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SAROO BRIERLEY – DER WAHRE LION IM INTERVIEW

'Löwe' sei sein eigentlicher Name in Hindi, wie Saroo Brierley nach 25-jähriger Trennung von seiner Mutter erfuhr. Der Film begleitet das indische Findelkind, das bei australischen Adoptiveltern aufwuchs – nachdem es eine mehrtägige Odyssee in einem Zug erlebte, die ihn schließlich in Kalkutta stranden ließ. Wir hatten die außergewöhnliche Möglichkeit, mit Saroo Brierley, auf dessen Lebensgeschichte Lion basiert, persönlich zu sprechen.

Eine greifbare Filmgeschichte

Regisseure und Schauspieler zu einem Film zu interviewen, ist eine Sache. Den Menschen, dessen Leben zu einem sechsfach Oscar® nominierten Film geführt hat, eine ganz andere. Wir haben einen offenen Saroo Brierley erleben dürfen, der uns interessante Einblicke in die Entstehung von Lion gab.

Über den Film

Dev Patel als Saroo Brierley in Lion.
Dev Patel als Saroo Brierley in Lion.

Die Geschichte geht durchaus ans Herz – in der indischen Stadt Khandwa lebt der fünfjährige Saroo (Sunny Pawar) als eines von vier Kindern einer alleinerziehenden Mutter, die unter hohen Opfern versucht ihre Familie durchzubringen. Nachdem die Bedingungen in Indien dafür denkbar schlecht sein können, betteln die Kinder notgedrungen auf dem Bahnhof – wo der Junge nach ein paar Irrfahrten mit seinem Bruder den Fehler begeht, einen Zug nach Kalkutta zu besteigen. Eine Reise von mehreren Tagen und 1300 Kilometern Distanz in einem Frachtwaggon lässt ihn desorientiert und hilflos auf dem Bahnhof Howrah Junction zurück: Eher Moloch als Teil des Nahverkehrs, es werden auf den 23 Bahngleisen täglich Millionen von Menschen abgefertigt.

Schauspieler Sunny Pawar als junger Saroo in Lion.
Schauspieler Sunny Pawar als junger Saroo in Lion.

Überaus schlechte Karten für Saroo, er verliert sich im Gewühl, gerät in seltsame Gesellschaft und landet schließlich bei der Polizei – die jedoch mit den gestammelten Angaben eines Fünfjährigen herzlich wenig anfangen kann und ihn als lost child deklariert. Zu seinem Glück landet er langfristig bei den Brierleys, die sich in ihrer australischen Heimat des Jungen annehmen – bis er sich während eines indischen Essens mit Freunden, fast 25 Jahre später, seiner Wurzeln zu erinnern beginnt und mittels Google Earth eine Spur zu seiner eigentlichen Herkunft findet.

Kinder haben’s leicht…

Das hatte es der junge Saroo Brierley – gebürtig Sheru Munshi Khan – sicher nicht. Wenn man so will, hatte er Glück im Unglück angesichts dessen, was teils tagtäglich in ähnlichen Situationen geschehen kann. Somit ist die Geschichte sicher ihre Erzählung wert.

Der Cast setzt sich, sobald die Geschichte die Kindheit Saroos hinter sich lässt, dabei durchaus namhaft zusammen: Dev Patel (Saroo Brierley) scheint dank ‚Slumdog Millionaire‘ (2008) eine naheliegende Wahl zu sein, verstärkt durch Rooney Mara (Freundin Lucy) sowie die Adoptiveltern Nicole Kidman (Sue Brierley) und David Wenham (John Brierley). Und ja, es lässt sich nicht leugnen: Die Bilder verheißen Gutes – insbesondere auffällig, dass der Film nicht die Sünde begeht, die mithin größte Stärke des Handlungsortes über Gebühr zu beanspruchen. Man erwartet mittlerweile eine Art indische Farbexplosion, und in feiner Zurückhaltung zeigen hier Regie (Garth Davis) und Kamera (Greig Fraser) ihr Können: Sie finden eine wunderschöne Mitte. Auf die Palette Indiens zu verzichten wäre sträflich – doch Lion erhält stets sein elegantes, zugleich stark kontrastiertes Bild für den Zuschauer.

Prädikat: Ein gelungenes Stück Filmgeschichte. Leider ohne Oscar®-Prämierung.

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