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XXX: DIE RÜCKKEHR DES XANDER CAGE – SO GEHT ACTIONFILM

Am 19. Januar lief 'xXx: Die Rückkehr des Xander Cage' in den deutschen Kinos an. Man weiß, was man von der Serie zu erwarten hat – und wird nicht enttäuscht.

Ein Angehöriger der Spezialeinheiten versteht grundsätzlich keinen Spaß, und so spricht das steinige Gesicht des Football-Stars Tony Gonzalez in seiner Rolle als Special-Forces Offizier Paul Donovan sehr passende Bände, als er zum ersten Mal Xander Cage (Vin Diesel) gegenübersteht. Und netterweise findet er auch gleich die passenden Worte an meiner statt: „The Red Bull freak show!“

Als alternativer Untertitel für ‚Die Rückkehr des Xander Cage‘ durchaus brauchbar, denn Vin Diesel ist zum dritten Mal in seiner Paraderolle vor allem eins: unglaublich albern. Lässt man sich darauf ein, macht es wirklich Spaß ihm dabei zuzusehen, und wer sich in anderer Erwartung in den dritten xXx-Teil begibt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Für diejenigen, an denen die ersten Teile tatsächlich vollständig vorbeigingen: In xXx – Tirple X (2002) und xXx 2 – The Next Level werden Extremsportler und anderweitig extreme Charaktere von der Regierung in dem titelgebenden Team vereint, um Terroristen in Osteuropa oder verräterische US-Generäle auszuschalten. Das klingt so verrückt, wie es ist, und die Serie bleibt sich thematisch absolut treu.

Albern gehört durchgezogen

Und das gelingt – nicht zuletzt deswegen, weil sowohl Vin Diesel als auch Samuel L. Jackson (erneut in der Rolle des xXx-Programmchefs Augustus Gibbons) die Funktion ihrer Rollen mittlerweile als Archetyp verkörpern: Jacksons Coolness bleibt von zunehmendem Alter und von noch so unsinnigen Handlungen ungebrochen, durch Vin Diesel hingegen wirkt das Wunder seines liebenswert-kreuzdummen Grinsens. die Identifikationsfigur einer 107-minütigen männlichen Teenagerfantasie (mit ALLEM was dazugehört) müsste nach den ersten Viertelstunde den unversöhnlichen Hass des Zuschauers auf sich ziehen – und wird allein durch seinen Gesichtsausdruck genießbar. Selbiger ist kaum zu erklären, analog mag es eine Art fortlaufende Überraschung sein sich in der Mitte der vollständig irrsinnigen, amüsanten Handlung zu finden – und nachdem es einem als Zuschauer kaum anders geht, hat man eine Gemeinsamkeit.

Eben damit liefert er als eine Art James Bond ab, wenn ein James Bond-Drehbuch von einem Fünfzehnjährigen (auf Amphetaminen) verfasst worden wäre. Die Stunts sind extremer, die Kampfsporteinlagen heftiger – auch dank der Besetzung von Xiang (Donnie Yen) und Talon (Tony Jaa) – und die Sexbomben werfen sich ihm tatsächlich in Gruppen an den Hals, sonst müssten sie wohl Nummern ziehen. Es wäre entsetzlich, WENN es nicht so viel Spaß machen würde – und schenkt man seinem Grinsen glauben, kann es Vin Diesel selber kaum fassen, was um ihn herum geschieht.

Tony Jaa als Talon in xXx: RETURN OF XANDER CAGE
Tony Jaa als Talon

Die Handlung steigt nicht gerade niedrig ein: Gleich zu Beginn rauscht ein glühender Satellit in eine Großstadt und löscht dort sowohl einiges an Bevölkerung als auch eine Kernfigur des xXx-Teams aus, man vermutet einen terroristischen Anschlag; so wird gleich darauf in der CIA Zentrale in… New York? So so, na egal. Jedenfalls vermutet man dort einen terroristischen Anschlag und identifiziert den McGuffin – eine Art Hacker-Wunderkästlein namens ‚Pandora’s Box‘, welches einen jeden beliebigen Satelliten gezielt abstürzen lässt.

Also höchste Zeit für den xXx-Einsatz, doch Xander Cage hat anderes zu tun: Als messianische Heilsfigur des Volkes stürzt er sich von Funktürmen, um unter Einsatz aller Mittel (Skier, Skateboards, Greisen in Trucks) noch vor Anpfiff die Fußballübertragung unter die Armen zu bringen, und die Belohnung in Form des ersten Supermodels lässt nicht lange auf sich warten. Von denen folgen noch einige – denn die Jagd auf den vermeintlichen Schurken bringt Xander Cage einerseits zurück ins xXx-Programm, andererseits rund um die Welt. Dabei rekrutiert sich sein Team aus einem solchen unapologetischen Haufen Klischees, dass man bald nicht umhin kann, sie zu mögen.

Albern muss auch hübsch aussehen

Stetig wachsende Erwartung an CGI und ein auf breiter Front als Standard wahrgenommenes, hohes Produktionsniveau sorgen auch in diesem Streifen für bildhübsche Explosionen, unter beeindruckendem Donnern abstürzende Himmelskörper und für Hightech-Spionageflugzeuge, in denen man sich während eines endlosen Absturzes im Freiflug prügeln darf. Rein optisch wirklich nicht zu verachten, Kamera und Szenebild sorgen währenddessen für Klarheit. Kaum etwas macht Action für den Zuschauer unverdaulicher als Unübersichtlichkeit; und es ist von essentieller Bedeutung zu wissen, wer gerade wem die Faust durch den Magen ins Rückgrat rammt (es mag nicht so klingen, aber das ist vollauf ernst gemeint).

