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ROGUE ONE: A STAR WARS STORY – DIE REVIEW

„Es herrscht Bürgerkrieg. Die Rebellen, deren Raumschiffe von einem geheimen Stützpunkt aus angreifen, haben ihren ersten Sieg gegen das böse galaktische Imperium errungen.“ Worte für die Ewigkeit im Lauftext des ersten Star Wars Films von 1977. Jetzt, fast 40 Jahre später, erzählt Lucasfilm die Vorgeschichte zu Episode IV. Doch was macht sie einzigartig und wieso will Rogue One eigentlich gar kein Star Wars sein?

Die Vorweihnachtszeit hat begonnen. Die Stimmung der Menschen hellt sich auf, geschäftiges Treiben in den Städten, an den Wänden hängen Star Wars Poster. Spätestens nächstes Jahr wird einem der letzte Teil des Satzes nicht mehr seltsam vorkommen, da Disney das dritte Jahr in Folge einen Star Wars Film um Weihnachten herausgebracht haben wird. Doch schon dieses Jahr leitet Rogue One diesen Donnerstag in den deutschen Kinos die Anthology-Filme ein. Mit Anthology produziert Disney eine Reihe alleinstehender Star Wars Filmen, die – abseits der Hauptfilme – die Star Wars Saga ausschmücken.
Obwohl Rogue One so gar kein typischer Star Wars Film ist, hat er doch alles, was Star Wars ausmacht. Sogar mehr.

Ein Problem am Horizont

 Der Film beginnt, wenige Jahre nach der Machtergreifung Imperator Palpatines, auf einem abgelegenen Planeten. Die junge Jyn Erso rennt über die weiten Aschefelder ihres Heimatplaneten Lah’mu nach Hause, über ihr rauscht bedrohlich ein imperiales Raumschiff.
Ihr Haus steht in der einzig fruchtbaren Oase weit und breit, mit Wasserevaporatoren bewirtschaftet ihr Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) das Land. Galen, einst Wissenschaftler im Dienste des Imperiums, erwartet sie bereits. Eilig packen sie Jyns Sachen und bringen das Mädchen in ein sicheres Versteck, als auch schon der ungebetene Gast, Direktor Orson Krennic, eintrifft.
Der skrupellose und machthungrige Krennic ist gekommen, um Galen zurück zum Imperium zu holen. Er soll für das Imperium den Bau einer Superwaffe fertigstellen. Der Direktor im weißen Umhang lässt Galen keine Wahl, die kleine Jyn bleibt alleine zurück.

Jahre später ist Jyn (gespielt von Felicity Jones) zu einer jungen Frau herangewachsen, die als Diebin versteckt vor dem Imperium um ihr Überleben kämpft. Nach der Festnahme durch das Imperium gelingt ihr bei einem Gefangenentransport mit Hilfe von Freiheitskämpfern der Rebellion die Flucht.

 

Rogue One: A Star Wars Story L to R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) and K-2SO (Alan Tudyk) Ph: Jonathan Olley © 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
L n. R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones) und K-2SO (Alan Tudyk)

Durch die Anführerin der Rebellion, Mon Mothma, erfährt Jyn schließlich, dass ihr Vater noch lebt und sogar die Schlüsselfigur für den Sturz des Imperiums ist. Zusammen mit dem Rebellen Cassian Andor und seinem Kriegsdroiden K2-SO macht sie sich auf die Suche nach einem fahnenflüchtigen imperialen Frachterpiloten, der eine Nachricht von Jyns Vater haben soll. Leider ist der aber derzeit inhaftiert – beim radikalen Rebellen Saw Gerrera (Forest Whitaker), ein Mann mit eigenen Idealen und extremen Vorgehensweisen.

Das Mekka der Jedi-Ritter

Regisseur Gareth Edwards (Godzilla) wurde früh in den kreativen Prozess einbezogen. Er und sein Team fanden, dass Rogue One einen ganz eigenen Realismus braucht. Die Charaktere und die Story bewegen sich in einer grauen Zone, ganz anders als die bisher klar abgegrenzte Moral von Gut und Böse aus der Star Wars (Haupt-)Reihe. Die will Rogue One – A Star Wars Story aber auch gar nicht. Schon der Titel macht klar: Wir bewegen uns zwar im Star Wars Universum, die Geschichte ist aber eine ganz andere. So auch die Erzählweise, die stark an die zeitlich fast parallellaufende [Animations-]Serie Star Wars Rebels erinnert. Zeitsprünge und Rückblenden, für Star Wars Filme bisher eher untypische Elemente, bereichern die Erzählweise. Auch das Intro (an dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr spoilern) grenzt sich deutlich von der Star Wars Reihe ab. Der Zuschauer wird sofort in die Story geworfen – eine harte Realität, kein märchenhafter Einstieg.
Auch die Mystik der Jedi fehlt weitestgehend, bisher das tragende Thema der Filme. Der Orden gilt als ausgerottet. Spürbar am Leben ist die Macht dennoch – auf dem Planeten Jedha. Er gilt als spirituelles Zentrum des einstigen Jediordens.

