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HEIMKINO-RELEASE: SWISS ARMY MAN IST EIN UNIKAT

Eine der besten Investionen seit langem ist jetzt für euer Heimkino verfügbar: Swiss Army Man! Paul Dano ist auf einer Insel verschollen. Als er aus lauter Verzweiflung beschließt, sich das Leben zu nehmen, schwemmt das Meer eine furzende Leiche an, die alles verändert: Daniel Radcliffe. Wer denkt, Radcliffe verwest 97 Minuten lang neben Dano, liegt falsch – diese ungewöhnliche Geschichte handelt von einer Männerfreundschaft, von Sein oder Nichtsein und was Leben bedeutet.

Swiss Army Man ist vor allem eines: komplett anders. Und das ist nicht nur gut so, sondern in der heutigen Filmlandschaft schon fast einmalig. Nach allen Sommer-Reboots, Sequels und Comicverfilmungen bringt der Film endlich ‚frischen Wind‘ ins Heimkino. Mag es sich hierbei auch um eine subjektive Meinung gleich am Anfang des Artikels handeln – so muss dennoch erwähnt werden: Daniel Radcliffe besticht mit einer derartigen Authentizität, dass man keine Minute mehr an seine Zeit als Darsteller des Zauberers Harry Potter denkt. Es ist nicht nur für die Filmlandschaft, sondern auch für Radcliffe selbst ein schauspielerischer Durchbruch und Befreiungsschlag.

Worum geht es in Swiss Army Man?

Paul Dano spielt den verzweifelten Gestrandeten namens Hank.  Er hat bereits mit der Hoffnung auf Rettung abgeschlossen und versucht sich am Strand seiner Insel aufzuhängen. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass ihm das Schicksal eine Leiche (Harry-Potter-Star Daniel Radcliffe) anspült, deren laute Furzgeräusche ein friedliches Ableben unmöglich machen. Hank tauft die Leiche ‚Manny‘ und findet bald heraus, dass sie nicht ganz so tot ist, wie sie sein sollte. Neben der Flatulenz hat Manny noch einiges mehr zu bieten – seine ungewöhnlichen Kräfte ermöglichen es ihm beispielsweise, in hoher Geschwindigkeit durchs Wasser zu gleiten und auf die Jagd zu gehen.

Dieser Tote, in seiner Funktionalität dem namensgebenden Schweizer Taschenmesser in nichts nachstehend, ist jedoch nicht nur bloßes Werkzeug, sondern besitzt auch Gefühle. Zwischen Manny und Hank entwickelt sich eine tiefe, sinngebende Freundschaft, wodurch Hank beschließt, seinem Leben eine weitere Chance zu geben und gemeinsam mit Manny nach Hause zu finden.

Die „Multi-Funktions-Leiche“ Manny (Daniel Radcliffe) ist auch als Kompass einsetzbar. © capelight pictures
Die „Multi-Funktions-Leiche“ Manny (Daniel Radcliffe) ist auch als Kompass einsetzbar.

Dass beim Sundance Film Festival laut Variety zahlreiche Zuschauer beim Screening den Saal verlassen haben sollen, sei dahingestellt. Wer besonders sensibel auf das Thema Tod und die sich daraus ergebenden Prozesse im Körper eines Menschen reagiert – oder generell vor dem Fakt zurückschreckt, Daniel Radcliffe über 90 Minuten visuell als Leiche zu erleben –, der sollte sich bei Swiss Army Man entsprechend emotional darauf vorbereiten, mit diesen Bildern aufs Schärfste konfrontiert zu werden. Aber muss Kino und somit Film immer fröhlich, heiter oder unbeschwert sein? Oder wollen wir faszinierende und polarisierende Filme, die einen Spagat zwischen Absurd und Emotional, von Seltsam bis Tiefgründig, von Flatulenz bis Sinn des Lebens schaffen?

Wir sind ganz klar für Letzteres. So skurril es klingt, der Film schafft es trotz der massiven Flatulenzen von Daniel Radcliffes Charakter auch cineastisch brillante Bilder und Stimmungen einzufangen. Die Filmsets sind darüber hinaus ein visuelles Meisterwerk für sich und zeigen sich eindrucksvoll im ‚Robinson Crusoe‘-Style, der weltflüchtig romantisch wirkt. Doch zurück zum Anfang: Filme über ungewöhnliche Freundschaften gibt es viele. Aber E.T. und Free Willy erscheinen geradezu gewöhnlich verglichen mit der Idee zu Swiss Army Man. Mit seinem Regiedebüt landet das Regie-Duo Daniels, bestehend aus Daniel Scheinert und Dan Kwan, einen Überraschungshit mit Kultpotenzial.

Regisseure Daniel Scheinert & Dan Kwan aka ‚Daniels’.
Regisseure Daniel Scheinert & Dan Kwan aka „Daniels“.

Nach dem Filmerlebnis dürften sich beim ein oder anderen sicherlich Fragen aufdrängen: Wieso, weshalb, warum? Mögliche Antworten darauf findet man in den Special Features bzw. Extras der Blu-ray, die rundum überzeugen können.

Besonders hervor sticht dabei ein Feature, das wohl äußerst selten sein dürfte: Man kann den kompletten Film ohne musikalische Untermalung anschauen! Ein einzigartiges Erlebnis selbst für Filmfans, und wir kennen es sonst nur von Gravity in der Silent-Edition

Das zeigt nicht nur generell, wie essentiell Musik für einen Film ist, sondern lässt den Film auf faszinierende Weise auch noch skurriler und zum Teil positiv verstörend wirken. Besonders bei der Schlussszene sollte diese Wirkung deutlich zum Vorschein kommen.

