuschauern unterhält. Dieser Animationsfilm ist geeignet für Kinder (ab 6 Jahren), Jugendliche und Erwachsene jeden Alters. Kritiker weltweit empfanden diesen Film als absolut sehenswert. Von namhaften Magazinen wie der New York Times, über die Washington Post, dem Wall Street Journal und dem Kritikerportal des berühmten verstorbenen Filmkritikers Roger Ebert – sie alle finden Kubo – Der tapfere Samurai sei ein phantastisches Kinoerlebnis und absolut sehenswert.

Besonders hoch gelobt wurden die Charaktere: Ihre Persönlichkeiten und die Tiefe ihrer Motivationen seien sehr gut ausgearbeitet. Auch soll die Entwicklung, die sie im Laufe des Films durchgehen, besonders tiefgründig sein. Außerdem sei der Film ein visueller Augenschmaus; mit kunstvollem Design, liebevoll gestalteten Sets und aufwändigen Monstern ließ er die meisten Kritiker nicht unbeeindruckt.

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Ein Bild aus dem Film

„Der Regisseur, Travis Knight, hat einen Film kreiert, der in vieler Hinsicht für die Unterhaltung von Jung und Alt ins Schwarze trifft. Während er ausgelutschte Gepflogenheiten meidet, bringt er letzten Endes etwas hervor, das sich anfühlt wie eine herzliche, familienfreundliche Botschaft.“ –

„[Kubo] ist ein staunenerregendes Vergnügen, das geschickt farbenfrohe Folklore mit prachtvollen, Origami-geprägten Bildern zu einem umfassenden Eindruck verschmilzt“ – Michael Rechtshaffen, Hollywood Reporter

„[…] ein Film, der für Erwachsene so ergreifend ist, wie für Kinder unterhaltsam […]“ – Christy Lemire, Rogerebert.com

„Es ist eine wunderschön animierte Erzählung, die Handlung mit Comedy und Momenten von (leichtem) Horror im Gleichgewicht zu halten weiß.“  – Jonathan Pile, Empire Online

 

Japanische Folklore

Inspiriert von der traditionellen Japanischen Kultur liefert Kubo ein interessantes Setting für dieses Märchen. Hier wurde bis ins letzte Detail genauestens geplant. Beispielsweise wurden die berühmten Muster des japanischen Holzschnitt-Künstlers Kiyoshi Saito in das gesamte Design des Films mit einbezogen. Set, Kostüme, Charaktere – sogar so kleine Details wie bspw. die Regentropfen sollen die charakteristischen Muster enthalten. Wer gerne mehr über diese Details erfahren möchte, und des Englischen mächtig ist, dem empfehlen wir diesen Artikel von The Verge.

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Setdesign

Travis Knight, der Regisseur des Films, wollte mit Kubo „etwas großes, weitreichendes und episches schaffen, das gleichzeitig auch die tiefe Wahrheit über Leben und Kindheit anspricht“ Seine Begeisterung für Fantastisches und Mystisches stammt noch aus seiner Kindheit, in der ihn unter anderem Werke von Tolkien, L. Frank Baum und die Mangareihe ‚Lone Wolf & Cub‘ (Kazuo Koike) begleitet haben. Daher gefiel ihm die Idee eines japanisch-inspirierten Volksmärchens. Die Geschichte und das Figurendesign kommen vom Emmy-prämierten Mutitalent Shannon Tindle, der schon seit dem Film Coraline teil des Laika-Teams ist. [Quelle: Presseheft; Universal Pictures Germany]

Stop-Motion-Was?

Die Trickfilmtechnik die hier verwendet wurde, wird allgemein als Stop-Motion-Animation bezeichnet. Hierbei werden bewegliche Requisiten gebaut und Bild für Bild je ein ganz kleines bisschen bewegt, um bei anschließendem Abspielen die Illusion einer Bewegung zu erzeugen. Laika Entertainment zählt sich selbst zu den Innovatoren dieser Technik. Von Filmemacherlegende George Méliès wurde Ende des 19. Jahrhunderts erstmals die Anwendung dieses Tricks nachgewiesen. Pioniere wie Willis O’Brien (Die vergessene Welt, 1925) und Ray Harryhausen (Sindbads siebente Reise, 1958) wandten die Technik für ihre Filme an und formten sie für die Zukunft. Doch seitdem hat sich viel getan und die vorher typischen stockenden Bewegungen der animierten Objekte sind jetzt weicheren, natürlicheren Bewegungen gewichen. Mehr zu der Technik könnt ihr bald im Review zu Kubo – Der tapfere Samurai auf Sternenwerft.de lesen.

