Oscars 2018: Diese Filme gehen ins Rennen

Obwohl bis zu den nächsten Academy Awards noch etwas Zeit vergehen muss, laufen die Bewerbungen bereits auf Hochtouren. Besonders beim „Auslands-Oscar“, also dem Preis für den besten nicht-englischsprachigen Kinofilm, ist die Konkurrenz groß. Laut der offiziellen Seite der Academy Awards wurden für diese Kategorie bereits 92 Filme eingereicht, was einem neuen Teilnehmerrekord entspricht.

Die Länder Haiti, Honduras, Laos, Mosambik, Senegal und Syrien sind dieses Jahr sogar zum ersten Mal dabei und Deutschland versucht mit elf neuen Produktionen, die Jury von sich zu überzeugen und den Oscar für den „besten fremdsprachigen Film“ zu gewinnen.

Oscars

Bereits im Jahr 2016 wurde für diese Kategorie ein neuer Teilnehmerrekord mit 85 Einsendungen erreicht, darunter war auch der deutsche Film “ Toni Erdmann “ von Maren Ade, der es sogar unter die finalen fünf Nominierten schaffte. Den Oscar gewann dann aber letztendlich die iranische Produktion „The Salesman“ von Asghar Farhadi.

Die internationalen Favoriten

Happy End

Trotz der zahlreichen Einreichungen dieses Jahr kristallisieren sich bereits verschiedene Favoriten für den Preis als besten nicht-englischsprachigen Film heraus. So zum Beispiel die österreichische Produktion „Happy End“ von Regisseur Michael Haneke. Haneke („Funny Games“, „Die Klavierspielerin“) konnte bereits im Jahr 2013 mit seinem Film „Liebe“ die Academy überzeugen und den Oscar in dieser beliebten Kategorie gewinnen. Daneben ist er Preisträger von zwei „goldenen Palmen“ des Filmfestivals in Cannes und ist laut IMDb „one of the greatest film artists working today“. Der Film hat nicht nur wegen seines preisgekrönten Regisseurs gute Chancen, sondern auch die Besetzung der Hauptrollen mit unter anderem Jean-Louis Trintignant („Liebe“, „Der große Irrtum“), Mathieu Kassovitz („Die fabelhafte Welt der Amelie“, „Das fünfte Element“) und Isabelle Huppert („Liebe“, „Die Klavierspielerin“) kann sich sehen lassen.

Im sozialkritischen Drama „Happy End“ dreht es sich um das zerrüttete Verhältnis zwischen allen Angehörigen der Großfamilie Laurent in dem Ort Calais. Diese besteht aus dem alten Bauunternehmer und Gründer der familieneigenen Firma George (Jean-Louis Trintignant), der an seinen Rollstuhl gefesselt ist und jeglichen Lebenswillen verloren hat, seiner Tochter Anne (Isabelle Huppert), die die Firma am Laufen hält, und seinem Sohn Thomas (Mathieu Kassovitz). Als Thomas‘ 13-jährige Tochter Eve (Fantine Harduin) von seiner Ex-Frau zu ihm und seiner neuen Frau samt Kind zieht, beginnt die Fassade der Familie auch nach außen zu bröckeln.Neben der Familie Laurent rückt Haneke in „Happy End“ nebenbei ebenfalls die vor Ort gestrandeten Flüchtlinge ins Bild.

The Square

Ein weiterer Favorit für den Oscar ist der für Schweden eingereichte Film „The Square“ von Ruben Östlunds („Play“, „Höhere Gewalt“), in dessen Hauptrollen unter anderem Claes Bang, Elisabeth Moss und Dominic West zu sehen sind.

Die Komödie begleitet die Hauptperson Christian (Claes Bang), den erfolgreichen und gutaussehenden Chefkurator des fiktiven Museums X-Royal für Moderne Kunst, durch eine Woche voller skurriler, für den Zuschauer durchaus amüsanter, Ereignisse und Krisen, die ihm und seiner Reputation am Ende ganz schön zusetzen.

Der Dreh von „The Square“ war für die Schauspieler teilweise eine große Herausforderung, denn Östlund hat manche Szenen bis zu 50 Mal wiederholen lassen, bis sie endlich seinen Vorstellungen entsprachen. Doch das scheint sich gelohnt zu haben, denn das Werk wurde dieses Jahr bereits auf dem Filmfestival in Cannes hoch gelobt und bekam dort den Preis der „goldenen Palme“ („Palme d‘Or“) verliehen, der Hauptpreis des Festivals.