Außerdem könnt ihr auch faszinierende Blicke hinter die Kulissen von Swiss Army Man werfen und erfahrt unter anderem, wie komplex und aufwendig es für Darsteller und Crew war, die Sets und eine Leiche realistisch in den vielseitigen Funktionen zu filmen.

Ton und Bild des Blu-ray Heimkino-Releases

Die deutsche Tonspur liegt im DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Bei der englischen Tonspur wird Dolby Atmos geboten. Das Bild liefert die Blu-ray-Variante im Verhältnis 2,40:1 bei 1080p und somit Full-HD. Sowohl Ton und Bild überzeugen in Qualität und stellen ein echtes visuelles wie auditives Erlebnis für euer Heimkino dar.

Liste der Extras

Wie auch die DVD liefert die Blu-ray-Version zahlreiche Extras, wobei für jeden Geschmack etwas Passendes dabei sein sollte:

  • Audiokommentar vom Regie-Duo Daniels mit Jason Kisvarday und Brent Kiser
  • Hinter den Kulissen
  • 5 Featurettes
  • 3 entfallene Szenen
  • Interview mit Daniel Radcliffe
  • Q&A mit Daniels und Brent Kiser
  • 2 Trailer

Besonderheiten der Blu-ray

Reißt man die Folie ab, so hält man nicht direkt die Hülle der Blu-ray in den Händen, sondern spürt zunächst die hochwertige Coverhülle aus dickerem Papier, welche man nach oben oder unten abziehen kann. Erfreulich ist hierbei bereits die Option, die FSK-12-Kennzeichnung in Stickerform abziehen zu können. Beim eigentlichen Cover der Blu-ray handelt es sich zusätzlich um ein Wendecover, wodurch sich die FSK-Kennzeichnung komplett unsichtbar machen lässt. Ein großes Plus für alle Filmfans, die ihre Sammlung mit Swiss Army Man nicht nur ergänzen, sondern auch optisch verschönern wollen! Hier darf der Independent-Verleiher Capelight Pictures durchaus lobend erwähnt werden, zumal immer weniger Verleih-Firmen an diese doch wichtigen Kleinigkeiten denken. Ein ergänzender Flyer oder Ähnliches fehlt jedoch in der Hülle. Zu guter Letzt könnt ihr Swiss Army Man noch als Limited Collector’s Edition im Mediabook mit zwei verschiedenen Covern erwerben. Damit bekommt ihr die volle Ladung des menschlichen Schweizer-Armee-Messers inklusive DVD, Blu-ray und Soundtrack-CD!

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Der Tod und andere Stunts

Daniel Radcliffe musste sich zunächst daran gewöhnen, eine Leiche zu spielen, welche den Großteil des Films ziemlich rabiat behandelt wird. Zwar gab es einen lebensgroßen Stunt-Dummie, doch Dano bevorzugte es, Radcliffes tatsächliches Gewicht mit sich herumzutragen. Vor ihrem Skypegespräch mit dem Harry-Potter-Star machten sich die Regisseure noch Sorgen, dass Radcliffe wegen der drastischen Anforderungen an seine Rolle absagen würde. „Aber Daniels erste Frage war, ob er seine eigenen Stunts durchführen dürfe“, erklärt Kwan begeistert (USA Today).

Manny (Daniel Radcliffe) mit selbstgebauten Kopfhörern. © capelight pictures
Manny (Daniel Radcliffe) mit selbstgebauten Kopfhörern.

Besonders faszinierte Radcliffe die Herausforderung, eine lebendige Leiche spielen zu dürfen. Im Interview mit Watson verriet Radcliffe, dass er zwar auf wesentliche Aspekte wie Totenstarre geachtet habe, dennoch nie wie ein Zombie erscheinen wollte. Er improvisierte demnach viel, um nicht technisch exakt zu wirken. Den Rest in Punkto Glaubwürdigkeit erledigte dann sein authentisches Make-Up – so Radcliffe. Dass der Fokus bei Radcliffes Leichen-Charakter dabei auch auf ein ganz besonderes, männliches, Körperteil gelegt wurde, störte Radcliffe offenkundig nicht – Kudos an einen wahren Schauspieler!

Mit Hilfe von Manny (Daniel Radcliffe) gelingt es Hank (Paul Dano) Feuer zu machen. © capelight pictures
Mit Hilfe von Manny (Daniel Radcliffe) gelingt es Hank (Paul Dano), Feuer zu machen.

Fazit

Ob ein Film mit einem furzenden Toten jedermanns Sache ist, bleibe dahingestellt. Swiss Army Man wirkt jedoch so herrlich absurd und neu, dass man dem Film als neugieriger und offener Mensch wohl kaum widerstehen kann. Daniel Radcliffe ziert mit Paul Dano einen Film, der origineller kaum sein könnte. Sein ‚explosives‘ Potenzial hat Swiss Army Man aber schon beim Sundance Film Festival (ausgezeichnet mit dem Regie-Award) und bei der Eröffnung des deutschen Fantasy Filmfest bewiesen. Mit dem Heimkino-Release kann man sich jetzt selbst ein Bild von der ganzen Dimension der Daniels-Regie machen und somit einen möglicherweise verpassten Kinogang nachholen oder ihn durch viele, hochwertige Extras in Form von Special-Features der Blu-ray ergänzen. Wir sagen: Nimm das, The Walking Dead!

– Stefan Fischer & Alexander Ochs


Photo Credits & Copyright: © 2016 Capelight Pictures
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