Empfehlung

Aufgrund der herausragenden Kritiken empfehlen wir Kubo – Der tapfere Samurai allen, die sich gerne Fantasyfilme anschauen. Lasst euch nicht von dem angeblichen ‚Genre‘ der Animation irreführen; es ist keine Genrerichtung, es ist nur die Art wie ein Film gemacht wird. Außerdem ist Kubo kein Film für Kleinkinder – daher nehmt bitte Kinder unter 6 Jahren nicht mit zu eurem Kinobesuch. Sie könnten sich vor den unheimlichen Monstern auf der Leinwand sehr erschrecken. Dieser Film ist eher etwas für ältere Kids, Jugendliche und natürlich Erwachsene.

Am Ende steht ein beeindruckend wirkendes Folkloremärchen mit tiefgängiger Story und guter Charakterentwicklung. Hält der Film was er verspricht? Macht euch im Kino selbst ein Bild oder lest bald unsere Kritik in der Sternenwerft.

-Klaudia Urban

 


Photo Credits & Copyright: © 2016 LAIKA, Inc / Focus Features; © 2016 Universal Pictures Germany

PHANTASTISCHE TIERWESEN – MAGIE MADE IN THE USA

Newt und Jacob

Das Spin-Off spielt zu einer ganz anderen Zeit als auch an in einem anderen Ort im Vergleich zu den berühmten Harry Potter-Filmen. Wir schreiben das Jahr 1926 und befinden uns in Amerika. Der Magizoologe Newt Scamander schlägt in New York auf mit nichts als einem alten Koffer – doch was äußerlich noch so normal aussieht, beherbergt allerhand kurioser Dinge. Der Koffer enthält sämtliche Biester und magische Tiere, die Newt auf seinen Reisen über den Globus einsammeln und fangen konnte. Doch es kommt, wie es kommen musste: ein No-Maj (der amerikanische Begriff für die Nicht-Zauberer, die wir als „Muggel“ kennen) namens Jacob Kowalski öffnet den Koffer und entlässt versehentlich ein wildes Sammelsurium an exotischen sowie gefährlichen Tieren, die sich in New York verstreuen. Schon bald muss Newt mit der amerikanischen Zauberergesellschaft Bekanntschaft machen, die sich vor den Nicht-Magiern versteckt, da die New Yorker eine viel größeren Vorbehalt gegenüber Magie empfinden, als wir sie zuletzt aus Großbritannien kennen.

Das Böse kommt aus Europa

Es liegt ab sofort an Newt, die Geheimhaltung der Tierwesen und der Magier vor den No-Majs zu bewahren. Um diese schier unglaubliche Aufgabe zu meistern, eilen ihm die zwei Zauberschwestern Propentina (liebevoll Tina genannt) und Queenie Goldstein sowie auch der für das Chaos verantwortliche Jacob Kowalski an seine Seite. Newt wird dem Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika – kurz MACUSA – vorgeführt und dessen Präsidentin Seraphina Picquery fordert Newt auf, ihnen seinen Koffer auszuhändigen.

Wie der Filmtitel schon beweist: wir werden allerhand phantastischer Tiere und Biester im neuen Film in Aktion erleben.
Wie der Filmtitel schon beweist: wir werden allerhand phantastischer Tiere und Biester in Aktion sehen – hier sehen wir einen sogenannten Niffler.