Der weite Weg der Hoffnung

Auch bei der Einreichung aus Kambodscha „Der weite Weg der Hoffnung“ (im Original: „First They Killed My Father“) darf man gespannt sein, ob er es unter die letzte Auswahl der fünf Nominierten der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ schafft. Die Produktion wurde unter anderem wegen der Tatsache, dass die bekannte US-Schauspielerin Angelina Jolie („Mr. & Mrs. Smith“, „Maleficent“) hier die Regie führte, heißt diskutiert und bekam dadurch jede Menge Aufmerksamkeit.

Das Drama spielt im Jahr 1975 in Kambodscha, als die Roten Khmer die Herrschaft des Landes an sich rissen, um ihren Kommunismus gewaltsam durchzusetzen. Die schrecklichen Ereignisse werden dabei aus der Sicht von Loung Ung (Sareum Srey Moch) gezeigt, die zu Beginn gerade einmal fünf Jahre alt ist. Sie und ihre Eltern (Phoeung Kompheak und Sveng Socheata) werden zur Feldarbeit gezwungen. Als Loung Ung aus diesem Lager flüchtet, landet sie in einem anderen Camp, in dem man sie zwingt, Kindersoldatin zu werden.

Deutsche Einreichungen

Aus dem Nichts

Bei den deutschen Einreichungen für den Oscar zählt vor allem der Film „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin zu den großen Favoriten. Die Hauptrollen spielen hier unter anderem Diane Kruger („Inglourious Basterds“, „The Infiltrator“), Denis Moschitto und Numan Acar. Der NSU-Drama handelt um Katja (Diane Kruger), deren Leben plötzlich auseinanderfällt, als ihr Mann Nuri (Numan Acar) und ihr Sohn Rocco (Rafael Santana) bei einem Bombenanschlag sterben. Die Verdächtigen, das junge Neonazi-Paar Edda (Hanna Hilsdorf) und André Möller (Ulrich Friedrich Brandhoff), werden von der Polizei festgenommen und Katja will Gerechtigkeit, um jeden Preis.

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„Aus dem Nichts“ feierte seine Weltpremiere auf dem 70. Filmfestival in Cannes und für ihre Performance in der Hauptrolle bekam Diane Kruger die goldene Palme als „Beste Darstellerin“ verliehen. Auch bei der deutschen Gala, dem 69. Bambi in Berlin, konnte der Thriller punkten. Hier bekamen Akin und Kruger gemeinsam am 16. November 2017 den „Sonderpreis der Jury“ verliehen, mit der Begründung, „Aus dem Nichts“ sei „großes Kino“ und „der wichtigste deutsche Film des Jahres“. Außerdem „überzeugt [Diane Kruger] in ihrem ersten deutschen Film durch die enorme Bandbreite ihrer Ausdruckskraft, in keinem Moment wirken die von ihr gezeigten starken Gefühle übertrieben oder unglaubwürdig. Ihr gelingt eine herausragende Interpretation des präzise beobachteten Buchs von Fatih Akin und seiner subtilen Regiearbeit.“

Von der Meinung der Jury kann man sich ab dem 23. November 2017 persönlich überzeugen, denn da kommt der Thriller dann bundesweit in die deutschen Kinos.

Weitere deutsche Werke

„Aus dem Nichts“ ist nicht die einzige deutsche Produktion, die versucht, es den Klassikern „Das Leben der Anderen“ (2007), „Nirgendwo in Afrika“ (2003), „Blechtrommel“ (1979) und „Mephisto“ (1981) gleichzutun und einen der beliebten Goldjungen aus Los Angeles mit nach Hause zu nehmen.

So konkurrieren zehn weitere von Deutschland um die Oscars 2018: „Amelie rennt“ von Tobias Wiemann, „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus, „Gleißendes Glück“ von Sven Taddicken, „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Matti Geschonneck, „Jonathan“ von Piotr J. Lewandowski, „Jugend ohne Gott“ von Alain Gsponer, „Mein Blind Date mit dem Leben“ von Marc Rothemund, „Paula“ von Christian Schwochow, „Western“ von Valeska Grisebach (die auch schon ein Teil der Crew bei „Toni Erdmann“ war), sowie „Willkommen bei den Hartmanns“ von Simon Verhoeven.

Mein Blind Date mit dem Leben von Marc Rothemund

Große Hoffnungen auf eine Auszeichnung darf sich auch der deutsche Schauspieler Jannis Niewöhner machen. Er ist nämlich in gleich zwei der eingereichten Filme, in „Jonathan“ und „Jugend ohne Gott“, in der Hauptrolle zu sehen. Für seine Performance in beiden Werken wurde er dieses Jahr sogar mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchs-Schauspieler ausgezeichnet.

Erst am 23. Januar 2018 wird feststehen, welche der eingereichten Filme von der Academy in Hollywood unter die fünf Nominierten für den besten nicht-englischsprachigen Kinofilm gewählt werden und somit am 04. März die Chance auf einen Oscar haben werden.

– Sarah Häring


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