Soweit alles schön und gut, doch seine kleinen Besonderheiten erlangt der Film natürlich vor allem in der Stuntarbeit: Wer hätte vermutet, dass die effektivste Option unerwünschte russische Spezialkommandos zu bekämpfen nicht etwa Schusswaffen, sondern Dirtbikes sind? Darauf käme man nur, wenn man die vorherige hitzige Debatte unter Freunden mithilfe schnell jonglierter scharfer Granaten führte, und auch dieser Satz beinhaltet zu meiner eigenen rückwirkenden Überraschung keine Übertreibung. Ein Team, das seinen Zusammenhalt findet, wenn es sich gegenseitig mit fliegenden Vans von der Straße rammt, ist nun einmal ein starkes Team!

Kris Wu; Rory McCann; Ruby Rose; Vin Diesel; Kris Wu, Rory McCann, Ruby Rose, Vin Diesel;
Kris Wu; Rory McCann; Ruby Rose; Vin Diesel; Kris Wu, Rory McCann, Ruby Rose, Vin Diesel

Ebenfalls gut in der Timeline: Zum Zeitpunkt der Feuergefechte hat sich der Film bereits endgültig als fantastisch etabliert; das sinnlose Handeln der Schurken stört nicht mehr, ihre absurd hohen und sinnfreien Verluste dienen nur noch amüsanten Patronenkunststücken des xXx-Teams. Und ja, diese Kunststücke sehen, wenn auch nicht bahnbrechend, so doch immerhin elegant aus.

Geht es hingegen Mann gegen Mann (oder Frau), dann ergeht man sich in ausufernden Kampfkunstorgien – man liefert sich sehenswerte Duelle mit Teammitgliedern, Special-Ops-Bösewichtern oder unerklärt feindseligen Motoradfahrern, denen man an der Ampel begegnet.

Es gilt weiterhin: Je länger die Laufzeit, desto mehr nimmt der Sinn ab und das Amüsement zu.

Aber muss DAS sein?

Soweit freut das alles durchaus, und man verlässt den Kinosaal mit einem ungewollt befriedigten Grinsen. Allein, so manches stößt etwas sauer auf.

Das sexuelle Innuendo schäumt natürlich, aber das mittlerweile obligatorische Nerd-Girl Becky Clearidge (Nina Dobrev) wird vor dem Zuschauer vor lauter hemmunsgsloser Gier nach Vin Diesel in die Demütigung gezwungen – gefühlt will die Szene nicht enden, doch immerhin endet sie, bevor ihr vor ungezügeltem Begehren der Schaum vor den Mund tritt.

Nina Dobrev als Rebecca Clearidge in xXx: RETURN OF XANDER CAGE
Nina Dobrev als Rebecca Clearidge

Desgleichen ein paar Längen in der zweiten Hälfte: Der Ausdruck Oneliner beinhaltet, dass sie nicht zum Führen länglicher Dialoge verwendet werden sollten. Das Duell an lässig hingebrummelten Sprüchen wiederholt sich mehrfach und das Zuschauerempfinden rutscht schneller, als ich es für möglich gehalten hätte, von nickender Bewunderung zum Fremdschämen ab.

Um mit einer persönlichen Note zu schließen: ‚xXx – Die Rückkehr des Xander Cage‘ begab sich mit einem ungerechten Vorteil in die Bewertung. Es ist nämlich – im eigentlichen Sinne – kein Superheldenfilm, doch allein der Umstand, nicht wieder dem Marvel- oder DC-Universum ausgesetzt zu sein, ließ mich vor Freude Saltos über die Reihen 1-10 schlagen. Damit wäre meine Erwartung fast vollauf befriedigt gewesen. Denn immer aufs Neue schmerzt der Moment, in dem eine entsetzlich plumpe moralische Botschaft an die Action-Orgie einer Comicfigur aus den 30ern genagelt wird.

Solide abgelieferte und mit einem guten Rhythmus versehene Action benötigt keine Rechtfertigung, sondern steht als Unterhaltung mit Fug und Recht auf eigenen Füßen – um das anfängliche Zitat zu verwenden: ‚The Red Bull freak show!‘ benötigt einfach keine Moral von der Geschicht‘. Grausam durchbrochen wurde die angenehme Sinnlosigkeit von Serena Unger (Deepika Padukone), die in aufgezwungener, introspektiver Szene sanft erblühende Attraktion zu Vin Diesel darstellen muss, gleich kombiniert mit der Sinnsuche in diesem so leeren, action- und sexgeladenen Leben: „(…)to turn around and make the world a better place“. Och nein, aber nun wirklich nicht, Kinder!

Und es war doch ein richtig netter Abend

Sehr viel mehr jenseits von ‚Der Zuschauer lasse sich darauf ein, dann amüsiert er sich prächtig‘, gibt es in aller Ehrlichkeit nicht zu sagen. Wenngleich xXx natürlich ebenfalls ein Franchise für sich geworden ist, empfehle ich dieses Actionkino, das sich auch ehrlich als solches verkauft – ohne auf zunehmend unübersichtliche Universen aufzubauen. Sollte einem der Film entgehen, entgeht einem zwar keine cineastische Sternstunde, aber eine amüsante, opulente, solide gemachte Achterbahnfahrt mit Seltenheitswert. Und ganz ohne Superhelden!

-Ben Hauffe


Photo Credits & Copyright: Paramount Pictures Germany, © 2016 Paramount Pictures and Revolution Studios; Photo credit: Michael Gibson, George Kraychyk
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