Auch werden er und seine entflohenen Biester für sämtliche Vorfälle in New York verantwortlich gemacht. Doch schnell wird klar, dass hier mehr dahinter steckt. Newt und seine Freunde stellen fest, dass nicht nur die Tierwesen für Unruhe in New York sorgen. Sie entdecken eine Verbindung zu den Taten des schwarzen Magiers Gellert Grindelwald, der parallel in Europa für Angriffe und Tode sorgt. Er spielte auch schon eine zentrale Figur in der Historie der Harry Potter-Bände, da dieser vor Lord Voldemort der erste schwarze Magier war, gegen den Albus Dumbledore kämpfen musste…

Neues Land, neue Zauberer

Warner Bros. gab bekannt, dass man insgesamt fünf Teile des Spin-Offs zusammen mit Autorin J.K. Rowling plane. Der Stoff soll sich ausschließlich um neue Figuren abseits von Großbritannien und der Zaubererschule Hogwarts drehen und uns einen Einblick in die amerikanische Seite der Zauberergesellschaft bieten. Für die Hauptrolle des Newt verpflichtete man Eddie Redmayne (Les Misérables, 2012) der zusammen mit Dan Fogler (Fanboys, 2009) als Jacob Kowalski wieder alles ins Lot bringen muss. Katherine Waterston (Steve Jobs, 2016) und die amerikanische Sängerin „A Fine Frenzy“ – besser bekannt als Alison Sudol (Dig, 2015) stehen den beiden dabei fleißig zur Hilfe. Als Drehort dienten ausschließlich die Warner Bros. Studios in Leavesdon, England. Autorin J.K. Rowling schrieb für den Film ihr allererstes Drehbuch und ließ sich dabei hauptsächlich von ihrem gleichnamigen Buch inspirieren. Wir freuen uns schon auf eine neue, zauberhafte Welt auf amerikanischem Boden: die Zeit um 1930 gibt ein spannendes Setting ab und es ist schön, neue Figuren im Harry Potter-Universum zu erleben. Was meint Ihr?

– Ken Burgess

 


Photo Credits & Copyright: © Jaap Buitendijk, Warner Bros. Pictures; © 2016 WARNER BROS ENTERTAINMENT INC.

DOCTOR STRANGE: DIE WELT HINTER DEM SCHLÜSSELLOCH

Don’t text and drive

Dr. Stephen Stranges (Benedict Cumberbatch) Leben ist perfekt: Er ist der verdammt nochmal beste Neurochirurg New Yorks und lebt ein Leben in Bewunderung und Luxus. Sein hoher Intellekt macht ihn ebenso interessant wie arrogant, seine Hände sind sein größtes Kapital. Mit an Perfektion grenzender Präzision führt er selbst schwierigste Eingriffe fast nebenbei durch, seine Vita zeigt nur Erfolge auf. Das liegt nicht nur an seinem Können, viel mehr weist er Fälle ab, die seiner Karriere schaden könnten. Außerdem gräbt er anderen Ärzten den Ruhm ab. Nicht grade ein Kandidat für die Facebook – Freundesliste von Mutter Teresa. Zwar ist er Arzt, hilft aber in erster Linie sich selbst.  Trotz allem steht ihm seine Freundin Christine Palmer (Rachel McAdams), eine hochqualifizierte Trauma-Chirurgin, treu zur Seite. Sie schätzt seinen Charme und seinen Humor, was sie über seinen Mangel an Menschlichkeit hinwegsehen lässt.

Marvel's DOCTOR STRANGE..L to R: Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)..Photo Credit: Jay Maidment..©2016 Marvel. All Rights Reserved. L to R: Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Jay Maidment ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Jay Maidment

Dann fliegt sein Leben aus der Kurve – wortwörtlich: Während er beim Fahren seine Termine mit dem Handy abstimmt, gerät er in den Gegenverkehr und erleidet einen schweren Unfall.
Wieder aufgewacht, stellt er fest, dass seine Hände den Unfall nicht überstanden haben. Die Knochen, mehrfach gebrochen, wurden wieder zusammengeschraubt, sein Feingefühl in den Fingern hat er vollständig verloren.
Plötzlich findet er sich am anderen Ende des Chirurgenbestecks wieder. Verzweifelt unterzieht er sich mehreren Operationen, er wendet sich an Starärzte, die ihn abweisen, sie wollen sich schließlich ihre Vita nicht ruinieren. Sein ganzes Hab und Gut verkaufend, verfällt er schließlich in Selbstmitleid und stößt seiner Freundin Christine vor den Kopf, die ihn schließlich verlässt.

