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ALIEN: COVENANT – IM WELTRAUM HÖRT DICH NIEMAND ZWEIFELN

Der sechste Teil der Alien-Reihe kommt am 18. Mai in die Kinos. Informationen sind bisher spärlich, für Liebhaber des Franchise beginnt eine Zeit des bangen Hoffens.

Um den Elefanten im Raum schnellstmöglich zu verscheuchen: ‚Prometheus‘ war schlecht. Atemberaubend schlecht. Der Mensch erinnert sich langfristig deutlicher an hervorstechend gute oder schlechte Erlebnisse, und persönlich habe ich nur den Soundtrack vergessen: Er muss wohl in Ordnung gewesen sein. Jenseits dessen konnte man nur staunen, dass niemand ein so offensichtliches 130-Millionen-US-Dollar-Debakel aufhalten konnte.

Der Trailer des zweiten Prequels darf also mit kritischen Blicken rechnen, allerdings hat Ridley Scott schon oft positiv überrascht. Man kann also gespannt bleiben.

Eine Raumfahrt, die hat’s in sich

Das Kolonieschiff Covenant steuert einen vermeintlich paradiesischen Planeten an, die Besatzung findet dort den Androiden David (Michael Fassbender) vor, den einzig Überlebenden der gescheiterten Prometheus-Expedition. Nicht jedoch der einzig Überlebende des gescheiterten Prometheus-Films (ich hör ja schon auf).

Mit Sicherheit wieder in Erscheinung treten werden auch Elizabeth Shaw (Noomi Rapace), die sich zuletzt auf dem Weg zur Heimatwelt der rätselhaften ‚Konstrukteure‘ befand, und Peter Weyland (Guy Pearce), ohne dessen finstere Machenschaften keine Fortsetzung seit ‚Aliens‘ auskam.

Alien Covenant © 2017 Twentieth Century Fox

 ‚Alien: Covenant‘ behält das beeindruckende Schauspiel Fassbenders bei, dessen bemessene, hochexakte Bewegungen die unterschwellige Bedrohlichkeit der Androiden des Alien-Universums vermitteln wie nie zuvor. Ob das seinen Doppeleinsatz in den Rollen ZWEIER Androiden (Walter und David) rechtfertigt, bleibt abzuwarten: Es gilt Screentime sinnvoll zu füllen, ohne ihn als Pflaster für Durststrecken oder Schlaglöcher im Plot zu verschwenden.

Ergänzt wird der Cast durch James Franco, dessen Charakter Branson – zumindest dem Trailer entnommen – wohl der Kommandant der Covenant ist. Es mangelt also sicher nicht an talentierten Darstellern.

Eine eindeutige Abfolge ist im Plot soweit nicht zu erkennen, aber das sei einem Trailer verziehen. Man darf jedenfalls mit nicht mehr wegzudenkenden Elementen des Franchise rechnen: Landung auf einem fremden Planeten, die Silhouette eines Konstrukteur-Raumschiffs in äußerst unfreundlicher Umgebung, und natürlich ein ledriges Ei, das sich vor einem etwas zu neugierigen Mannschaftsmitglied öffnet. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit setzt der Film also auf Altbewährtes – und das muss beileibe nichts Schlechtes sein, wirft aber ein paar Fragen auf.

Remake, Prequel, Reboot…

Eindeutig aus dem neuen, mit Prometheus übernommenen Look and Feel stammen die Szenen in weitläufigen, klinisch weißen Räumen, in denen auf gigantischen Screens fotorealistische Landschaften abgebildet sind, damit Herren in schwarz-weiß-kontrastierten Anzügen davor grübeln können. Auch in den gelungenen Landschaftsaufnahmen findet sich der Stil wieder; die Einsamkeit in den tiefblauen Bergen und karg bewachsenen Steppentälern vermittelt sich sofort.

