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LIFE – EIN SCI-FI-THRILLER IN DEN FUßSTAPFEN VON ALIEN

Gibt es Leben im All? Wenn ja, ist es freundlich oder feindlich gesinnt? Diese Frage stellen sich auch die sechs Astronauten auf der ISS, die eine Probe vom Mars untersuchen. Die anfängliche Ruhe und Friedlichkeit täuscht aber, da sich alles schlagartig ändert, als sich die neu entdeckte Lebensform als feindselig herausstellt. Life behandelt eine scheinbar von den preisgekrönten Alien-Filmen inspirierte Handlung, in der eine außerirdische Lebensform die Crewmitglieder des Raumschiffes bedroht. Daniél Espinosa wagt sich als Regisseur mit diesem Streifen zum ersten Mal an einen Sci-Fi-Film und zeigt hier einen Kampf ums Überleben, der sowohl die Dominanz der Crew als auch den Überlebensinstinkt jedes Einzelnen auf die Probe stellt.

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Die Story – Tödliche Intelligenz aus dem All

Die internationale Raumstation ISS treibt langsam und alleine im All, auf ihr eine Crew aus sechs Menschen. Neben den Astronauten Dr. David Jordan (Jake Gyllenhaal) und Sho Kendo (Hiroyuki Sanada) befinden sich auch noch der Wissenschaftler Hugh Derry (Ariyon Bakare), der Techniker Rory Adams (Ryan Reynolds) und die Biologin Miranda Bragg (Rebecca Ferguson) an Bord. Obwohl sie alle wie eine große Familie leben, stehen sie unter dem Kommando von Katerina Golovkin (Olaga Dihovichnaya). Ihr Ziel: Proben vom Mars auf Lebensformen zu untersuchen.

Durch eine Untersuchung von Hugh Derry (Ariyon Bakare) kommt tatsächlich ein einzelliger Organismus zum Vorschein. Doch die Freude der Crew hält nicht lange an, da der Organismus zunächst keine Lebenszeichen zeigt. Nachdem Derry in dem versiegelten Labor eine erdähnliche Atmosphäre schafft, beginnt der Organismus auf einmal, sich zu bewegen: das erste Leben aus dem All. Die Crew ist sich einig, dass dies eine Entdeckung ist, die die Menschheit prägen und wohl niemals mehr vergessen werden wird.

Zu Derrys Freude wächst der Organismus rasant an und bildet neue Zellen. Doch die Begeisterung des Wissenschaftlers wird schlagartig gedämpft, als der Organismus nach einem Laborunfall auf nichts mehr reagiert. Der komatöse Zustand seines ‚Babys‘, welches auf den Namen Calvin getauft wurde, besorgt Hugh Derry so sehr, dass er vor nichts zurückschreckt, um ihn wiederzubeleben. Durch einen Stromschlag kann er den inzwischen handgroßen Calvin aufwecken, wird aber von ihm angegriffen und fällt in Ohnmacht. Trotz verschiedenster Sicherheitsvorkehrungen kann Calvin aus seiner Box entkommen. Als er dann auch noch in den Käfig einer Labormaus eindringt und diese zerfetzt, wird der Crew so langsam klar, womit sie es hier zu tun haben. Rory Adams (Ryan Reynolds) nutzt die Gunst der Stunde und versucht seinen ohnmächtigen Freund aus dem versiegelten Labor zu retten. Bevor er es selbst hinausschaffen kann, greift Calvin ihn jedoch an und die anderen Mitglieder versiegeln die Tür direkt vor seiner Nase.

Die vier übrigen Crew-Mitglieder müssen nun mit ansehen, wie Adams verzweifelt versucht, Calvin zu bekämpfen. Weder Feuer noch Strom scheinen ihm zu schaden. Als Adams dann von Calvin qualvoll getötet wird, ist nun auch dem Letzten klar, dass dies nur der Anfang war. Von nun an heißt es überleben. Aber das ist leichter gesagt als getan, wenn man von einem Organismus gejagt wird, der beinahe unsterblich ist, zudem superstark und sich durch die kleinsten Öffnungen zwängen kann. Nur eine Sache ist allen bewusst: Calvin darf nicht den Erdboden berühren!