 Marvel's DOCTOR STRANGE..Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)..Photo Credit: Film Frame ..©2016 Marvel. All Rights Reserved. Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Das System in dem er skruppellos gearbeitet hatte wird ihm zum Verhängnis

Allein und mit letzter Hoffnung führt ihn sein Weg nach Nepal, um einen Ort namens Kamar-Taj aufzusuchen. Dort trifft er auf die mysteriöse Älteste und merkt schnell, dass es sich nicht um ein Heilungszentrum handelt, sondern von hier aus unsichtbare dunkle Mächte bekämpft werden. Für Strange, der nur an Dinge glaubt, die er sehen und anfassen kann, bricht eine Weltanschauung ein. Er beginnt seine Reise in eine versteckte Welt hinter unserer Realität. Erstaunlich schnell eignet er sich die dort gelehrten magischen Fähigkeiten an und muss sich nun entscheiden – kehrt er zurück in sein Leben als angesehener, reicher Arzt, oder versucht er, als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt vor ihrer Zerstörung zu retten?

Marvel's DOCTOR STRANGE Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Jay Maidment ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Nepal – seine letzte Hoffnung /Photo Credit: Jay Maidment

MCM – Das Marvel Cinematic Multiverse

Dr. Strange ist der zweite von insgesamt 9 Filmen der Phase 3 von Marvel’s Cinematic Universe, doch obwohl es sich unbestreitbar um einen Marvelfilm handelt, macht Doctor Strange ein völlig neues Fass auf.
Iron Man lebt in seiner technisierten Welt, die Guardians of the Galaxy und Thor zeigten uns den kosmischen Aspekt der Marvel Comics, mit Doctor Strange tauchen wir erstmals tief in den Mystizismus des MCU (Marvel Cinematic Universe) ein.

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Concept Art für den Film

Den Sprung ins Übernatürliche vollführt das Publikum mit dem wohl skeptischsten Charakter seit Tony Stark. Stephen Strange ist in der Welt der Logik und des Wissens zuhause, für Magie, das Multiversum und Hokuspokus ist in seiner Weltsicht kein Platz. Auf seiner Reise, vorbei an den für Nepal typischen Gebetsmühlen, muss er sich der Möglichkeit öffnen, dass er die Welt nur durch ein Schlüsselloch betrachtet hat. Ständig bemüht, sein Wissen zu erweitern, müssen Stephen Strange und das Publikum akzeptieren, dass es wohl deutlich mehr Realität gibt als wir verstehen.

Hierbei mischen sich verschiedenste visuelle Aspekte, einige kommen uns bereits aus dem Mikrokosmos in Ant-Man bekannt vor, wieder andere wirken wie ein Blick in ein Kaleidoskop unter Drogen. Ausflüge in die Spiegelwelt und Portale zu weit entfernten Orten runden das Erlebnis ab.
Glaubwürdig wird dieser Trip vor allem durch die Verwendung von zuvor im Film gezeigte versteckte Elemente wie sich drehende Objekte und Spiegelungen.

Besonders als Kaecilius auftaucht. Der Bösewicht des Films (gespielt von Mads Mikkelsen), einst ebenfalls ein Adept der Ältesten, versucht sich die dunklen Mächte zu Eigen zu machen. „Kaecilius ist ein Mann, der, wenn die Mehrheit hier nach der Wahrheit sucht, er sie dort drüben finden will“, beschreibt Mads Mikkelsen seinen Charakter. „Wenn man so will, steht er am falschen Flussufer und ist dort gefangen. Er glaubt, wenn er jetzt den [dunklen] Weg einschlägt, würde die Welt viel schöner sein, würden all seine Fragen am Ende beantwortet werden.“

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: Mordo (Chiwetel Ejiofor) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Kaecilius (Mads Mikkelsen)

Durch die dunklen Mächte gelingt es Kaecilius, Raum und Wirklichkeit zu verzerren. Unglücklicherweise nicht nur in der Spiegelwelt – die manipuliert werden kann, ohne etwas zu zerstören – sondern auch in unserer Realität. Die durch seine Magie rotierenden Räume und Häuser erinnern stark an die sich drehenden Gebetsmühlen und fügen sich so schön in den Film ein.