Rogue One: A Star Wars Story..Star Destroyer..Ph: Film Frame ILM/Lucasfilm.© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
Star Destroyer

In einem Interview mit Entertainment Weekly erklärt Gareth Edwards:

„Es [Jedha] ist ein Ort, den Leute, die an die Macht glauben, für eine Pilgerreise aufsuchen. Er wurde vom Galaktischen Imperium eingenommen. Es ist besetztes Gebiet – aus Gründen, die wir noch nicht offenbaren können.
Es gibt etwas sehr Wichtiges auf Jedha, sowohl für die Jedi als auch für das Imperium. Es fühlte sich stark nach etwas an, das wir mit der realen Welt in Verbindung bringen könnten.“

Auf Jedha führt der rebellische Extremist Saw Gerrera seinen Aufstand gegen das Imperium an, weshalb die Besatzer ihre Maßnahmen vor Ort verstärkt haben. Saw Gerrara dürfte vielen noch aus der Serie Clone Wars bekannt sein. Er ist damit der erste Charakter aus einer Star Wars Serie, der es in einen Film geschafft hat. Der Onderonianer ist seit dem Tod seiner Schwester in den Klonkriegen ziemlich verbittert und hat sich daher den Kampf gegen die Übermacht auf die Fahne geschrieben. Körperlich hat er dabei sehr gelitten, ist fast schon mehr Maschine als Mensch und in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. So fallen einige Parallelen zu keinem geringeren als Darth Vader persönlich auf. Fragt sich nur, wie lange sich Saw noch mit sich selbst identifizieren können wird. Wann wird seine Vorsicht zur Paranoia – und wie lange unterscheidet man sich noch vom Imperium, wenn Folter das Hausmittel wird?

Rogue One: A Star Wars Story Saw Gerrera (Forest Whitaker) Ph: Giles Keyte ©Lucasfilm LFL 2016.
Saw Gerrera (Forest Whitaker)

Auch die Serie Star Wars Rebels ist im Detail zu erkennen. So ist beispielsweise die Phoenix Squadron mit ihrer Hammerheadflotte eine entscheidende Kraft in der spektakulären Raumschlacht und ein VCX-100 Frachter (womöglich die Ghost, das Schiff der Helden aus Rebels?) ist für den aufmerksamen Zuschauer bereits im TV-Trailer zu sehen.

Findet die Rebels-Serie also ihren Showdown in ebendieser Schlacht? Die Erwähnung von General (Hera?) Syndulla ist sicherlich ein Indiz. Eine mögliche Andeutung wäre es – und spannend obendrein.

Rogue One einsatzbereit

Tatsächlich haben es aber einige Szenen aus den Trailern nicht in den Film geschafft, was wohl dem ausgiebigen Nachdreh zu schulden ist. Interessant wäre zu wissen, wie der Film ohne diese Maßnahme ausgegangen wäre, insbesondere da einer der Shots aus den Trailern ein anderes Ende vermuten lässt. Die spannende Story und die vielschichtigen Charaktere lassen aber, trotz Änderungen, nichts vermissen.
Der Rebell Cassian ist ziemlich kaltblütig und musste in seiner Vergangenheit auf die harte Tour lernen, dass zivile Opfer oftmals notwendig sind. Es ist der Darstellung des sympathischen Diego Luna zu verdanken, dass das Publikum nicht schon früh das Herz für den Freiheitskämpfer verliert. Für Humor sorgt sein Droide K2-SO, ein ehemaliger Kampfdroide des Imperiums mit exzellenten Reflexen und wunderbarem Sarkasmus. Man fühlt sich fast an die trockenen Bemerkungen von HK-47 aus den beiden Spielen ‚Knights of the Old Republic‘ I und II erinnert. Gespielt wird K2-SO sehr gekonnt von Alan Tudyk (auf Stelzen!), der auch schon Sonny in ‚I, Robot‘ Leben einhauchen durfte.

Zwei weitere tragende Rollen fallen den beiden chinesischen Schauspielern Donnie Yen und Jian Wen zu. Die beiden spielen das unzertrennliche Duo des blinden Mönchs Chirrut Îmwe und seines Beschützers aus Sandkastenzeiten, dem Soldaten Baze Malbus. Schnell schließen sie sich dem Rebellen-Team an und helfen mit unerwarteter Effizienz.

Jonathan Olley

Identifikationsfigur für das Publikum dürfte Riz Ahmeds Charakter sein, der den Frachterpiloten Bodhi Rook spielt. Kampfunerfahren und sichtlich unwohl in seiner Haut, möchte Bodhi einfach nur dabei helfen, die bedingungslose Kapitulation der Rebellion zu vermeiden. Dabei wächst er über sich selbst hinaus.

Auf der Seite der Bösen steht Ben Mendelsohn in der Rolle des Direktor Orson Krennic. Er spielt den Antagonisten in Rogue One: ein machthungriger Mann, der dem Imperator um jeden Preis imponieren will. Hierbei geht er nur zu gerne über Leichen, um seine Macht zu demonstrieren.
Damit ist er aber nur eine Figur im Schachspiel des Imperators und nichts im Vergleich zu Darth Vader, der mit kraftvollen Auftritten sowohl mächtige als auch verletzliche Seiten zeigt.