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Wer steht dahinter?

Daniél Espinosa, der mit Filmen wie Kind 44 (2015) oder Safe House (2012) sein Talent für Thriller unter Beweis stellte, wagt sich mit Life zum ersten Mal an einen Sci-Fi-Thriller. Nichtsdestotrotz kann man sagen, dass ihm dieser Schritt gelungen ist. Das Setting auf der ISS ist nicht nur realistisch dargestellt, sondern bietet auch Abwechslung. Neben der Inszenierung verschiedener Räume und Bereiche, die originell wirken, können die Außenansichten überzeugen. Sowohl das All als auch die Erde, die öfters im Hintergrund der detailliert konstruierten Raumstation zu sehen sind, werden ästhetisch dargestellt. Des Weiteren ist die Arbeit mit der Gravitation ein sehr solider Grundstein des Films. Anders als in vielen Sci-Fi-Streifen versucht Espinosa das Leben in der Schwerelosigkeit zu greifbar zu machen. Die meiste Zeit des Films schweben die Schauspieler durch das Bild, und sogar Wasser und Blut sind realistisch im Schwebezustand dargestellt. Obwohl sich hier und da ein paar kleine Fehler eingeschlichen haben, hat Espinosa diese Aufgabe mit Bravour meistern können.

Life befasst sich, wie schon einige Sci-Fi-Filme vor ihm (z.B. Alien), mit der Thematik eines außerirdischen Organismus, der den Menschen überlegen ist und diese bedroht. Anders jedoch als zum Beispiel in Alien von 1979 wird hier erklärt, um was es sich für ein Wesen im naturwissenschaftlichen Sinne handelt. Kein bösartiger Alien, der einfach existiert, sondern ein Einzeller, der sowohl Muskel- als auch Nervenzelle in einem ist und sich unter natürlichen Bedingungen unnatürlich schnell entwickeln kann. Auch diese Punkte werden im Film realistisch umgesetzt, da auch er ohne Sauerstoff und Nahrung nicht überleben kann. Somit vermitteln Handlung, Set, wie auch ‚Alien‘ eine Situation, wie sie in der realen Welt vorstellbar wäre – oder wie Ryan Reynolds es beschreibt: „Das Skript hatte ein solches Maß an Realität und auch ein Gefühl von andauernder Spannung.“

Rory Adams (Ryan Reynolds)
Rory Adams (Ryan Reynolds)

Neben der Logik des Films tragen die Musik sowie die Kameraführung zur Qualität von Life bei. Jon Ekstrand, der bereits mehrfach die Filmmusik für Daniél Espinosa komponiert hat, schafft es, dem Zuschauer genau die richtige Atmosphäre zu vermitteln. Bereits im Trailer konnte man schon erahnen, dass Musik in diesem Film eine große Rolle spielen werde. Ohne zu spoilern, kann man dennoch kritisieren, dass sie gegen Filmende etwas überladen und fehl am Platz wirkte, was aber nur vereinzelt der Fall war.
Eine grandiose Arbeit liefert auch Seamus McGarvey, der schon für Marvel’s The Avengers (2012) hinter der Kamera stand und durch seine Arbeit am Film Abbite (2007) für einen Oscar nominiert wurde. Bereits in den ersten Szenen vollführt er eine Kamerafahrt um die schwebenden Schauspieler, die dem Zuschauer einen realistischen Eindruck vermittelt, wie man sich in der Schwerelosigkeit bewegt. Zum Ende des Films hin werden die Charaktere oft durch Nahaufnahmen der Gesichter gezeigt, wodurch McGarvey deren Emotionen verstärkt und drastische Veränderungen der Charaktere nahebringt.

Die Leistung der sechs Schauspieler ist insgesamt äußerst solide. Die Mitwirkung Ryan Reynolds ist gesondert zu erwähnen, da er bereits zuvor mit Espinosa für den Film Safe House (2012) zusammengearbeitet hatte. Obwohl Reynolds zuerst die Hauptrolle übernehmen sollte, musste er auf eine Nebenrolle ausweichen, da er die Hauptrolle im kommenden Film The Hitman’s Bodyguard spielt, wie der Hollywood Reporter berichtete. Zusätzlich zum Regisseur waren auch die Drehbuchautoren bereits bekannte Gesichter für Reynolds, da sie bereits zu seinem Erfolgsfilm Deadpool (2016) das Drehbuch schrieben.