Die Magie von Doctor Strange

Unter der geschickten Regie von Scott Derrickson, der eher für seine Horrorthriller (Sinister – Wenn du ihn siehst, bist du schon verloren) bekannt ist, nimmt die Surrealität Gestalt an und selbst das Unglaubwürdige bleibt zumindest plausibel.

Unterstützung gegen seinen zunächst übermächtigen Gegner erhält Stephen Strange von unerwarteter Seite. Der charakteristische Schwebemantel aus den Comics hat ein Eigenleben und einen ziemlichen Dickschädel; nicht nur einmal tut der Doktor gut daran, auf sein Kleidungsstück zu hören, statt seinen eigenen Willen durchzusetzen.

Marvel's DOCTOR STRANGE Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) on set. Photo Credit: Jay Maidment ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) am Set. Photo Credit: Jay Maidment

Der Soundtrack ist passend, sehr eingängig, hat aber leider kaum Ohrwurmpotential, etwas woran die ganze Marvel-Reihe krankt. Das liegt wohl wahrscheinlich daran, dass die Soundtracks bei den Sequels kaum übernommen werden (Ausnahme bildet hier nur das Avengers-Musikthema). Mal sehen, in welchen Filmen uns Doktor Strange noch begegnet und ob die Melodie ausgebaut wird.

Die Sets spiegeln die Motive des Films wieder, Farben, Licht und Spiegelungen definieren den Look des Films und geben das Thema des Films wieder. Produktionsdesigner Charles Wood orientierte sich eng an den Zeichnungen des Schöpfers von Doctor Strange, Steve Ditko. Für den Film wurden 800 Zeichnungen, 3000 Konzeptzeichnungen und 40 Modelle von zu errichtenden Sets angefertigt.

Concept Art für den Film
Concept Art „Sanctum“

Fans vom 3D-Kino werden vermutlich enttäuscht sein. Der Film weiß zwar mit großartigen Effekten aufzuwarten und bietet einem vieles von dem, was Kritiker in Christopher Nolans Inception vermisst hatten. Jedoch schränkt genau dieser Umstand den Nutzen von 3D ein.
Oft passiert so viel im Bild, dass der Zuschauer mit zu eindeutiger Stereoskopie überfordert wäre, weshalb sich die meisten Effekte sehr nah an der Konvergenz (gewissermaßen der Nullebene im dreidimensionalen Raum) orientieren. So vergisst man schnell, dass man einen Film in 3D sieht, wären da nicht diese blöden 3D-Brillen.

Mister…? Doktor!

Flaggschiff von Doctor Strange ist natürlich Benedict Cumberbatch, doch seine Verpflichtung für das MCU kam nicht von alleine. Zwar war er von Anfang an der Wunschkandidat für die Rolle, aber er musste den Part zunächst ausschlagen. Grund hierfür war eine Verpflichtung am Londoner West End Theatre für Hamlet. Regisseur Scott Derrickson bat das Studio darum den Dreh zu verschieben – mit Erfolg. Sie sollten es nicht bereuen, Cumberbatch haucht der Comicfigur seinen ganz eigenen Stil ein:  Wie schon in der Serie Sherlock kommt Benedict Cumberbatch seine persönliche Kombination aus Intelligenz und Gefühl zugute.  Anders als in der BBC-Serie musste er hier jedoch tiefer in den Emotionen der Figur graben, da Stephen Strange seine komplette Realität infrage stellen und sich dadurch selbst neu erfinden muss. Auch Cumberbatchs Humor ist hier hervorzuheben, der selbst arrogante Narzissten sympathisch macht. Hier ist Strange schwieriger sympathisch zu machen als beispielsweise Tony Stark, der zwar auch Narzisst, aber wesentlich sozialer ist.
Als menschlicher Gegenpol dient Rachel McAdams (Spotlight) als Dr. Christine Palmer. Ihr starker Charakter bildet mit ihrer Einfühlsamkeit das moralische Rückgrat ihres langjährigen Freundes.