Eine Neue Hoffnung

Setbau wurde bei Rogue One, wie schon bei ‚Das Erwachen der Macht‘, großgeschrieben. Die zahlreichen Aliens sind glaubwürdig und wurden in aufwändigster Weise angefertigt. Um Lichteffekte im Raumschiff überzeugend auf die Charaktere zu projizieren, wurde besonders getrickst: Das hydraulische Set des Schiffs wurde nicht vor einem Greenscreen, sondern einem eigens angefertigten Screen, auf den der fertige Hintergrund im Film geworfen wurde, aufgebaut.

Die Raumschiffe, allen voran der neue U-Wing, der optisch eine Kombination vom Cockpit des Y-Bombers, den Antrieben des X-Wings und der Form des Jedi Interceptors zu sein scheint, sind wunderbar gelungen. John Knoll, VFX–Supervisor für Rogue One, designte den U-Wing bewusst in Anlehnung an bereits bekannte Schiffe, um bei Fans ein Gefühl der Wiedererkennung zu erzeugen.
Aber es sind die kleinen Details – so wie ein analoges Brettspiel, wie wir es aus Han Solos Rasendem Falken kennen – die dafür sorgen, dass man sich als Star Wars Fan richtig Zuhause fühlt.

Rogue One: A Star Wars Story X-Wing and U-Wing versus AT-ACTs Photo credit: Lucasfilm/ILM ©2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
X-Wing und U-Wing gegen AT-ACTs

Pyrotechnik kommt auch wieder vermehrt zum Einsatz und löst unrealistische CGI Explosionen in großen Teilen ab. Regisseur Edwards ließ die Kameras oft für mehrere Minuten ohne Unterbrechung laufen und sorgte damit im Spiel der Schauspieler für einen eigenen Realismus.
Neben Darth Vader gibt es ein Wiedersehen mit dem digital wiederbelebten Gouverneur Tarkin. Leider stolpert das computergenerierte Gesicht etwas am Realismus vorbei und wirkt eher wie aus einem sehr guten Videospiel als wie eine echte Person aus Fleisch und Blut. Schade.  Die digitale Verjüngung des ein oder anderen bereits bekannten Charakters funktionierte da bereits ungleich besser.

Schauspielerisch gibt es nichts zu bemängeln; von einer wunderbaren Felicity Jones bis hin zu Alan Tudyks Körpersprache im Motion-Capture-Anzug – für den Cast gehört eigentlich ein eigener Preis verliehen.

Der klangvolle, manchmal sehr militärisch wirkende Soundtrack von Michael Giacchino sorgt für die richtige Untermalung. Abwechslungsreich und dynamisch vertont er die schwierige Mission des Spezialeinsatzkommandos Rogue One. Leider fehlt seinen Klängen die Eingängigkeit der Soundtracks von John Williams, oft genug dürfen dessen Stücke dezent anklingen, was widerum wunderbar gelungen ist.

Fazit

Endlich! Rogue One bietet nach Episode VI die erste Raumschlacht, die wirklich sehenswert ist. Ein richtiger Krieg der Sterne, der sowohl im All, als auch bei den Bodentruppen tobt. Als Zuschauer ist man mittendrin, der schöne Soundtrack saugt einen mitten hinein ins Geschehen, bei der geschickten Kameraführung verliert man trotzdem nie den Überblick. Die Charaktere sind sympathisch und wachsen einem schnell ans Herz, obwohl die stark differenzierte Schwarz-Weiß-Aufteilung der Star Wars Reihe fehlt. Aber gerade das macht sie menschlich. Jyn Erso und ihre Mannschaft werden schnell zu Vertrauten, die man am liebsten gar nicht erst in dieses Himmelfahrtskommando schicken möchte. Für unnötige Romanzen ist in diesem Film kein Platz – gut so!
Der bedrohliche Todesstern und die von ihm ausgehende Zerstörung sehen verboten gut aus. Atemberaubend fand ich eine Szene ganz zu Anfang: Ein Sternenzerstörer fliegt vor einem vermeintlich malerischen Sternenhimmel – bis sich herausstellt, dass dies nur die Lichter der gigantischen Raumstation sind.
Die Geschichte schickt die originalen Star Wars Filme wieder frisch ins Rennen, Rogue One lässt die Herzen der Fans höherschlagen. Viele kritische Stimmen behaupteten, Innovation wäre mit Disney und Episode VII gestorben – dies wäre spätestens hiermit widerlegt. Rogue One traut sich etwas – und nicht nur die Rebellion wird belohnt.

Jetzt freue ich mich nur noch auf den nächsten Kinobesuch. Und Episode VIII.
Danke Disney, hierfür wurde Kino gemacht.
Trotz kleinerer Mängel (Story wiegt mehr als Effekte):
5 von 5 Sternen

Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: Jonathan Olley, Film Frame ILM/Lucasfilm, Lucasfilm/ILM; © 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
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