Auf der Suche nach einer Lösung: Miranda North (Rebecca Ferguson)
Auf der Suche nach einer Lösung: Miranda North (Rebecca Ferguson)

Jake Gyllenhaal, zuletzt auch in Nocturnal Animals (2016) und Everst (2015) zu sehen, verkörpert den Astronauten Dr. David Jordan. Jordan ist der Erfahrenste der Crew und befindet sich schon seit 473 Tagen auf der ISS. Kein anderer kennt das Schiff besser als er. Trotz seiner Erfahrung muss er den ganzen Film über mit sich kämpfen; für ihn stehen die Crew und seine Freunde über seinem eigenen Wohl. Gyllenhaal schafft es, diese Rolle authentisch rüberkommen zu lassen. Er habe viel Herzblut in die Rolle gesteckt, unter anderem, weil David Jordan seinem Großvater ähnele, sagte Gyllenhaal.

Ähnlich wie Gyllenhaal meistern es auch Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds und auch Olga Dihovichnaya ihre Charaktere in den verschiedensten Situationen gut und überzeugend darzustellen. Eine besondere Anerkennung sollte hierbei Hiroyuki Sanada (Sho Murakami) gegönnt sein, da er während des ganzen Films seine Stunts selbst ausgeführt hat, so der Hollywood Reporter.
Ein wenig enttäuschend war leider die Leistung von Ariyon Bakare (Hugh Derry). Trotz seiner Schlüsselrolle als engagierter Wissenschaftler kann er in einigen Situationen nicht überzeugen und lässt den Zuschauer ein wenig kalt und emotionslos zurück.

Kritik

Espinosa schafft es, die Zuschauer immer mal wieder aufschrecken zu lassen. Diese kleinen Thriller-Momente wurden oftmals gut platziert und störten die Handlung nicht, sondern bauten sie spannungserzeugend weiter auf.

Neben den bereits genannten Kritikpunkten ist es allerdings schade, dass einige Charaktere nicht ausreichend ausgestaltet wurden. Während man zu einigen eine gute Bindung aufbauen konnte (z.B. Hiroyuki Sanada), kannte man andere wiederum kaum (z.B. Ariyon Bakare).
Auch waren die Beziehungen zwischen den Charakteren oftmals schlecht bis gar nicht erkennbar. Man konnte sie zwar als Crew identifizieren, doch wer zu wem eine enge Freundschaft pflegte, wurde oftmals nicht deutlich.

Deutlich abheben kann sich Life, wie schon erwähnt, durch die beinahe realistische naturwissenschaftliche Erklärung von Calvin.

Insgesamt hat der Film es geschafft, einen Spannungsbogen aufzubauen, der weder trist, noch langweilig wirkte. Auch wenn es eine Weile dauert, bis der Film seinen Höhepunkt erreicht, ist diese Zeit sehr gut gewählt und mit Spannung gefüllt. Trotz der relativ kurzen Spielzeit von 104 Minuten gelingt es Life, den Zuschauer zu fesseln und in seinen Bann zu ziehen.

Schwerelos: Jake Gyllenhaal ist der amerikanische Astronaut David Jordan
Schwerelos: Jake Gyllenhaal ist der amerikanische Astronaut David Jordan

Fazit

Obwohl es einige kleine Fehler gibt und auch hier und da ein paar Ecken und Kanten zum Vorschein kommen, ist Life ein äußerst gelungener Sci-Fi-Thriller, der sich nun mit Filmen, wie zum Beispiel der Alien-Reihe, messen darf. Sowohl Schauspieler als auch Regisseur tragen zu einer schönen, aber auch gruseligen Atmosphäre bei, der durch seine detailgetreue Inszenierung eher Science-Reality, als Science-Fiction ähnelt. Alles in allem ist Life ein lohnenswerter Film, vor allem für Freunde des Alien-Thriller-Genres.

Bewertung

4,5/5 Sterne

– Felix Heiderich


Photos Copyright: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH
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