Alien Covenant © 2017 Twentieth Century Fox

 

Und hier enden auch bereits die Gemeinsamkeiten. Der Rest des Trailers nimmt fortlaufenden, engen Bezug zum Urvater ‚Alien‘ – bis hin zu Szenen, die fast von Einstellung zu Einstellung übernommen wirken. Mit dessen größte Stärke war das utilitaristische, klobige Design des Industriefrachters Nostromo, das sich im Laufe des Films von der alltäglichen, hinreichend komfortablen Umgebung hin zu einem beklemmenden, feindseligen Labyrinth wandelte, in dem der Xenomorph alle nur erdenklichen Vorteile gegen die unbewaffnete Mannschaft besaß. Die Gänge waren eng, schlecht beleuchtet, regelmäßig von Dämpfen der Kühlsysteme vernebelt und voller Kanten und Aussparungen, über die man sich selber im Geiste ständig stolpern sah.

‚Alien: Covenant‘ ist darauf erpicht, dieses Gefühl seines Vorgängers um jeden Preis zu reproduzieren – es bleibt abzuwarten, ob sich der fromme Wunsch erfüllt. Gewiss, die Klaustrophobie setzt in den verzweifelten Sprints durch notbeleuchtete Gänge ein, und es gibt genügend Frachtnetze, Verstrebungen und scharfe Kanten, mittels derer man den unverwechselbaren Lichteinsatz (oder den Mangel an selbigem) der frühen Filme umsetzen könnte. Dem Trailer gelingt das jedoch nicht, zu plötzlich ist der Wechsel in das Cockpit des Landungsbootes oder die Mannschaftsquartiere, die in buntem LED-Licht erstrahlen wie eine Mischung aus Weihnachtsbaum und DJ-Pult.

Aber mal sehen: Was im Trailer keinem dramaturgischen Aufbau folgen muss, könnte im Film vielleicht eine gelungene Verwendung einer subtileren Farbabstufung werden. Je bedrohlicher die Handlung für die Charaktere wird, desto mehr mag auch ihre Umwelt das vermitteln. Man wagt zu hoffen.

Früher war bekanntlich alles besser, heute trägt man im Cockpit Cowboyhut

Auf die Gefahr hin zu klingen wie mein eigener Großvater, erschließt sich mir eines nicht: wo Twentieth Century Fox mit dem Franchise hin will. Die Bezugnahme auf das Original von 1979 wird schon im Plakat deutlich und der Trailer hält sich in der Optik teils sklavisch daran – nur um sich meilenweit davon zu distanzieren, sobald es um Interfaces und Inneneinrichtung geht. Natürlich wirken die technischen Elemente der alten Streifen heutzutage absolut retrofuturistisch, aber sie erklärten in Bildsprache die innere Funktion des Universums. Wenn im Trailer ein guter Teil der Flure und Gänge im hellen LED-Glanz erstrahlen, fragt man sich unweigerlich, warum andere Bereiche des Schiffes nur über dumpf zündende Leuchtstoffröhren verfügen.

Alien Covenant © 2017 Twentieth Century Fox

 

Dass dies heutzutage funktionieren kann, demonstrierte übrigens das Gamestudio Creative Assembly mit dem Release des Spieletitels ‚Alien: Isolation‘ im Jahre 2014. Man interagierte mit lichtgrauen Tastaturen mit hartem Anschlag, die Konsolen der Raumstation knackten mit ihren Leseköpfen und gaben ihre Textinfos mit den üblichen Beeps aus: Man unternahm nicht den Versuch, das zu erklären. Wenn man die Existenz des Aliens akzeptiert, sollte man geistig mit der Existenz antiquiert erscheinender Technik fertig werden, die dem Monstrum aus dem All eine gute Spielwiese bietet.

Aber vielleicht ist mein greisenhaftes Genörgel auch fehl am Platz – immerhin lässt sich Klaustrophobie auch modern erleuchtet erzeugen, und ich wünsche mir sehnlichst, dass dem Franchise neues Leben eingehaucht wird. Am 18. Mai darf man sich überraschen lassen – ‚Alien Covenant‘ mag ein Lichtblick werden. (Ganz im Gegensatz zu Prometheus‘ trüber Funzel. Ich geh ja schon.)


Photo Credits & Copyright: © 2017 Twentieth Century Fox
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