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: The Ancient One (Tilda Swinton) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
L to R: Die Älteste (Tilda Swinton) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)

Tilda Swinton (Hail, Ceasar!) spielt die Älteste, ein Charakter der in den Comics ein alter Tibetaner ist.  Zwar handelt es sich hier wieder um das klassische „Hollywood Whitewashing“, schön ist aber, dass wenigstens eine Frau diese tragende Rolle spielen darf. Swinton spielt die Älteste mit einer Eleganz und Zeitlosigkeit, die sie zur perfekten Wahl für diese Rolle machen. Ihre Ruhe und ihre Unergründlichkeit ziehen die Zuschauer in ihren Bann. Man spürt förmlich, dass sie eine Vorgeschichte hat, selbst ohne sie vollständig zu erfahren.

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: Mordo (Chiwetel Ejiofor) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
L to R: Mordo (Chiwetel Ejiofor) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch)

Selbiges gilt auch für Mordo, gespielt von Chiwetel Ejiofor (12 Years A Slave). Er war einst, wie auch Stephen Strange, ein Schüler der Ältesten und scheint in der Vergangenheit Dinge getan zu haben, die er nun bereut. Seither folgt er streng den Gesetzen der Ältesten, sie geben ihm Sicherheit und das Gefühl für das Richtige einzustehen. Es mangelt ihm an Flexibilität, jedoch nicht an einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der im nächsten Doctor Strange garantiert eine tragende Rolle spielen wird.

In den deutschen Kinos tritt Stephen Strange seine geheimnisvolle und bewusstseinsverändernde Reise in eine neue Ebene der Marvel Filme am 27. Oktober 2016 an.

Fazit

Doctor Strange bietet einen völlig neuen Comicaspekt, der bislang nur mit Scarlet Witch (Avengers 2 – Age of Ultron) gestreift, aber nie ergründet wurde. Die Effekte sind toll, der Sound großartig, die Bilder ziehen uns in die surreale Welt, die Stephen Strange mit uns ergründet. Mit dem Hauptcharakter kann man sich identifizieren, selbst wenn man kein selbstverliebtes Arschloch ist, was teilweise an der großartigen Darstellung von Benedict Cumberbatch liegt und an dem schönen Drehbuch, das den Zuschauer mit auf eine Reise nimmt. Der Film bietet reichlich Action und Humor, die Welten und der dramaturgische Kontext hatten bei kaum einem Marvelfilm bisher eine größere Bedeutung. Blut gibt es nur im Krankenhaus, wenn Köpfe rollen, dann ohne Sauerei. Kann man gut finden, muss man aber nicht.

Marvel's DOCTOR STRANGE..L to R: Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) and Director Scott Derrickson on set.
L n. R: Benedict Cumberbatch (Doctor Strange) und Regisseur Scott Derrickson am Set.

Der Extra-Eintritt für 3D wird wieder viele verärgern, meiner Ansicht nach kann man ihn sich hier vollkommen schenken. Die tollen Bilder erzeugen für sich schon so einen Sog, dass man Stereoskopie nicht benötigt. Der Soundtrack ist passend aber ausbaufähig, wir werden von Doctor Strange auf jeden Fall noch mehr sehen (After-Credits Szene). Hier wünsche ich mir, dass sein Leitthema aufgegriffen und auch weiterentwickelt wird.
Apropos Abspann: Falls es noch irgendeinen Unwissenden gibt, der in Marvelfilmen bei den Credits sofort aufsteht und geht, es gibt nicht nur eine Szene im Abspann, sondern noch eine danach. Es lohnt sich also, sitzenzubleiben.

Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

-Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: Jay Maidment, Ryan Meinerding, Film Frame; ©2016 Marvel. All Rights Reserved.

ASSASSIN’S CREED: NEUER TRAILER ONLINE

Noch gut 2 Monate bis sich Michael Fassbender als Callum Lynch bzw. Aguilar von den spanischen Dächern stürzt und heute wurden die Fans endlich mit dem zweiten Trailer beglückt! Viele neue Bilder, Settings, Infos sind zu bewundern. Und es sieht gut aus im Trailer – so gut, dass manch ein Gamer jetzt vielleicht sagen würde: Ist dies womöglich die neue Ära der guten Spieleverfilmungen, auf die wir alle so lange gewartet haben? Wir haben uns auf jeden Fall schon mal hypen lassen vom springwütigen Fassbender und freuen uns auf Ende Dezember, wenn der Film in die deutschen Kinos kommt!

-KU


Photo Credits & Copyright: © 2016 Twentieth Century Fox

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